IHK-Ausbildungsumfrage 2026: Azubis zufrieden, Ausbildungsreife ist Herausforderung, Wohnraum und KI immer wichtiger

Die aktuelle IHK-Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin (IHK) ergab eine mehrheitliche Zufriedenheit bei den Auszubildenden. Dagegen bemängeln viele Unternehmen die Ausbildungreife der jungen Schulabgänger und vermissen ausreichende Bewerbungen.
Die Unternehmen in Westmecklenburg sind weiterhin engagiert, Verantwortung für die Fachkräftesicherung zu übernehmen. Das Ausbildungsengagement bleibt hoch und die Übernahmechancen für Auszubildende sind gut. Doch die Probleme werden nicht kleiner. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt und nahezu alle Unternehmen sehen Defizite bei der Ausbildungsreife junger Menschen. Themen wie Wohnraum, Fachkräftesicherung sowie der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gewinnen für die Auszubildendengewinnung zunehmend an Bedeutung.
„Wir verfügen mit der dualen Ausbildung über ein international anerkanntes Erfolgsmodell, mit dem wir unseren Nachwuchs selbst sichern können. Auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten spielen die Fachkräfte von morgen für die Wirtschaft eine große Rolle. Zukünftig wird unsere Wettbewerbsfähigkeit noch stärker von fachlich versierten Mitarbeitenden abhängen,“ so der Präsident der IHK zu Schwerin, Matthias Belke.

Mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt

Viele Ausbildungsunternehmen können ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen. Nur 46 Prozent der Unternehmen gaben an, alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben. 54 Prozent konnten hingegen mindestens einen Ausbildungsplatz nicht vergeben. Dieses Ergebnis verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung geeigneter Auszubildender und bestätigt den zunehmenden Mangel an Fachkräftenachwuchs.

Ausbildungsangebot überwiegend stabil

Die Mehrheit der Unternehmen plant, ihr Ausbildungsangebot konstant zu halten. 62 Prozent wollen die Zahl ihrer Ausbildungsplätze unverändert lassen. 31 Prozent rechnen mit einem Rückgang der Ausbildungsplätze. Lediglich 8 Prozent planen eine Ausweitung ihres Ausbildungsangebots. Damit bleibt das Ausbildungsengagement insgesamt stabil, allerdings deutet der vergleichsweise hohe Anteil der Unternehmen mit geplanten Reduzierungen auf wirtschaftliche und personelle Herausforderungen hin.

Gute Übernahmechancen nach der Ausbildung

Auszubildende haben nach erfolgreichem Abschluss weiterhin gute Perspektiven auf eine Beschäftigung im Ausbildungsbetrieb. 54 Prozent der Betriebe übernehmen ihre Nachwuchskräfte.

Ausbildungsreife bleibt größtes Problem

95 Prozent der Unternehmen stellen Defizite bei der Ausbildungsreife fest. Nur 5 Prozent sehen hier keine Probleme. Damit gehört die Ausbildungsreife weiterhin zu den größten Herausforderungen für die Betriebe.

Unternehmen unterstützen leistungsschwächere Jugendliche

Viele Unternehmen sind grundsätzlich bereit, auch Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf eine Chance zu geben. So geben 46 Prozent der Ausbildungsunternehmen lernschwächeren Jugendlichen auch ohne öffentliche Unterstützung eine Ausbildungschance. Rund 30 Prozent der Unternehmen bieten unternehmenseigene Nachhilfe an oder nutzen Einstiegsqualifizierungen. Jeweils rund 22 Prozent setzen auf langfristige Praktika oder zweijährige Ausbildungsmodelle.

Wohnraum für Auszubildende gewinnt an Bedeutung

Die Wohnraumsituation wird zunehmend als Standortfaktor wahrgenommen, wenn es darum geht, Auszubildende für das eigene Unternehmen gewinnen zu können. 50 Prozent der Unternehmen wünschen deshalb Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende. 47 Prozent sprechen sich für bessere Informationen und einen einfacheren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen aus.

KI wird bislang nur vereinzelt in der Ausbildung eingesetzt

Fast 45 Prozent der Unternehmen nutzen KI derzeit noch in keinem Bereich ihrer Ausbildung. Dort, wo KI bereits eingesetzt wird, geschieht dies vor allem bei der Gewinnung von Auszubildenden (29 Prozent), Lern- und Ausbildungsprozessen (26 Prozent) sowie der Ausbildungsdokumentation (18 Prozent). Beim Onboarding oder bei Leistungsbewertungen spielen KI-Tools bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Bei der Vermittlung von KI-Kompetenzen setzen die Unternehmen vor allem auf das eigenständige Lernen der Auszubildenden. 55 Prozent ermöglichen es diesen, selbstständig mit KI-Anwendungen zu arbeiten. Knapp 29 Prozent beschäftigen sich bislang noch nicht mit KI in der Ausbildung.

Internationale Fachkräfte bleiben ein Potenzial

Ein Drittel der Unternehmen bildet bereits Auszubildende aus Drittstaaten aus. 33 Prozent beschäftigen bereits Auszubildende aus Nicht-EU-Staaten. 21 Prozent können sich dies künftig vorstellen. 46 Prozent verfolgen diesen Weg derzeit nicht.
„Die Umfrage macht deutlich, dass eine erfolgreiche Fachkräftesicherung nur im Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik, Schulen und weiteren Partnern gelingen kann. Angesichts des harten Wettbewerbs um Nachwuchskräfte spielen Standortfaktoren wie bezahlbarer Wohnraum und eine gute Erreichbarkeit eine immer wichtigere Rolle. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin wird die Unternehmen auch künftig bei der Gewinnung und Qualifizierung von Auszubildenden unterstützen und sich für verbesserte Rahmenbedingungen der dualen Berufsausbildung einsetzen“, so die Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Schwerin, Lisa Haus.
Insgesamt 276 Auszubildende und deren Ausbildungsunternehmen beteiligten sich im Mai 2026 in Westmecklenburg an der Umfrage.

IHK-Unterstützung und -beratung zur Berufsorientierung

Die IHK zu Schwerin unterstützt bei der Berufsorientierung und steht für kurzfristige Beratungen und Gespräche zur Verfügung. Online sind Informationen unter anderem zur Berufsorientierung auf den IHK-Internetseiten abrufbar. Der Ausbildungsatlas ist abrufbar unter www.derausbildungsatlas.de