IHK-Magazin
Nr. 6784052
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„Wir brauchen Sichtbarkeit“

Transformation braucht Kommunikation: Beim Treffen des Business Women Netzwerks der IHK für Rheinhessen im neuen DB CargoLab Mainz im September sprachen DB-Cargo-Chefin Dr. Sigrid Nikutta, die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele, und IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede über Wandel, Teilhabe und Frauen in Führungspositionen.
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© IHK für Rheinhessen / Julia Schneider
Frau Nikutta, Sie haben die Deutsche Bahn durch viele Veränderungen geführt. Was bedeutet Transformation für Sie?
Sigrid Nikutta:
Transformation heißt für mich, Zukunft gestalten. Wir stehen bei DB Cargo mitten im größten Wandel unserer Geschichte. Unser Ziel ist, ab 2026 profita-bel zu sein – und das schaffen wir, indem wir Digitalisierung und soziale Verantwortung zusammen denken. Wir qualifizieren unsere Mitarbeitenden weiter und schaffen neue Perspektiven im Konzern. Wandel gelingt nur, wenn er fair bleibt.
Verena Bentele:
Für mich bedeutet Transformation, Menschen positiv in einen Veränderungsprozess mitzunehmen. Wir sollten nicht nur über Einsparungen und Sozialleistungsabbau sprechen, sondern über Chancen. Weiterbildung, Inklusion und Beteiligung, denn sie sind notwendige Investitionen in eine Gesellschaft, die älter und vielfältiger wird.
Karina Szwede:
Transformation ist für mich immer auch eine Einladung, aktiv zu gestalten. Wirtschaft und Gesellschaft verändern sich rasant – wir haben die Verantwortung, diesen Wandel mitzugestalten, statt ihn einfach geschehen zu lassen. Gerade hier in Rheinhessen zeigen viele Unternehmen, wie das geht: mit Innovationsfreude, Mut und einem klaren Blick nach vorn.
Warum ist Mainz ein so passender Ort für diese Diskussion?
Sigrid Nikutta:
Mainz ist das Herz von DB Cargo – und mit dem neuen CargoLab entsteht hier ein Zentrum für digitale Innovationen: von vernetzten Güterwagen über die digitale automatische Kupplung bis zu intelligenten Kamerabrücken. Wir sanieren hart, aber wir investieren zugleich in die Zukunft.
Karina Szwede:
Unsere Region steht für Transformation, zusammen mit unserer IHK mit ihren rund 42.00 Mitgliedsunternehmen aller Branchen und Größen. Sie zeigen, dass hier Wandel gelingt – technologiegetrieben und im Dialog mit den Menschen. Mainz vereint Tradition, Wirtschaftskraft und Innovationsfreude.
Verena Bentele:
Und genau solche Regionen brauchen wir. Mainz verbindet städtische Dynamik mit hoher Lebensqualität, zeigt Initiativen für nachhaltige Stadt und Sozialentwicklung und ist damit ein idealer Rahmen für Themen wie Teilhabe, Inklusion und Gleichstellung. Das ist zukunftsfähig!
Frau Szwede, die IHK engagiert sich stark für Gründerinnen. Welche Rolle spielt weibliches Unternehmertum im Wandel?
Karina Szwede:
Eine sehr große. Wenn wir über Transformation sprechen, geht es immer auch um Innovation – und die entsteht, wenn Menschen Ideen umsetzen. Es sind zunehmend Frauen, die aus solchen Ideen dann ein eigenes Geschäftsmodell entwickeln. So wagten im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz gut 10.500 Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit – so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Gleichzeitig gibt es immer noch Nachholbedarf: Der Anteil der Gründerinnen liegt insgesamt bei rund einem Drittel, in ihre Ideen fließt oft weniger Kapital. Das müssen wir ändern. Wenn wir Role Models sichtbar machen und zeigen, dass Erfolg machbar ist, gewinnen wir mehr Frauen für die Selbstständigkeit – und damit für die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft.
Sie sind Frauen in Führungspositionen – warum ist das Thema Netzwerke so relevant?
Karina Szwede:
Weil echte Gleichstellung noch nicht erreicht ist. In Deutschland sind Frauen in Spitzenpositionen nach wie vor die Ausnahme. Frauennetzwerke schaffen Räume, in denen man offen sprechen kann – ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen. Es geht um gegenseitige Unterstützung, nicht um Abgrenzung.
Verena Bentele:
Frauen in Führungspositionen sind längst keine Ausnahme mehr – und doch werden sie noch immer anders bewertet als ihre männlichen Kollegen, etwa weil sie Kinder haben, wegen ihres Alters oder ihrer Herkunft. Wir brauchen sichtbare Vorbilder in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die zeigen: Erfolg ist selbstverständlich weiblich.
Sigrid Nikutta:
Angela Merkel hat einmal gesagt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Einzelne Spitzenfrauen reichen nicht – wir brauchen Breite und Sichtbarkeit, in allen Branchen und auf allen Ebenen.
Interview: MELANIE DIETZ, IHK für Rheinhessen
Business Women IHK für Rheinhessen
Seit Mai 2025 bringt die IHK für Rheinhessen mit dem Business Women Netzwerk Unternehmerinnen, Gründerinnen und Entscheiderinnen aus der Region zusammen. Ziel ist es, Austausch zu stärken, Sichtbarkeit zu schaffen und Frauen in der Wirtschaft gezielt zu vernetzen. Das Netzwerk ist Teil der bundesweiten Initiative „Business Women IHK“ der DIHK.

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