IHK-Magazin
Nr. 7126136
Globus aus Leuchtpunkten, umspannt von Symbollinien diverser Transportformen, Hintergrund Hafen, Begriffe im Vordergrund

„Den US-Markt langfristig betrachten“

Die USA bleiben für viele deutsche Unternehmen ein Schlüsselmarkt – trotz Zöllen und handelspolitischer Unsicherheiten. Was das für Mittelständler bedeutet, erklärt Juliane Eichler, LL.M., Leiterin der Rechtsabteilung und Attorney-at-Law bei der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York. Beim 15. IHK-Exportforum am 28. Oktober in Mainz ordnet sie die aktuellen Rahmenbedingungen für das USA-Geschäft ein.
Juliane Euchler
© Deutsch-Amerikanischen Handelskammer


Sie beobachten die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA seit vielen Jahren. Welches Bild zeichnen Sie aktuell?
Der German American Business Outlook, eine jährliche Befragung deutscher Tochtergesellschaften in den USA durch die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern, zeigt klar: Deutsche Unternehmen betrachten den US-Markt langfristig – trotz handelspolitischer Unsicherheiten und neuer Zollmaßnahmen bleiben sie zuversichtlich und investitionsbereit.
Warum ist der US-Markt für deutsche Unternehmen auch weiterhin so wichtig?
Die USA bleiben einer der attraktivsten Märkte für deutsche Unternehmen. Die Haupttreiber sind nach wie vor die Größe des US-Marktes, die hohe Kundennachfrage, die Nähe zum Kunden sowie die Marktstabilität. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass 82 Prozent der deutschen Unternehmen für 2026 steigende Umsätze erwarten. Für die große Mehrheit bleibt der US-Markt der wichtigste Auslandsmarkt überhaupt – mit dem größten Wachstumspotenzial. Politische Unsicherheit und fehlende Planbarkeit werden zwar als zentrale Herausforderungen wahrgenommen, führen aber nicht zu einem Rückzug aus dem Markt.
Welche Folgen haben die aktuellen Zollentwicklungen konkret für deutsche Mittelständler?
Die Auswirkungen der Zölle sind keineswegs einheitlich. Sie hängen stark von Branche, Produkt und Wettbewerbssituation ab. Viele Unternehmen geben die zusätzlichen Kosten an ihre US-Kunden weiter – mehr als 50 Prozent tun dies laut unserer Umfrage bereits vollständig. Gleichzeitig sehen wir, dass Unternehmen ihre Lieferketten überprüfen, lokale Produktionskapazitäten ausbauen und verstärkt auf Zolloptimierung setzen. Besonders betroffen ist die industrielle Fertigung, gleichzeitig berichten jedoch auch Unternehmen mit starker US-Präsenz von positiven Effekten.
Wo begegnen Ihnen derzeit die größten Sorgen der Unternehmen?
An erster Stelle steht handelspolitische Unsicherheit – sie wird von 46 Prozent der Unternehmen in unserer Umfrage als größte Herausforderung genannt, 44 Prozent sind es die finanziellen Auswirkungen der Zölle. Hinzu kommen der administrative Aufwand im Zusammenhang mit Zollvorschriften sowie der weiterhin bestehende Fachkräftemangel.
Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps für Betriebe, um mit diesen Herausforderungen umzugehen?
Erstens: Entwicklungen im Zoll- und Handelsrecht aktiv beobachten und frühzeitig reagieren. Zweitens: Lieferketten und Vertriebsstrukturen regelmäßig überprüfen und flexibel anpassen. Drittens: Den US-Markt langfristig betrachten. Erfolgreiche Unternehmen treffen ihre Entscheidungen nicht auf Basis kurzfristiger Schlagzeilen, sondern orientieren sich an den dauerhaften Chancen vor Ort.
Welche Fehler sollten Unternehmen jetzt vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist, wegen der Unsicherheit abzuwarten und Investitionsentscheidungen aufzuschieben. Ebenso problematisch ist die Annahme, dass sich ein in Deutschland erfolgreiches Produkt oder Geschäftsmodell unverändert auf den US-Markt übertragen lässt. Regionale Marktunterschiede, regulatorische Besonderheiten und Kundenbedürfnisse erfordern eine gezielte Anpassung von Produkten, Geschäftsmodellen und Vertriebsstrategien.
Welchen Rat würden Sie einem Unternehmen geben, das gerade seine ersten Schritte auf dem US-Markt plant?
Eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend. Unternehmen sollten ihre Zielgruppe und den Wettbewerb genau analysieren, ihre Produkte an lokale Anforderungen anpassen und die passende Vertriebsstrategie wählen. Ebenso wichtig ist es, rechtliche und regulatorische Fragen frühzeitig zu klären und zuverlässige lokale Partner aufzubauen.
Welche zentralen Erkenntnisse nehmen die Teilnehmer Ihres Vortrags beim Exportforum mit nach Hause?
Die Teilnehmer erhalten einen praxisnahen Überblick über die aktuellen US-Zölle, handelspolitische Entwicklungen und den Stand des US-EU-Abkommens. Außerdem geht es um konkrete Herausforderungen für deutsche Unternehmen – und um Handlungsempfehlungen, wie sie mit den derzeitigen Rahmenbedingungen umgehen können.
Die Fragen stellte Melanie Dietz, IHK für Rheinhessen
15. IHK-Exportforum
Internationale Märkte verändern sich rasant: neue Zölle, geopolitische Risiken, komplexe Lieferketten und wachsende Anforderungen an die Trade Compliance stellen Unternehmen vor neue Fragen. Das 15. IHK-Exportforum bietet praxisnahe Orientierung, aktuelle Einblicke von Fachleuten und die Gelegenheit zum Austausch mit Unternehmen und Expertinnen und Experten aus Zoll, Außenwirtschaft und Exportkontrolle.
Termin: Mittwoch, 28. Oktober 2026
Ort: Eltzer Hof, Bauhofstraße 5, Mainz
www.ihk-exportforum.de

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