Medienstandort Mainz: Von Gutenberg in den Stream
Frage an die KI: Was kann man zum Medienstandort Mainz sagen? Dass er, so die Antwort, einer der bedeutendsten Deutschlands ist, mit langer Tradition, beginnend bei Gutenberg. Vom Buchdruck mit beweglichen Lettern, der die Vervielfältigung von Schriftstücken ermöglichte, bis zur Künstlichen Intelligenz waren es fünfeinhalb Jahrhunderte. Im Spannungsfeld beider Revolutionen befinden sich die Medienakteure.
Zusammengefasst sind „die Medien“ auch im 21. Jahrhundert ein starker Wirtschaftsfaktor in Rheinhessen. Welche Größenordnung allein das ZDF hat, zeigt ein Blick auf sein Budget: Als reine Vergleichsgröße entspricht es rechnerisch rund einem Zehntel des Mainzer Bruttoinlandsprodukts von knapp 25 Milliarden Euro. Dass Mainz Teil eines großen Marktes ist, zeigt der Blick auf Deutschland insgesamt: Der deutsche Unterhaltungs- und Medienmarkt kam 2024 laut PwC Deutschland auf 111,6 Milliarden Euro Umsatz, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Wachstum entsteht dabei vor allem digital, während klassische Segmente wie Print und Fernsehen zwar unter Druck stehen, aber weiterhin zu den umsatzstarken Bereichen zählen.
Auch regional bleibt die Branche relevant: Im Bezirk der Arbeitsagentur Mainz, der Rheinhessen entspricht, waren im September 2025 insgesamt 5.875 Menschen sozialversicherungspflichtig in Werbung, Marketing sowie kaufmännischen und redaktionellen Medienberufen beschäftigt. Das entspricht 2,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Region.
Medienmacht auf dem Lerchenberg
Mit Abstand der wirtschaftlich größte Player ist das ZDF. Am zentralen Standort auf dem Mainzer Lerchenberg kommen 3.450 Festangestellte sowie 1.440 freie Mitarbeiter in 140 Berufsfeldern zusammen. 2025 erreichte der öffentlich-rechtliche Sender mit TV und Streaming monatlich rund 64,5 Millionen Zuschauer, mit beständigem Marktanteil im klassischen Fernsehen und rasantem Wachstum im digitalen Raum. „Diese Kombination ist zentral für die zukünftige Reichweitenentwicklung“, macht Sprecherin Cordelia Gramm deutlich.
Ebenfalls auf dem Mainzer Medienberg sitzt die VRM, die den Wandel von der klassischen Verlagsanstalt zum digitalen Medienhaus sichtbar vorantreibt. Wenn man sonntags die Fenster des langgezogenen Verlagsgebäudes öffnet, kann man zuweilen bei der Musik aus dem ZDF-Fernsehgarten mitwippen. Der Verlag in direkter Nachbarschaft zum ZDF erreicht vorrangig mit Haupt-Titeln wie „Allgemeine Zeitung“, „Wormser Zeitung“, „Wiesbadener Kurier“, „Darmstädter Echo“ und „Wetzlarer Neue Zeitung“ beiderseits des Rheins auf Papier und digital täglich mehr als 700.000 Leser. Die Zeitungstitel in Rheinland-Pfalz kommen auf 54.000 Abonnenten. Die VRM beschäftigt insgesamt rund 1.300 festangestellte und 900 freie Mitarbeiter.
Mediale Nähe zeigt sich hier ganz praktisch: Unter demselben Dach arbeitet auch das SAT.1-Landesstudio mit dem Regionalmagazin „17.30 Uhr SAT.1 LIVE“. Auf dem Lerchenberg liegen Fernsehen, Verlag und digitale Angebote damit nicht nur thematisch, sondern auch räumlich eng beieinander.
Auch der SWR prägt den Medienstandort Mainz deutlich. Von den 3.700 Festangestellten der ARD-Rundfunkanstalt arbeiten 860 in Mainz, hinzu kommen rund 500 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zugleich ist Mainz Sitz wichtiger ARD-Gemeinschaftsangebote wie „funk“ und „ARD Online“, die unter anderem die gemeinsame Mediathek des Ersten mitverantworten.
Die Zukunft ist digital – die Gegenwart auch. Wie stark sich lokale Medien inzwischen digital organisieren, zeigt auch der Merkurist. Rund eine Million Leserinnen und Leser erreicht das digitale Lokalmedium nach Angaben von David Gutsche, Head of Content & Sales, monatlich in Mainz, Wiesbaden und Rheinhessen. Sein Prinzip: Lokale Themen schnell aufgreifen, nah an der Community bleiben und mit einem kleinen Team beweglich arbeiten. Zehn feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie gut ein Dutzend freie Reporter und Fotografen setzen auf Tempo, Nähe und Agilität.
Zur Medienvielfalt zählen auch die Radiostationen. Rockland Radio sieht sich als regionale Audio- und Medienmarke. Live-Radio, Streaming, Social-Media-Inhalte und Events kommen zusammen. 40 feste und freie Mitarbeiter erreichen täglich 423.000 Paar Ohren und 632.520 weitere Sessions abseits des klassischen Radiohörens. 15 Mitarbeiter sorgen für das Programm von Antenne Mainz, als Tagesreichweite gibt die Radio Mainz Live Rundfunk GmbH 125.000 Hörer an.
„Starke lokale Medien-Marken werden ihre Zielgruppen finden, unabhängig von der Art der Verbreitung“, ist Antenne-Mainz-Geschäftsführer Vittorio Nobile überzeugt. Egal ob Radio, Zeitungshäuser oder Fernsehsender – digitale Zusatzinhalte werden als Wachstumstreiber definiert. Bei Rockland Radio setzt man auch auf Eventkooperationen und crossmediale Kampagnen für Werbekunden. Investitionen gehen vorrangig in die digitale Infrastruktur.
Für Merkurist ist das Bespielen der Sozialen Medien zentral, um Reichweite zu generieren. Neben Texten und Fotos wird das Element Bewegtbild immer wichtiger, dem Nutzungsverhalten folgend. Das Portal setzt auf enge Einbindung der Community, etwa mit Themenvorschlägen der Leser. Newsletter und neue, lokale Serviceformate werden ausgebaut, die Veranstaltungs- und Terminfunktionen erweitert.
Stark aufs Digitale ausgerichtet ist auch die Geschäftsstrategie der VRM. Im Netz legte das Nachrichtenportal der Allgemeinen Zeitung dieses Jahr von monatlich 2,5 auf 2,7 Millionen Pageviews zu. „Zugleich beobachten wir, dass in einer zunehmend digitalen Welt persönliche Begegnungen wieder stärker an Bedeutung gewinnen“, sagt Sprecherin Julia Gewehr. Live-Formate und Veranstaltungen vor Ort sollen die regionale Bindung stärken.
Zentral ist für das ZDF der Ausbau des Streaming-Portals, nebst stärkerer Präsenz in den Sozialen Medien. Immer stärker komme es darauf an, Inhalte so zu entwickeln und auszuspielen, dass unterschiedliche Zielgruppen über unterschiedliche Kanäle erreicht werden. Mehr als 100 Millionen Euro habe das ZDF bereits gezielt in Richtung jüngerer Zielgruppen umgeschichtet. Bei den Investitionen steht der Ausbau der digitalen Infrastruktur im Fokus.
Was den Medienstandort Mainz auszeichnet
Zum Standort gehört auch der journalistische Nachwuchs: Das Journalistische Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bildet mitten in der Medienstadt Journalistinnen und Journalisten aus. Die Nähe zu Redaktionen in ganz Deutschland wird nicht nur über die Lebensläufe der fest angestellten Mitarbeitenden gepflegt, sondern auch über zahlreiche Lehrbeauftragte aus der Medienpraxis. Was Mainz aus Sicht der Branche stark macht, ist das enge Zusammenspiel von Sendern, Verlagen, Hochschulen, Agenturen, Kreativwirtschaft, Politik, Sport, Kultur und mittelständischer Wirtschaft. Für David Gutsche vom Merkurist schafft gerade die enge Vernetzung im Rhein-Main-Gebiet „ein kreatives und dynamisches Umfeld“. Auch VRM und ZDF sehen Regionalität, Nähe und Vertrauen als klare Standortvorteile: Die Einbindung in eine wirtschaftsstarke und innovationsfreudige Region erleichtert Kooperationen, stärkt Identifikation und hilft, Fachkräfte zu gewinnen.
Dabei greift auch allen am Medienstandort Mainz Tätigen die KI in unterschiedlicher Form unter die Arme. Bei Rockland Radio gewinnt sie in Produktion, Recherche, Planung und Prozessoptimierung an Bedeutung. „Die publizistische Verantwortung bleibt aber menschlich“, betont der Sender: „Gerade in einer Zeit wachsender Informationsflut sind Glaubwürdigkeit, Einordnung und lokale Nähe entscheidend.“ Auch die VRM setzt auf die Verknüpfung von regionaler Berichterstattung mit modernen Technologien wie KI. „Hierbei bleibt jedoch der Mensch stets die letzte Entscheidungsinstanz.“
TORBEN SCHRÖDER, FREIER JOURNALIST
IHK-PREIS FÜR WIRTSCHAFTSJOURNALISMUS 2026 IN MAINZ
Am 7. Oktober 2026 wird im Frankfurter Hof in Mainz der IHK-Preis für Wirtschaftsjournalismus „Ernst Schneider“ verliehen. Als größter deutscher Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik würdigt der Preis journalistische Beiträge, die wirtschaftliche Zusammenhänge allgemeinverständlich vermitteln und durch Relevanz, Recherche sowie Erzähltechnik herausragen. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: www.ihk-event.de/esp2026
Am 7. Oktober 2026 wird im Frankfurter Hof in Mainz der IHK-Preis für Wirtschaftsjournalismus „Ernst Schneider“ verliehen. Als größter deutscher Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik würdigt der Preis journalistische Beiträge, die wirtschaftliche Zusammenhänge allgemeinverständlich vermitteln und durch Relevanz, Recherche sowie Erzähltechnik herausragen. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: www.ihk-event.de/esp2026
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