IHK-Magazin
Nr. 7123956
links Karina Szwede, rechts Katharina Heinz

„Führung lernt man, indem man sie übernimmt“

Katharina Heinz führt das Heinz Autocenter in Mainz in dritter Generation. Beim Netzwerktreffen der Business Women IHK Rheinhessen gab sie als Gastgeberin Einblicke in ihr Familienunternehmen – inklusive Reifenwechsel.
Sie führen ein Familienunternehmen in dritter Generation. War das immer Ihr Plan?
Nein, mein Weg war weniger geradlinig als man vielleicht vermuten würde. Nach dem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und im Private Banking gearbeitet. Erst später entstand der Wunsch, meine Erfahrungen in unser Familienunternehmen einzubringen. Gleichzeitig war es mir wichtig, mir eine eigene fachliche Grundlage zu erarbeiten. Deshalb habe ich parallel zu meinem Einstieg berufsbegleitend Betriebswirtschaft studiert und anschließend einen MBA absolviert.
Wann war für Sie klar, dass Sie das Unternehmen einmal führen möchten?
Diese Entscheidung ist Schritt für Schritt gewachsen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht nur mitarbeiten, sondern das Unternehmen auch aktiv mitgestalten möchte. Als die Nachfolge konkreter wurde, war für mich klar: Wenn ich diesen Weg gehe, dann mit voller Überzeugung.
Was bedeutet es für Sie persönlich, Unternehmerin zu sein?
Für mich bedeutet es vor allem, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich geht es um den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Aber genauso geht es um die Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit kommen und darauf vertrauen, dass wir gute Entscheidungen treffen. Deshalb sehe ich mich nicht nur als Geschäftsführerin, sondern auch als Gestalterin.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich versuche, klar zu führen und gleichzeitig nahbar zu bleiben. Gute Führung basiert für mich auf Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Dazu gehört, zuzuhören, unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen und trotzdem eine Richtung vorzugeben. Am Ende ist es meine Aufgabe, Entscheidungen zu treffen und dafür einzustehen.
Wie erleben Sie Ihre Rolle als Frau in der Automobilbranche?
Die Automobilbranche ist noch immer stark männlich geprägt. Gerade zu Beginn wurde ich häufig zuerst als „die Tochter von“ wahrgenommen und nicht als Geschäftsführerin.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Kompetenz langfristig mehr überzeugt als jedes Vorurteil. Gleichzeitig möchte ich sichtbar sein, damit Frauen in Führungspositionen in dieser Branche irgendwann nicht mehr als Besonderheit gelten.
Glauben Sie, dass Frauen anders führen als Männer?
Ich glaube, dass der persönliche Führungsstil wichtiger ist als das Geschlecht. Manche Frauen führen vielleicht kooperativer und beziehen ihr Umfeld stärker ein. Verallgemeinern würde ich das aber nicht. Entscheidend sind am Ende die Haltung und die Persönlichkeit eines Menschen.
Sie haben vor Kurzem den Staffelstab von Ihrem Vater übernommen. Was war dabei die größte Herausforderung?
Den richtigen Ausgleich zwischen Bewahren und Verändern zu finden. Mein Vater hat das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut. Davor habe ich großen Respekt.
Gleichzeitig verändert sich unsere Branche sehr schnell. Deshalb müssen wir bereit sein, neue Wege zu gehen. Ein solcher Übergang kann aus meiner Sicht nur gelingen, wenn beide Generationen einander vertrauen.
Welche Werte aus der bisherigen Unternehmensführung möchten Sie bewahren?
Unsere Handschlagqualität, den respektvollen Umgang miteinander und den langfristigen Blick auf das Unternehmen. Familienunternehmen denken nicht nur in Quartalen, sondern in Generationen.
Wo setzen Sie bewusst neue Impulse?
Ich möchte das Unternehmen moderner und vernetzter aufstellen. Dazu gehören digitale Prozesse, eine zeitgemäße Zusammenarbeit und eine starke Positionierung als Arbeitgeber. Gleichzeitig möchte ich Offenheit für neue Ideen fördern. Wir können uns nur weiterentwickeln, wenn wir bereit sind, bestehende Abläufe immer wieder zu hinterfragen.
Welche Entwicklungen in der Automobilbranche beschäftigen Sie derzeit besonders?
Neben der Elektromobilität verändert sich vor allem das Verhalten der Kundinnen und Kunden. Sie erwarten schnelle Abläufe, Transparenz und gleichzeitig eine persönliche und ehrliche Beratung. Hinzu kommt die Frage, wie wir auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Der Wettbewerb um gute Mitarbeitende ist mittlerweile mindestens genauso wichtig wie der Wettbewerb um Kundinnen und Kunden.
Wohin möchten Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln?
Mein Ziel ist, dass Heinz auch in der vierten Generation ein erfolgreiches Familienunternehmen bleibt. Wir möchten wachsen, aber nicht um jeden Preis.
Entscheidend ist für mich, dass unsere Kundinnen und Kunden gerne zu uns kommen und unsere Mitarbeitenden gerne bei uns arbeiten.
Welche Rolle spielt Rheinhessen für Ihr Unternehmen?
Eine sehr große. Unser Unternehmen ist seit mehr als 75 Jahren in Mainz verwurzelt. Wir verstehen uns als Teil der Region und möchten auch etwas zurückgeben.
Deshalb engagieren wir uns bewusst in sozialen Projekten, Vereinen und regionalen Netzwerken.
Welche Erfahrungen haben Ihnen auf Ihrem eigenen Weg besonders geholfen?
Vor allem der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern. In Netzwerken kann man Erfahrungen teilen, neue Perspektiven kennenlernen und auch schwierige Themen offen besprechen. Gerade dann, wenn wichtige Entscheidungen anstehen, ist dieser Rückhalt besonders wertvoll.
Was würden Sie jungen Frauen raten, die ein Unternehmen gründen oder übernehmen möchten?
Warten Sie nicht darauf, sich perfekt vorbereitet zu fühlen. Diesen Zeitpunkt wird es wahrscheinlich nie geben. Führung lernt man, indem man Verantwortung übernimmt. Wichtig ist, einen eigenen Führungsstil zu entwickeln, statt andere zu kopieren. Man darf sich Rat holen und trotzdem seinen eigenen Weg gehen.
Das Interview führte Julia Schneider, IHK für Rheinhessen.
Katharina Heinz ist Geschäftsführerin der Heinz Autocenter GmbH & Co. KG und führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Die ausgebildete Bankkauffrau hat einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaft und einen MBA. Sie engagiert sich für Unternehmensnachfolge, moderne Führung und Female Leadership.
Autocenter Heinz:
Das Heinz Autocenter ist ein Familienunternehmen, das in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen gefeiert hat. Mehr als 100 Mitarbeitende arbeiten am Standort Mainz. Der Schwerpunkt liegt auf persönlicher Beratung und Service.
Business Women IHK Rheinhessen:
Seit Mai 2025 bringt die IHK für Rheinhessen mit dem Business Women Netzwerk Unternehmerinnen, Gründerinnen und Entscheiderinnen aus der Region zusammen. Ziel ist es, Austausch zu stärken, Sichtbarkeit zu schaffen und Frauen in der Wirtschaft gezielt zu vernetzen. Das Netzwerk ist Teil der bundesweiten Initiative „Business Women IHK“ der DIHK. Kontakt: Viktoria Braun, Referentin für Bildungsprojekte und Fachkräftesicherung,
viktoria.braun@rheinhessen.ihk24.de,
Telefon: 06131-262-1710.
www.ihk.mom/rheinhessen/businesswomen

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