IHK-Magazin
Nr. 7124014
zwei Mädchen schauen auf ein Bild

Ein Zertifikat als Türöffner

IHK-Zertifikatslehrgänge mit sozialen Einrichtungen eröffnen neue Qualifizierungswege – und helfen, Fachkräftepotenziale für den ersten Arbeitsmarkt zu erschließen.
Von den eigenen Kitas bis zum Angebot für Senioren – die in.betrieb gGmbH, Gesellschaft für Teilhabe und Integration, unterstützt inzwischen im nahezu vollständigen Lebenszyklus Menschen mit Behinderungen. 560 Beschäftigte gehen in den, so der frühere Name, Werkstätten für behinderte Menschen in Mainz, Nieder-Olm und Ingelheim in unterschiedlichen Berufsfeldern mit fachlicher Unterstützung ihrer Arbeit nach. Bei den 170 Bewohnern des Bereichs ambulantes Wohnen sowie den 70 Plätzen in Tagesförderstätten ist ebenfalls die Maxime: so viel Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit wie möglich.
Die Nachfrage ist groß, das Angebot für die Zielgruppe wächst beständig. Doch für viele sind die Hürden in den ersten Arbeitsmarkt zu hoch. Sie zu meistern, dabei helfen die IHK-Zertifikatslehrgänge für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Mehr als 30 Absolventen gab es bei der in.betrieb bereits. „Der erste Schritt sind bei uns Weiterqualifizierungsangebote für jeden Beschäftigten in der Werkstatt“, sagt Cynthia Gottschald-Kipping, Leiterin Bildung bei der in.betrieb gGmbH. „Wichtig ist uns auch, dass unser Personenkreis wenn möglich in den Arbeitsmarkt entsendet wird. Das gelingt nur, wenn wir sie gut qualifizieren.“
Die Zertifikate bieten die Chance, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Inklusion gelingt dort, wo Menschen nicht nur mitgedacht, sondern aktiv in Arbeitsprozesse eingebunden werden. Die Zertifikatslehrgänge schaffen genau dafür eine Brücke: zwischen individuellen Stärken, betrieblichem Bedarf und konkreten Beschäftigungsperspektiven“, sagt Daniel Reuter-Limburg, Abteilungsleiter Weiterbildung bei der IHK für Rheinhessen. „Wichtig ist aber auch, dass der Arbeitsmarkt unseren Personenkreis mitdenkt“, ergänzt Gottschald-Kipping. „Wir wollen da noch intensiver zusammenarbeiten, und bei der IHK läuft man offene Türen ein.“ Die Lehrgänge werden mit regionalen Partnern wie der in.betrieb entwickelt, orientieren sich an den Ausbildungsinhalten der Berufe sowie den konkreten betrieblichen Anforderungen und unterliegen deutschlandweit einheitlichen Standards.
„Für Inklusionsbetriebe bieten die Zertifikatslehrgänge ein sehr passgenaues Instrument, um Menschen mit Unterstützungsbedarf beruflich zu fördern und zugleich betriebliche Bedarfe aufzugreifen“, sagt Reuter-Limburg. Die Qualifizierung erfolge praxisnah entlang realer Arbeitsprozesse und werde flexibel angepasst. In Rheinhessen sind auch die Zoar-Werkstätten in Heidesheim und die Lebenshilfe Worms Partner. Hier werden unter anderem Fachhelfer in Lagerorganisation, Sozialeinrichtungen, Gebäudeservice, Tierpflege, Einzelhandel oder Garten- und Landschaftspflege ausgebildet.
Die Unterstützung der Fachkräfte in den Einrichtungen ist das Lernziel. Gottschald-Kipping spricht von hervorragenden Vermittlungsquoten. Zwei bis drei Teilnehmer pro Lehrgang schaffen es über Lohnkostenzuschüsse durch das Budget für Arbeit in den ersten Arbeitsmarkt. Hinzu kommen betriebsintegrierte Außenarbeitsplätze, also Jobs außerhalb der eigenen Werkstätten, aber unter Betreuung der in.betrieb. Daher ist es kein Wunder, dass auch bei der in.betrieb gGmbH weitere Lehrgänge in Planung waren und sind. „Wir wollen uns bei den Zertifikatslehrgängen breiter aufstellen“, sagt Gottschald-Kipping. Hand in Hand mit der IHK.
TORBEN SCHRÖDER, FREIER JOURNALIST
INFOTAG BERUFLICHE PERSPEKTIVE
Am 29. September findet bei der in.betrieb in Ingelheim der „Infotag Berufliche Perspektive“ statt. Schüler mit Behinderungen können sich über die Berufs- und Ausbildungs-Angebote der gGmbH informieren. An einer Talkrunde zum Thema „Bildungspotenziale heben – Dein Weg in ein selbstbestimmtes Berufsleben“ wird auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede teilnehmen.
www.inbetrieb-mainz.de/de
ZERTIFIKATSLEHRGÄNGE FÜR MEHR TEILHABE
Mit ihren Zertifikatslehrgängen unterstützt die IHK für Rheinhessen gemeinsam mit sozialen Einrichtungen Menschen mit Unterstützungsbedarf auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Die Angebote werden mit regionalen Partnern entwickelt, orientieren sich an betrieblichen Anforderungen und verbinden praxisnahe Qualifizierung mit einem anerkannten Nachweis der Wirtschaft. Zuletzt fand bei den Zoar-Werkstätten ein erfolgreicher Lehrgangsabschluss statt; weitere Angebote der Partner starten in Kürze oder werden aktuell neu konzipiert. Bei der Berufsinfomesse BIM kommen Sprachmittler zum Einsatz: Sie haben zuvor einen IHK-Zertifikatslehrgang absolviert und unterstützen Besucherinnen und Besucher dabei, Informationen zu Ausbildung und Berufswahl besser zu verstehen.

Bingen, Mainzer Straße 136
Telefon: 06721 9141-0
Mainz, Schillerplatz 7
Telefon: 06131 262-0
Worms, Adenauerring 1
Telefon: 06241 9117-3