Mehr Mut zur Selbstständigkeit

Mehr Gründungsinteresse in Ostwürttemberg

IHK Ostwürttemberg sieht steigenden Beratungsbedarf, neue Chancen durch KI und fordert schnellere Gründungsverfahren. Das Interesse an einer Unternehmensgründung ist gestiegen. Dies zeigt der aktuelle DIHK-Report Unternehmensgründung 2026. Die Industrie- und Handelskammern verzeichneten bundesweit deutlich mehr Anfragen und Beratungen von Gründungsinteressierten. Auch die IHK Ostwürttemberg registrierte im Jahr 2025 mit rund 370 Erstberatungen ein hohes Interesse an der Selbstständigkeit. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Motivation für den Schritt in die Selbstständigkeit zunehmend von wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist.
„Das wachsende Interesse an einer Unternehmensgründung ist eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Ostwürttemberg“,
sagt Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.
„Gleichzeitig beobachten wir, dass die Selbstständigkeit für viele Menschen auch eine Alternative zu unsicheren Beschäftigungsperspektiven wird. Unser Ziel muss es sein, dass aus diesem Interesse nachhaltige und wachstumsfähige Unternehmen entstehen.“
Grundlage des DIHK-Reports sind bundesweit rund 200.000 Kontakte aus dem IHK-Gründungsservice sowie die Einschätzungen der IHK-Gründungsberaterinnen und -berater. Zusätzlich flossen die Ergebnisse einer Befragung von knapp 800 Gründerinnen und Gründern, Start-ups und jungen Unternehmen ein.
Strukturwandel beeinflusst Gründungsgeschehen
Besonders in industriell geprägten Regionen wie Ostwürttemberg zeigen sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Transformation. Laut DIHK liegt der Anteil der Menschen, die vor allem aus Mangel an Erwerbsalternativen gründen möchten, inzwischen bei 36 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit elf Jahren.
„Viele Fachkräfte denken aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten, des Strukturwandels und veränderter Anforderungen in den Unternehmen über den Schritt in die Selbstständigkeit nach. Das zeigt, wie wichtig es ist, Gründende frühzeitig professionell zu begleiten und tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln“,
so Alexander Paluch, Stv. Bereichsleiter Standortpolitik | Unternehmensförderung | International.
Baden-Württemberg über Bundesniveau
Auch auf Landesebene zeigt sich die hohe Gründungsdynamik. In Baden-Württemberg stieg die Zahl der Einstiegsgespräche im Jahr 2025 um sechs Prozent auf rund 36.000. Die Zahl der vertiefenden Gründungsberatungen erhöhte sich sogar um 20 Prozent auf mehr als 3.000 und lag damit über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig beobachten die baden-württembergischen IHKs, dass die wirtschaftliche Lage und unsichere Beschäftigungsperspektiven für viele Menschen zunehmend ein Motiv für den Schritt in die Selbstständigkeit sind.
Gute Ideen brauchen solide Planung
Der DIHK-Report macht deutlich
„Viele gute Geschäftsideen scheitern nicht an der Idee selbst, sondern an der Finanzierung oder fehlenden Kenntnissen über Fördermöglichkeiten. Deshalb informieren wir Gründerinnen und Gründer frühzeitig und begleiten sie auf dem Weg zur erfolgreichen Unternehmensgründung“,
erklärt Hauptgeschäftsführer Rentschler.
„Eine überzeugende Geschäftsidee ist der Anfang. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind jedoch eine realistische Finanzplanung, ein klarer Kundennutzen und eine solide Vorbereitung. Die IHK Ostwürttemberg unterstützt Gründungsinteressierte dabei mit individueller Beratung, verschiedenen Seminaren, Webinaren, Informationsveranstaltungen und Netzwerken“,
betont Paluch.
Die IHK Ostwürttemberg berät Gründungsinteressierte auch zu Förderprogrammen der L-Bank sowie Bürgschaftsbank Baden-Württemberg oder zum Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Ergänzend unterstützt sie bei der Businessplan-Erstellung und der Vorbereitung von Finanzierungsgesprächen. Auch kostenlose Sprechtage mit dem digiZ Ostwürttemberg (E-Commerce), der L-Bank/Bürgschaftsbank, dem RKW oder dem Institut für freie Berufe werden regelmäßig angeboten.
KI und Digitalisierung eröffnen neue Chancen
Positiv bewertet die IHK Ostwürttemberg die wachsenden Chancen durch technologische Entwicklungen. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue sicherheitsrelevante Technologien schaffen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten und senken in vielen Bereichen die Hürden für den Einstieg in die Selbstständigkeit.
„Ostwürttemberg verfügt mit seinen innovativen Unternehmen, Hidden Champions, Hochschulen und Forschungseinrichtungen über hervorragende Voraussetzungen für technologieorientierte Gründungen. Gerade in den Bereichen KI, Automatisierung und Digitalisierung entstehen neue Märkte und Geschäftsmodelle“,
erklärt Alexander Paluch.
Bürokratie bleibt größtes Gründungshemmnis
Trotz des hohen Gründungsinteresses bewerten Gründerinnen und Gründer den Standort Deutschland weiterhin kritisch. Als größte Hürden nennen sie Bürokratie, komplexe Steuerregelungen und den Zugang zu Fördermitteln. Fast drei Viertel der Befragten wünschen sich schnellere und einfachere Verfahren.
Unternehmertum stärken und Potenziale nutzen
Die IHK Ostwürttemberg unterstützt Gründerinnen und Gründer von der ersten Geschäftsidee über Businessplan und Finanzierung bis hin zur Unternehmensentwicklung. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Gründungen in der Region weiter zu verbessern und mehr Menschen für unternehmerisches Handeln zu begeistern.
„Damit aus Ideen Arbeitsplätze und Innovationen werden, braucht es Mut zur Selbstständigkeit und einen Staat, der Gründungen ermöglicht statt erschwert. Ostwürttemberg hat das Potenzial für mehr erfolgreiche Gründungen. Dieses Potenzial müssen wir nutzen.“,
so Thilo Rentschler.