Kochertalbrücke: Region unter Druck
IHK fordert Turbo-Neubau der Kochertalbrücke
Die angekündigte Sperrung und der notwendige Ersatzneubau der Kochertalbrücke im Zuge der B 19 stellen Ostwürttemberg vor eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwürttemberg appelliert daher an Bund, Land, Regierungspräsidium, Landkreise und Kommunen, den Ersatzneubau mit höchster Priorität voranzutreiben und alle rechtlichen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Bauzeit, Verkehrsbehinderungen und wirtschaftliche Schäden so gering wie möglich zu halten.
Die B 19 verbindet die Wirtschaftsräume Stuttgart, Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim und ist eine der zentralen Verkehrsachsen Ostwürttembergs. Sie ist von erheblicher Bedeutung für Industrie, Handwerk, Handel, Logistik sowie den Pendlerverkehr. Entlang dieser Strecke sind zahlreiche exportorientierte Unternehmen – darunter international erfolgreiche Mittelständler und Weltmarktführer – ebenso ansässig wie viele kleine und mittlere Betriebe. Eine länger andauernde Einschränkung der Leistungsfähigkeit dieser Verbindung wird sich unmittelbar auf Lieferketten, Produktionsabläufe, Erreichbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums auswirken.
Die aktuelle Entwicklung kommt nicht überraschend. Bereits seit dem Jahr 2014 hat die IHK Ostwürttemberg gegenüber den zuständigen Behörden darauf hingewiesen, frühzeitig mit den notwendigen Planungen für diese wichtige Verkehrsverbindung zu beginnen und sämtliche verkehrlichen sowie baulichen Lösungsoptionen zu prüfen. Diese Position wurde unter anderem im Jahr 2016 deutlich vom IHK-Verkehrsausschuss gegenüber Vertretern des Regierungspräsidiums Stuttgart formuliert und in den folgenden Jahren wiederholt bekräftigt.
Vor diesem Hintergrund begrüßt die IHK die angekündigte Einrichtung einer Taskforce im Landesverkehrsministerium. Entscheidend wird jedoch sein, dass sie über klare Zuständigkeiten, kurze Entscheidungswege und den Auftrag verfügt, alle Möglichkeiten zur Beschleunigung des Projekts konsequent auszuschöpfen. Ziel muss sein, die Auswirkungen für Unternehmen, Beschäftigte und Bevölkerung auf das unvermeidbare Mindestmaß zu begrenzen.
„Die Region erwartet zu Recht, dass jetzt alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung übernehmen. Bund, Land, Regierungspräsidium, Landkreise, Kommunen und Wirtschaft verfolgen dasselbe Ziel: den Ersatzneubau so schnell wie möglich zu realisieren und die Belastungen für Unternehmen, Beschäftigte und Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Dafür sollten alle rechtlichen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten ergebnisoffen geprüft und konsequent genutzt werden. Die IHK wird diesen Prozess mit ihrer verkehrs- und wirtschaftspolitischen Expertise konstruktiv begleiten“,
betont IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler.
Aus Sicht der IHK Ostwürttemberg sind insbesondere folgende Maßnahmen erforderlich:
Planungs- und Genehmigungsverfahren konsequent beschleunigen
Alle rechtlichen Möglichkeiten zur Verkürzung der Planungs- und Genehmigungszeiten sollten genutzt werden. Hierzu gehört insbesondere die Prüfung, ob auf einzelne Verfahrensschritte – beispielsweise ein Planfeststellungsverfahren – rechtssicher verzichtet oder Verfahren parallel durchgeführt werden können.
Innovative Bauverfahren einsetzen
Der Ersatzneubau sollte unter Einsatz modernster Bauverfahren erfolgen. Hierzu zählen beispielsweise taktische Montageverfahren, modulare Bauweisen oder – soweit technisch möglich – eine zweigeteilte Bauausführung. Ziel muss sein, die Bauzeit gegenüber konventionellen Verfahren deutlich zu verkürzen.
Regionales Verkehrsmanagement frühzeitig aufbauen
Neubau der Rahmede Talbrücke A45 im März 2025.
Bereits vor Beginn der Bauarbeiten sollte ein regional abgestimmtes Verkehrsmanagement eingerichtet werden. Dazu gehören intelligente Verkehrssteuerungen, dynamische Ampelschaltungen, digitale Leitsysteme, abgestimmte Lkw-Lenkungskonzepte sowie eine enge Koordination zwischen Straßenbaubehörden, Kommunen, Polizei, Verkehrsunternehmen und der Wirtschaft. Nur durch ein integriertes Verkehrsmanagement lassen sich die unvermeidbaren Belastungen auf den Ausweichstrecken reduzieren. Beim Ersatzneubau der Rahmede-Talbrücke (A45) war beispielsweise ein Unternehmen aus Ostwürttemberg eingebunden und hat mit digitalen Leitsystemen für Verbesserungen gesorgt.
Wirtschaftliche Folgen frühzeitig abfedern
Viele Unternehmen werden durch längere Transportwege, höhere Logistikkosten und Verzögerungen in den Lieferketten erheblich belastet werden. Deshalb sollten Bund und Land frühzeitig Instrumente entwickeln, um außergewöhnliche wirtschaftliche Härten abzufedern. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Ersatzneubau der Rahmedetalbrücke (A45) zeigen, dass gezielte Unterstützungsprogramme – etwa Förderdarlehen, Logistik-Hilfen oder weitere Härtefallinstrumente – einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der regionalen Wirtschaft leisten können. Allein in diesem Zusammenhang wurden Unternehmen mit Förderdarlehen in Höhe von rund 61 Millionen Euro unterstützt.
Transparenz und Planungssicherheit schaffen
Ebenso wichtig ist eine frühzeitige und kontinuierliche Information der Unternehmen, Beschäftigten und Bürgerinnen und Bürger über Bauabläufe, Verkehrsführungen und zeitliche Meilensteine. Planungssicherheit ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Betriebe ihre Produktion, Logistik und Personalplanung rechtzeitig anpassen können.
Die IHK Ostwürttemberg wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten und die Erfahrungen sowie die Rückmeldungen der regionalen Wirtschaft in die Diskussion einbringen. Gleichzeitig bietet sie ihre Unterstützung als Ansprechpartnerin und Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung an.
Die anstehenden Herausforderungen können nur gemeinsam bewältigt werden. Jetzt gilt es, die Chance zu nutzen, den Ersatzneubau der Kochertalbrücke als Modellprojekt für schnelle, moderne und wirtschaftsorientierte Infrastrukturplanung umzusetzen. Jeder Monat, um den sich die Bauzeit verkürzen lässt, reduziert volkswirtschaftliche Schäden, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und trägt dazu bei, Arbeitsplätze in der Region zu sichern.
