Wirtschaft in Ostwürttemberg
Nr. 7116282
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KI im Mittelstand einsetzen

Embodied AI: KI kommt in die Produktion

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen angekommen. Während generative KI-Anwendungen inzwischen fester Bestandteil zahlreicher Büroarbeitsplätze sind, stellt sich für produzierende Unternehmen die Frage: Wie lässt sich KI konkret in Maschinen, Prozesse und Produkte integrieren, um messbare Mehrwerte zu schaffen? Antworten darauf lieferte der Technologieworkshop „Embodied Industrial AI: In einem Tag vom Ist-Zustand zur Umsetzungsstrategie“, zu dem das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg gemeinsam mit der Hochschule Aalen und dem digiZ Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg zum fem Forschungsinstitut nach Schwäbisch Gmünd eingeladen hatte.

Die Veranstaltung brachte Geschäftsführende, Innovationsverantwortliche und Fachkräfte aus regionalen Unternehmen zusammen, um die Potenziale einer neuen Generation industrieller KI-Anwendungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei das Konzept der „Embodied AI“. Anders als klassische KI-Systeme, die vor allem Daten analysieren und Handlungsempfehlungen geben, ist Embodied AI unmittelbar mit der physischen Welt verbunden. Sensoren, Maschinen, Roboter und digitale Systeme bilden dabei ein intelligentes Gesamtsystem, das Informationen wahrnimmt, verarbeitet und eigenständig auf Veränderungen reagieren kann.
Der Workshop zielte bewusst nicht darauf ab, Zukunftsvisionen zu präsentieren. Stattdessen standen die konkreten Herausforderungen der Unternehmen im Mittelpunkt. Viele Teilnehmende berichteten von ähnlichen Fragestellungen: Wie können Prozesse effizienter gestaltet werden? Wo lassen sich Fachkräfte durch intelligente Systeme entlasten? Welche KI-Anwendungen sind wirtschaftlich sinnvoll und realistisch umsetzbar?

Bestandsaufnahme

Nach einer Einführung in aktuelle Entwicklungen der industriellen KI arbeiteten die Unternehmen in interaktiven Formaten an ihren eigenen
Anwendungsfällen. Gemeinsam mit Experten der Hochschule Aalen analysierten sie den Status quo ihrer Organisation, identifizierten Potenziale entlang der Wertschöpfungskette und entwickelten erste Ideen für mögliche KI-Projekte. Dabei wurde deutlich, dass der erfolgreiche Einsatz von KI nicht zwangsläufig große Investitionen oder komplexe Forschungsprojekte voraussetzt. Häufig entstehen die größten Mehrwerte dort, wo bestehende Prozesse gezielt verbessert und vorhandene Daten sinnvoll genutzt werden.
Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, wie Unternehmen von einer ersten Idee zu einer konkreten Umsetzungsstrategie gelangen können. Anhand strukturierter Methoden wurden mögliche Anwendungsfelder bewertet und priorisiert. Neben dem technischen Nutzen spielten dabei auch Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit und organisatorische Voraussetzungen eine wichtige Rolle. Ziel war es, nicht nur Potenziale zu erkennen, sondern konkrete nächste Schritte für die eigene Unternehmenspraxis abzuleiten.
Die Diskussionen machten deutlich, dass die industrielle KI zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor wird. Angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Qualitätsanforderungen und wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, ihre Innovations- und Anpassungsfähigkeit zu stärken. KI kann dabei helfen, Prozesse robuster zu gestalten, Entscheidungen zu unterstützen und neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Entscheidend ist jedoch, die Technologie nicht isoliert zu betrachten, sondern sie gezielt mit den vorhandenen Kompetenzen und Strukturen im Unternehmen zu verbinden. Der Workshop verstand sich als Brücke zwischen Forschung und betrieblicher Praxis. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in aktuelle Forschungsansätze und konnten diese unmittelbar auf ihre eigenen Fragestellungen übertragen. Der Austausch mit Wissenschaft und anderen Unternehmen eröffnete neue Perspektiven.
Das Fazit der Veranstaltung fiel entsprechend positiv aus: Künstliche Intelligenz bietet dem industriellen Mittelstand erhebliche Chancen – vorausgesetzt, sie wird konsequent an konkreten betrieblichen Herausforderungen ausgerichtet. Der Technologieworkshop machte deutlich, dass der Weg zur industriellen KI nicht mit einer Technologieentscheidung beginnt, sondern mit dem Verständnis der eigenen Prozesse und Ziele. Wer hier systematisch vorgeht und erste Anwendungsfälle identifiziert, schafft die Grundlage für nachhaltige Innovationen.
Mit Formaten wie diesem leisten das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg, das digiZ Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg, die Hochschule Aalen und das fem Forschungsinstitut einen wichtigen Beitrag dazu, Zukunftstechnologien für den Mittelstand zugänglich zu machen und den Transfer von Wissen in die unternehmerische Praxis zu beschleunigen. Genau darin liegt eine wesentliche Voraussetzung, um die industrielle Transformation der Region erfolgreich zu gestalten.

Fortsetzung folgt

Die Veranstaltung bildete den Auftakt für ein weiterführendes Format. Im Herbst 2026 ist ein zweiter Teil geplant, der den Praxisbezug deutlich verstärken wird. Dann sollen verschiedene Integratoren und Technologieanbieter konkrete Robotik- und Automatisierungslösungen vorstellen. Unternehmen erhalten die Möglichkeit, unterschiedliche Systeme kennenzulernen, Einsatzszenarien zu diskutieren und die Verbindung von Robotik und KI unmittelbar zu erleben. Damit wird das Thema „Embodied Industrial AI“ noch greifbarer.
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