IHK-Magazin
Nr. 7055108
Michael Kundel

„Erfolg entsteht im Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven“

„Erfolg geht nur gemeinsam“ lauten Titel und Kernthese eines neu erschienenen Buches mit zahlreichen Autoren aus Rheinhessen. Das Thema: Sozialpartnerschaft beim Wormser Industrieunternehmen Renolit. Die Botschaft: Unternehmerische Verantwortung, partnerschaftliches Handeln und nachhaltiger Erfolg gehen Hand in Hand. Das macht die Inhalte für die gesamte Wirtschaftsregion relevant. IHK-Vizepräsident Michael Kundel, langjähriger Vorstandsvorsitzender und aktuell Aufsichtsrat des Wormser Unternehmens, erläutert, wie Erfolg gemeinsam geht.
„Erfolg geht nur gemeinsam“. Wie lässt sich dieser Leitsatz auf den betrieblichen Alltag in der Industrie übertragen?
In der chemischen Industrie besteht eine jahrzehntelange Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Und so gab es über Jahrzehnte keine wirklichen Arbeitskämpfe. Stattdessen wurden auf Augenhöhe tragfähige Lösungen erarbeitet. Genau dieser Gedanke wird auch im Buch aufgegriffen: Erfolg entsteht dort, wo Zusammenarbeit, Vertrauen und gegenseitiger Respekt gelebt werden. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Verantwortung zu teilen. Von dieser Philosophie sind auch wir als Familienunternehmen beseelt – sie prägt das tägliche Miteinander und ist ein zentraler Bestandteil unseres Erfolgs.
Nun ist Renolit nicht nur ein Familienunternehmen, sondern auch international tätig. Wie lässt sich diese Brücke schlagen?
Die Internationalisierung begann schon früh, doch 2006 hat uns die Übernahme der Industriefolien-Sparte des belgischen Unternehmens Solvay in ganz andere Sphären geführt. Das geht nur, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einem Strang ziehen und so auch mögliche Ängste der Beschäftigten auffangen. Es gab einen engen Schulterschluss aller Gremien. Wir haben immer offen und transparent informiert. Gerade in Zeiten großer Transformation sind Vertrauen, Transparenz und ein offener Dialog entscheidend, um Orientierung zu geben und Menschen mitzunehmen.
Was ist ein Beispiel für das Zusammenwirken von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Seite?
Vor einigen Jahren wurde unser Betriebsrat dafür prämiert, dass ein firmeninterner Pflege-Fonds entwickelt wurde. Dabei ergänzen sich tarifvertragliche Vereinbarungen und freiwillige Leistungen des Unternehmens. So können Mitarbeiter sich eine Auszeit nehmen, um sich um zu pflegende Angehörige zu kümmern. Die Unterstützung geht deutlich über die Kassenleistungen hinaus. Zudem wurde allen Beschäftigten in Deutschland durch eine tarifvertragliche Vereinbarung die Möglichkeit zuteil, sich über eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzusichern – ohne Zusatzbeitrag. Ergänzend gibt es auch den Renolit-Unterstützungsverein, der Mitarbeitenden in unverschuldeten Notlagen finanziell zur Seite steht.
Wie lässt sich das Prinzip auf das Zusammenwirken von Industrie und Politik übertragen?
Zur Energiepolitik gab es einen sehr engen Austausch der chemischen Industrie und der Gewerkschaft IGBCE mit der Politik, auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene. Dabeihaben Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite an einem Strang gezogen. Ein konkretes Beispiel ist unser geplantes Windpark-Projekt in Worms, denn zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit brauchen wir bezahlbare Energie. Diesem Zweck dient auch, mit Blick auf Kostenstrukturen, Produktivität und Effizienz, die Zusammenlegung der Standorte Frankenthal und Worms an unserem größten Standort in Worms, wo noch Flächen für ein neues Werk verfügbar sind. Allen Mitarbeitern in Frankenthal wurde ein Arbeitsplatz-Angebot in Worms zugesichert. Erneut gibt es einen Schulterschluss mit den Betriebsräten an beiden Standorten, mit vielen Gesprächen auf Augenhöhe, aber ohne Streiks. Gelebte Sozialpartnerschaft ist nicht immer konfliktfrei, aber wenn wir gut diskutieren, finden wir auch gemeinsam gute Lösungen.
DIE FRAGEN STELLTE TORBEN SCHRÖDER, FREIER JOURNALIST

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