IHK-MAGAZIN
Nr. 7126244
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Campingglatz Bistensee

Ein Mann für alle Fälle: Gastgeber, Möglichmacher, Instandhalter

Von April bis Oktober betreiben Torsten Jarck und seine Schwester den Naturcampingplatz am Bistensee: 125Stellplätze, ein ständiges Kommen und Gehen – für manche Gäste eine Nacht, für andere ein halber Sommer. Jarck ist hier aufgewachsen. Heute hält er den Platz am Laufen, organisiert, repariert, schlichtet – und ist meist schon da, bevor jemand fragt.
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Torsten Jarck betreibt den Naturcampingplatz Bistensee zusammen mit seiner Schwester in zweiter Generation. © copyright_adinamerkel
Jarck beugt sich weit über eines der kleinen blauen Paddelboote am Steg und schöpft das Regenwasser heraus. Zwischendurch geht sein Blick immer wieder zum wolkenverhangenen Himmel. Wird es heute noch regnen?
Davon hängt hier vieles ab. „Wenn es mehrere Tage am Stück regnet, sagen Gäste auch mal kurzfristig ab“, so Jarck. Dann bleiben Stellplätze leer, obwohl alles vorbereitet ist.
Für ihn beginnt die Arbeit trotzdem – oder gerade dann. Als Instandhalter und Organisator ist er ohnehin ständig unterwegs: Hecken schneiden, Wasserhähne reparieren, Feuerlöscher prüfen, Plätze herrichten. Vieles davon lässt sich nicht planen, weil immer wieder etwas dazwischenkommt. Damit ist Jarck nicht allein. Viele kleinere Betriebe müssen flexibel reagieren, Entscheidungen treffen – und alles gleichzeitig im Blick behalten.
Auch auf Faktoren wie die Wasserqualität des Sees hat Jarck keinen Einfluss. Während der Saison wird sie regelmäßig vom Landesamt für Umwelt überprüft. Fällt sie schlechter aus, kann das unmittelbare Folgen haben. „Im schlimmsten Fall wird dann auch mal storniert“, sagt Jarck. Ganz aus der Bahn wirft ihn das nicht, aber es zeigt, wie abhängig der Betrieb von äußeren Bedingungen ist.

Gegen den Strom

Und gleichzeitig muss er im Blick behalten, wie sich der Platz behauptet. Camping ist ein zentraler Pfeiler im Tourismus des Landes, die Konkurrenz ist vor allem an der Ostsee nicht zu unterschätzen. Der Bistensee hingegen liegt abseits in dörflicher Idylle. Wer in den schmalen Weg zum Campingplatz einbiegt, auf den See, den Steg und die kleinen Boote blickt, die leise auf dem Wasser tänzeln, taucht fast automatisch in die Ruhe dieses Ortes ein. Weniger Trubel, aber eben auch weniger Laufkundschaft.
Für Jarck heißt das: Er muss sich anders positionieren. Nicht über Masse, sondern über das, was große Plätze nicht bieten – Ruhe, Verlässlichkeit und persönliche Atmosphäre. Neben der Platzvermietung setzt der Allrounder deshalb auf mehrere Standbeine: schwedenrote Ferienhäuschen und eine kleine Fischerei.
Mir ist wichtig, dass hier ganz unterschiedliche Leute zusammenkommen – Familien mit Kindern, ältere Gäste, Jugendliche. Nur so bleibt es lebendig. Familienbande – Ein Platz, viele Generationen.
Ganz allein ist Torsten Jarck jedoch nicht für alles verantwortlich. Er organisiert den Naturcampingplatz, den er von seinen Eltern übernommen hat, gemeinsam mit seiner Schwester. Eine feste Aufgabenteilung gibt es dabei nur bedingt. Morgens stimmen sie sich ab, besprechen, was ansteht – und wer sich worum kümmert. Vieles ergibt sich im Laufe des Tages.
„Man weiß morgens nie genau, wie der Tag am Ende aussieht“, sagt Jarck. Wenn ihnen Gäste blöd kommen, nehmen sie sich auch das Recht heraus, abzulehnen. Wichtiger als komplett ausgebuchte Plätze ist den beiden Platzmachern, dass sich ihre Gäste wohlfühlen.
Viele kommen bereits seit Generationen. Jarck und seine Schwester haben als Kinder mit ihnen gespielt. Heute stehen sie mit ihren eigenen Kindern oder Enkeln wieder hier.
Der Campingplatz wird so zu einem Ort, an dem sich Biografien über Jahrzehnte kreuzen. Für Jarck bedeutet das auch: Er ist nicht nur Betreiber, sondern oft auch Vertrauter und ein fester Ankerpunkt in gewachsenen Beziehungen.
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Direkt neben dem Campingplatz steht ein kleines weißes Reetdachhaus. Hier ist Torsten Jarck aufgewachsen, heute lebt er dort mit seinen beiden Töchtern. © copzright_adinamerkel

Ein Platz mit Zukunft

Während der Dauercamper-Bereich konstant bleibt, richtet sich Jarck zunehmend auf kurzfristige Gäste aus. Das ist aufwändiger, aber wirtschaftlich attraktiver. Viele bleiben nur ein paar Tage – oft spontan, häufig auf der Durchreise.
„Zelte können wir eigentlich immer spontan aufnehmen“, sagt Jarck. „Das soll beim Camping schon erhalten bleiben – dass man nicht alles buchen muss wie im Hotel.“
Corona habe diesen Trend noch einmal verstärkt. Gleichzeitig kommen neue Zielgruppen: Neben Stammgästen tauchen zunehmend internationale Besucher auf, die für ein, zwei Nächte bleiben, bevor sie Richtung Ostsee weiterziehen.
Für Jarck bedeutet das mehr Organisation – und einen Alltag, der schneller geworden ist. Wenn das Wetter mitspielt, klingelt das Telefon im Minutentakt. Er nimmt Anfragen entgegen, koordiniert Plätze, repariert nebenbei und schlichtet Streit.
„Mir ist wichtig, dass hier ganz unterschiedliche Leute zusammenkommen – Familien mit Kindern, ältere Gäste, Jugendliche. Nur so bleibt es lebendig.“ Wo viele Bedürfnisse aufeinandertreffen, gibt es Diskussionen – über Lautstärke, Platzgrenzen oder Gewohnheiten. Dann ist Jarck gefragt: als Vermittler, der dafür sorgt, dass aus kleinen Konflikten keine größeren werden. Auch das gehört zu seinem Job.
Für Jarck zählt vor allem, dass es weitergeht. Umso mehr freut er sich, dass der Platz in Familienhand bleibt. Dass jemand übernimmt, der den Platz kennt, der weiß, was ihn ausmacht und das Naturerlebnis bewahrt, von dem dieser Ort lebt.