Medieninformation vom 15. Juni 2026

Zehn Jahre Brexit: IHK wirbt für Neustart in den Beziehungen der EU zu Großbritannien

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum belastet der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs (UK) den Handel auf beiden Seiten des Kanals noch immer spürbar. Die Bedeutung Großbritanniens als Handelspartner von Deutschland und Baden-Württemberg hat kontinuierlich abgenommen. Vor diesem Hintergrund appelliert die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen wieder zu beleben.
Großbritannien ist branchenübergreifend ein wichtiger Absatzmarkt für die regionalen Unternehmen. Das exportorientierte, verarbeitende Gewerbe in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis hat im vergangenen Jahr einen Auslandsumsatz in Höhe von 10,11 Milliarden Euro erzielt. Vor dem Referendum war das Vereinigte Königreich Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner. Heute rangiert es bei den Exporten bundesweit auf Rang acht und landesweit auf Rang vierzehn.
Im Vorfeld des Gipfels der Europäischen Union und Großbritanniens, der voraussichtlich im Juli stattfindet, kritisieren die Unternehmen besonders den gestiegenen Aufwand für Zollanmeldungen, Konformitätsprüfungen und weitere regulatorisc he Anforderungen. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos sagt: „Verzögerungen an den Grenzen beeinträchtigen vor allem den Handel mit verderblichen Waren. Die britische Einfuhrregelung führt in der Praxis häufig zu kurzfristigen Änderungen der Risikokategorisierung, zu uneinheitlichen Auslegungen und zu generell längeren Wartezeiten.“
Bemängelt wird auch die Verknüpfung der Visavergabe mit dem Nachweis von Hochschulabschlüssen und Mindesteinkommen. Ein Visum ist ohne die aktive Mitwirkung der britischen Auftraggeberseite praktisch nicht durchführbar. Das trifft insbesondere exportorientierte Unternehmen, für die Montage-, Wartungs- und Schulungsleistungen zum Kerngeschäft gehören.
Birgit Hakenjos fordert deshalb auch die Politik auf, „sich auf EU-Ebene für eine industrie- und mittelstandsfreundlichere Regulierung einzusetzen – insbesondere was die Entbürokratisierung und Wettbewerbsfähigkeit betrifft“. Darüber hinaus ergänzt Hakenjos, dass der EU-UK-Gipfel 2026 „eine konkrete Gelegenheit bietet, die Zusammenarbeit zu vertiefen – in Handel, Energie, Regulierung, Zollfragen und Wirtschaftssicherheit.“ Sie fordert beide Seiten auf, diese Chance zu nutzen.
Solange ein Wiederbeitritt zur EU nicht absehbar ist, sollten die EU und UK ihre Zusammenarbeit mit möglichst engen institutionellen Beziehungen in allen relevanten Bereichen vertiefen. „Die regionale Wirtschaft würde britische Bestrebungen hin zu einer Zollunion oder dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum befürworten“, resümiert die IHK-Präsidentin.