Auf zu neuen Ufern
Das Mediziner-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci zählte mit dem Mainzer Unternehmen Biontech zu den Protagonisten der Pandemiebekämpfung. Bis Ende dieses Jahres, mit Ablauf ihrer aktuellen Dienstverträge, scheiden die beiden Gründer aus dem operativen Geschäft bei Biontech aus, das sie 2008 ins Leben gerufen haben.
Mainzer Ehrenbürger, Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz, Deutscher Zukunfts-, Nachhaltigkeit- und Nationalpreis, Bundesverdienstkreuz, nationale und internationale Ehrendoktorwürden: Zur Ruhe setzen wollen sich Ugur Sahin und Özlem Türeci damit nicht. Die beiden Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech wollen ein neues Unternehmen gründen, das sich der KI-gestützten Entwicklung neuer Innovationen im Bereich der mRNA widmet. Bei Medikamenten, die auf der so genannten Boten-RNA basieren, werden die Körperzellen gleichsam als Bauanleitung genutzt. Der Covid-19-Impfstoff, den Biontech und sein US-Partner Pfizer entwickelt haben, ist ein bekanntes Beispiel.
Anteilseigner an Biontech wollen Sahin und Türeci nach Medienberichten bleiben, wo von einer etwa 15-prozentigen Beteiligung die Rede ist. Am neuen Unternehmen der Biontech-Gründer wird das in Mainz ansässige Unternehmen laut Ankündigung beteiligt sein, auch unter Einbringung und Lizenzierung eigener Entwicklungen. Die Behandlung von Krebspatienten, der sich das Unternehmer-Ehepaar seit langem widmet, soll bei der Neugründung im Vordergrund stehen. Vor einem Vierteljahrhundert waren Sahin und Türeci in die Krebsforschung der Universitätsmedizin Mainz gewechselt, wo sie maßgeblich am Aufbau der Translationalen Onkologie (Tron) mitwirkten. Auch Biontech hatte sich anfänglich der Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs und andere schwere Krankheiten auf mRNABasis verschrieben.
Insofern schließt sich, auch wenn die auf den ersten Blick womöglich überraschende Ankündigung des Abgangs von CEO und Forschungschefin den Börsenkurs zunächst auf Talfahrt schickte, ein Kreis. Zumal Biontech vor neuen unternehmerischen Schritten steht, wenn es darum geht, die selbst entwickelten Wirkstoffe in großen Mengen zu produzieren, zu vermarkten und zu vertreiben. Mehr als ein Dutzend Krebsmedikamente steuern auf die finale Testphase zu. Das Unternehmer-Ehepaar aber will, wie es hieß, lieber forschen als managen.
Die mRNA-Technologie hatte zuletzt im Produktportfolio von Biontech Medienberichten zufolge an Bedeutung verloren. Die beiden Gründer könnten nun im neuen, selbst entwickelten Umfeld weitere medizinische Zukunftsperspektiven erforschen. Eine Vereinbarung beider Unternehmen wird bis zum Sommer erwartet. Name, Sitz und Rechtsform des neuen Unternehmens sind noch nicht bekannt. Klar ist, dass es keine Tochtergesellschaft von Biontech sein wird.
TORBEN SCHRÖDER, FREIER JOURNALIST
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