Volldigitales Carnet im Praxistest: IHK, Zoll und KARL STORZ treiben Pilotprojekt voran
Das Carnet ATA – oft als „Reisepass für Waren“ bezeichnet – steht vor einem grundlegenden Wandel: Nach Jahrzehnten als papierbasiertes Zollinstrument wird das Verfahren nun vollständig digitalisiert. Vor diesem Hintergrund treiben die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Zollverwaltung gemeinsam mit der Firma KARL STORZ die praktische Umsetzung des volldigitalen eCarnets weiter voran.
Mit dem Pilotprojekt, das 2023 gestartet ist, wurde ein erster wichtiger Schritt in Richtung volldigitales Carnet gesetzt. Im Rahmen eines Vor-Ort-Termins bei KARL STORZ wurden nun gemeinsam Abläufe, Schnittstellen und offene Fragestellungen beleuchtet. Der Austausch fand beim Medizintechnikunternehmen in Neuhausen ob Eck statt und wurde durch das Hauptzollamt Singen unterstützt, vertreten durch die Zollämter Deißlingen und Neuhaus. Ziel war es, die Anwendung des digitalen Carnets unter realen Bedingungen zu testen und die Zusammenarbeit zwischen KARL STORZ, Zoll und IHK eng abzustimmen.
Das Carnet ATA gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Vereinfachungsinstrumenten im internationalen Warenverkehr. Es ermöglicht Unternehmen, Waren vorübergehend in Drittländer einzuführen – etwa Messegüter, Berufsausrüstung oder auch Tiere für Wettbewerbe – ohne eine reguläre Verzollung und ohne das Hinterlegen von Barsicherheiten im Ausland. Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg wickelt jährlich rund 300 Carnets ab. Dadurch profitieren Unternehmen von deutlich schnelleren und effizienteren Abläufen.
Mit der Digitalisierung wird dieses etablierte Verfahren nun grundlegend modernisiert: Statt eines Papierdokuments kommt künftig ein digitaler Nachweis in Form eines QR-Codes zum Einsatz, der an den Zollstellen elektronisch erfasst wird. Bereits heute können Carnets elektronisch beantragt werden. Perspektivisch soll der gesamte Prozess von der Antragstellung bis zum Re-Import vollständig digital ablaufen.
Als Pilotkunde bringt KARL STORZ seine praktischen Erfahrungen aktiv in die Weiterentwicklung ein. „Als international tätiges Medizintechnikunternehmen sind wir auf reibungslose und verlässliche Zollprozesse angewiesen. D
Mit dem Pilotprojekt, das 2023 gestartet ist, wurde ein erster wichtiger Schritt in Richtung volldigitales Carnet gesetzt. Von links: Moritz Zeiser, David Frank und Jasmin Hageböck.
ie Pilotphase des volldigitalen Carnets bietet uns die Möglichkeit, unsere praktischen Anforderungen frühzeitig einzubringen und die neuen Abläufe aktiv mitzugestalten. Der direkte Austausch mit Zoll und IHK ist dabei besonders wertvoll“, so Unternehmenssprecherin Anja Ebert.
Für die IHK steht dabei insbesondere die enge Begleitung der Unternehmen sowie eine praxisnahe Umsetzung im Fokus. „Gerade in der Pilotphase ist der enge Austausch zwischen Wirtschaft, Zoll und IHK entscheidend. Ziel ist es, ein Verfahren zu etablieren, das praxistauglich und für alle Beteiligten gut umsetzbar ist“, betont Cristina Biljaka, die bei der IHK die Umsetzung für das volldigitale eCarnet unterstützt. Der Fokus liege derzeit darauf, Abläufe zu testen und offene Fragen im direkten Dialog zu klären.
Ein zentraler Meilenstein steht bereits fest: Ab dem 1. Juni dieses Jahres wird das volldigitale Carnet in der Europäischen Union sowie in der Schweiz, Norwegen und dem Vereinigten Königreich verpflichtend eingeführt. Unternehmen, die Waren vorübergehend in diese Länder ausführen, sollten sich daher frühzeitig mit den neuen digitalen Abläufen vertraut machen.
Weitere Staaten sollen schrittweise folgen. Ziel ist es, das digitale Carnet bis 2027 weltweit zu etablieren. Die laufende Pilotphase liefert dafür wichtige Erkenntnisse und zeigt, wo noch Abstimmungsbedarf besteht.
IHK-Veranstaltungen in der Außenwirtschaft Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg lädt regelmäßig zu Veranstaltungen rund um internationale Märkte ein. In Kürze folgt das „Außenwirtschaftsforum“ am 23. Juni im Haus der Wirtschaft. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung sind unter www.aussenwirtschaftsforum-sbh.de abrufbar.