Branchentrends International

Digitalisierung auf internationalen Märkten

Netzwerk Digitalisierung

  • Die Allianz Industrie 4.0 ist ein vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg initiiertes und gefördertes Netzwerk mit Koordinierungsstelle beim VDMA e.V. Baden-Württemberg. In den Kompetenzbereichen Produktions- sowie Informations- und Kommunikationstechnik wird der industrielle Mittelstand unterstützt. Im Sonderbereich Internationale Vernetzung werden der grenzüberschreitende Austausch von Unternehmen sowie Initiativen unterstützt.
  • Über das Clusterportal Baden-Württemberg finden Sie über das Feld “Digitale Technologien” relevante Cluster-Initiativen in Baden-Württemberg, die auch Bezüge zu internationalen Vernetzungsmöglichkeiten beinhalten.

Smart Farming

Smart Farming zählt zu den wichtigsten Digitalisierungstrends. Der Begriff umfasst den Einsatz von Sensorik, vernetzten Maschinen, Robotik, künstlicher Intelligenz und datenbasierten Entscheidungssystemen in der Landwirtschaft. Der europäische Markt für Smart-Agriculture-Lösungen dürfte in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Treiber dieser Entwicklung sind steigende Personal-, Energie- und Betriebsmittelkosten, der Fachkräftemangel, strengere Nachhaltigkeitsanforderungen und die zunehmenden Folgen des Klimawandels. Für Technologieanbieter ergeben sich daraus Geschäftschancen in zahlreichen Bereichen. Dazu zählen unter anderem Präzisionslandwirtschaft, Automatisierung, Datenanalyse, intelligente Bewässerung und Düngung sowie Lösungen zur effizienten Nutzung natürlicher Ressourcen. Auch Systeme zur Früherkennung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, autonome Landmaschinen und digitale Technologien für die Tierhaltung gewinnen an Bedeutung.
Als europäischer Vorreiter gilt weiterhin Dänemark. Das Land verfügt bereits über einen hohen Digitalisierungsgrad in der Landwirtschaft. Auf rund vier Fünfteln der dänischen Ackerfläche werden mittlerweile Verfahren der Präzisionslandwirtschaft und digitale Steuerungssysteme eingesetzt. Nachdem der Anteil der entsprechend bewirtschafteten Flächen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, verlangsamt sich das Wachstum inzwischen, da ein großer Teil der landwirtschaftlichen Flächen bereits digital bewirtschaftet wird. Neue Investitionsimpulse kommen vor allem aus Robotik, künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Technologien zur Verringerung von Emissionen und Ressourcenverbrauch. Daneben bleiben intelligente Bewässerungs- und Düngesysteme, Lösungen zur Überwachung von Pflanzenbeständen sowie digitale Anwendungen in der Tierhaltung relevant. Die dänische Landwirtschaft verbindet die Digitalisierung zunehmend mit ihren Klima- und Nachhaltigkeitszielen.
Auch in Italien ist die Digitalisierung der Landwirtschaft deutlich vorangeschritten. Allerdings bestehen weiterhin große Unterschiede zwischen größeren, professionell geführten Agrarbetrieben und kleineren Höfen. Der italienische Markt für Landwirtschaft 4.0 erreichte 2024 ein Volumen von rund 2,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr war dies zwar ein leichter Rückgang, die Entwicklung deutet jedoch nicht auf ein Ende der Digitalisierung hin. Vielmehr verschieben sich die Investitionen zunehmend von vernetzten Maschinen hin zu Software und datenbasierten Lösungen. An Bedeutung gewinnen insbesondere Farm-Management-Systeme, Entscheidungssupportsysteme, Datenanalyse, Anwendungen des Internets der Dinge und künstliche Intelligenz. Diese Technologien ermöglichen es landwirtschaftlichen Betrieben, Arbeitsabläufe besser zu planen, Betriebsmittel gezielter einzusetzen und Veränderungen bei Böden, Pflanzen und Wetterbedingungen frühzeitig zu erkennen. Bislang wird allerdings nur ein vergleichsweise kleiner Teil der landwirtschaftlichen Fläche Italiens mit digitalen Verfahren bewirtschaftet. Damit besteht weiterhin erhebliches Ausbaupotenzial. Chancen ergeben sich unter anderem bei der präzisen Steuerung der Bewässerung, der Kartierung von Anbauflächen, dem Betriebsdatenmanagement sowie der Überwachung von Maschinen, Pflanzenbeständen und Böden.
Rumäniens Landwirtschaft weist weiterhin eine stark polarisierte Betriebsstruktur auf. Einer sehr großen Zahl kleiner Höfe stehen mehrere Tausend große und international wettbewerbsfähige Agrarbetriebe gegenüber. Rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften weniger als fünf Hektar. Viele kleine Höfe produzieren zumindest teilweise für den Eigenbedarf. Digitale Technologien verbreiten sich bislang vor allem bei größeren kommerziellen Unternehmen. Kleinere Betriebe werden häufig durch eine geringe Investitionskraft, fehlende digitale Kenntnisse, eine ältere Betriebsinhaberschaft und Defizite bei der ländlichen Infrastruktur gebremst. Die Modernisierung der rumänischen Landwirtschaft wird im Rahmen des Strategieplans zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union für die Jahre 2023 bis 2027 unterstützt. Im Mittelpunkt stehen wettbewerbsfähigere, nachhaltigere und stärker marktorientierte Betriebe sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ländlicher Gebiete. Für internationale Anbieter ergeben sich Geschäftschancen bei Präzisionslandwirtschaft, Sensorik, Betriebssoftware, digitalen Handels- und Agrarplattformen, Fernerkundung, Drohnen und Beratungsleistungen. Eine stärkere Digitalisierung kleinerer Betriebe setzt allerdings einen besseren Breitbandzugang, geeignete Qualifizierungsangebote und leichter zugängliche Finanzierungsmöglichkeiten voraus.

E-Commerce

Der Online-Handel ist inzwischen ein dauerhaft etablierter Vertriebskanal. Wichtige Wachstumstreiber sind mobile Angebote, künstliche Intelligenz, schnelle Lieferkonzepte, automatisierte Logistik und Social Commerce. Für deutsche Unternehmen sind dabei die jeweiligen Kundenbedürfnisse, Bezahlverfahren, Datenschutzregeln und Lieferstandards der Zielmärkte entscheidend.
In Tschechien haben sich Paketboxen und Abholstationen von einem neuen Trend zu einem zentralen Bestandteil der Zustellinfrastruktur entwickelt. Das Land verfügt im Verhältnis zur Einwohnerzahl über eines der dichtesten Paketboxennetze Europas. Ein großer Teil der tschechischen Onlinekundinnen und -kunden lässt sich Sendungen regelmäßig an Paketboxen oder andere Abholstellen liefern. Für Händler sind deshalb eine breite Auswahl an Zustellmöglichkeiten, die einfache technische Einbindung von Abholorten in den Bestellprozess und unkomplizierte Retouren besonders wichtig. Die Verfügbarkeit einer gut erreichbaren Paketbox kann die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen.
Auch in den USA wächst der Online-Handel weiter. Im Gesamtjahr 2025 beliefen sich die E-Commerce-Umsätze im US-amerikanischen Einzelhandel auf rund 1,23 Billionen US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Onlineanteil am gesamten Einzelhandel lag bei rund 16 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die saisonbereinigten Onlineumsätze etwa 340 Milliarden US-Dollar. Damit wuchs der elektronische Handel erneut deutlich stärker als der Einzelhandel insgesamt. Für deutsche Anbieter ist eine bloße Übertragung ihres europäischen Onlineshops auf den US-Markt in der Regel nicht ausreichend. Erwartet werden eine für mobile Geräte optimierte und auf die US-Kundschaft zugeschnittene Website, transparente Preise und Lieferzeiten, schnelle Zustellung, ein gut erreichbarer Kundenservice sowie möglichst einfache Retouren. Ebenso wichtig sind eine professionelle Präsentation auf Online-Marktplätzen und in sozialen Medien, positive Kundenbewertungen sowie eine gezielte Kampagnenplanung rund um verkaufsstarke Termine und Feiertage. Unternehmen müssen zudem die jeweils geltenden Zoll-, Steuer- und Verbraucherschutzbestimmungen berücksichtigen.
Südkorea zählt zu den am stärksten digitalisierten und anspruchsvollsten E-Commerce-Märkten weltweit. Der Wert der Online-Shopping-Transaktionen erreichte 2025 knapp 275 Billionen Won. Mobile Nutzung, schnelle Lieferungen und eine hohe Konzentration auf wenige große Plattformen prägen den Wettbewerb. Südkoreanische Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten eine benutzerfreundliche mobile Einkaufserfahrung, kurze Lieferzeiten, hochwertige Produktdarstellungen und einen umfassenden Kundenservice. Für ausländische Anbieter sind daher eine konsequente Lokalisierung und die Zusammenarbeit mit etablierten Plattformen oder Vertriebspartnern von großer Bedeutung. Live-Commerce bleibt ein wichtiger Wachstumskanal, insbesondere für Mode, Kosmetik und andere erklärungs- oder präsentationsintensive Konsumgüter. Dabei werden Produktvorführungen per Livestream mit Kommentarfunktionen und unmittelbaren Kaufmöglichkeiten verbunden. Kundinnen und Kunden können während der Präsentation Fragen stellen, Produkte bewerten und den Kauf direkt über die jeweilige Plattform abschließen. Auch die Rahmenbedingungen für den grenzüberschreitenden digitalen Handel entwickeln sich weiter. Die Europäische Union und Südkorea unterzeichneten im Juni 2026 ein Abkommen über digitalen Handel. Es soll unter anderem den grenzüberschreitenden Datenverkehr erleichtern, mehr Rechtssicherheit für elektronische Verträge schaffen und den Online-Verbraucherschutz stärken. Die erforderlichen Ratifikationsverfahren stehen allerdings noch aus. Ausländische Anbieter müssen weiterhin das vergleichsweise strenge koreanische Datenschutzrecht und die umsatzsteuerlichen Vorschriften für elektronische Dienstleistungen beachten.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen durchläuft derzeit einen Digitalisierungsschub. Elektronische Patientenakten, digitale Verordnungen, Telemedizin, vernetzte Medizintechnik und datenbasierte Anwendungen haben sich in vielen Ländern von kurzfristigen Krisenlösungen zu dauerhaften Bestandteilen der Versorgung entwickelt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Interoperabilität, Cybersicherheit, Datenschutz und den regulatorisch sicheren Einsatz künstlicher Intelligenz. Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen benötigen daher nicht nur neue medizinische Geräte, sondern zunehmend integrierte Lösungen aus Hard- und Software, Datenmanagement, Wartung und Schulung.
Polen zählt zu den größten Gesundheitsmärkten Mittel- und Osteuropas und investiert weiterhin in die Modernisierung seiner Versorgung. Elektronische Rezepte und digitale Patientendokumentationen sind inzwischen keine neuen Einzelprojekte mehr, sondern Bestandteile einer zunehmend zusammenhängenden nationalen E-Health-Infrastruktur. In den vergangenen Jahren hat sich Polen von voneinander getrennten digitalen Initiativen hin zu einem breiteren Ökosystem für E-Health und Telemedizin entwickelt. Herausforderungen bestehen weiterhin bei der technischen Interoperabilität, der Finanzierung, der regionalen Verfügbarkeit digitaler Angebote und der Integration von Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz. Für die Modernisierung der polnischen Gesundheitswirtschaft stehen umfangreiche Mittel der Europäischen Union zur Verfügung. Aus dem europäischen Aufbau- und Resilienzfonds sind rund 4,4 Milliarden Euro für Maßnahmen in der Gesundheitswirtschaft vorgesehen. Weitere Investitionen betreffen Krankenhäuser, medizinische Geräte, IT-Infrastruktur und die digitale Vernetzung. EU-Gelder bleiben auch 2026 eine wesentliche Finanzierungsquelle für Medizintechnik. Gleichzeitig führt der Kostendruck im öffentlichen Gesundheitssystem zu Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen. Bei Ausschreibungen spielen deshalb Wirtschaftlichkeit, Erstattungsfähigkeit und ein nachweisbarer klinischer Nutzen eine immer größere Rolle. Besonders dynamisch hat sich die chirurgische Robotik entwickelt. Allein im Jahr 2024 wurden in Polen rund 17.100 robotergestützte Eingriffe durchgeführt. Das entsprach einem Anstieg von etwa 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mittlerweile führen mehr als 100 Krankenhäuser entsprechende Operationen durch.
Ein weiterer attraktiver Auslandsmarkt ist Kanada. Der kanadische Medizintechnikmarkt soll bis 2028 auf knapp 13,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Da Kanada einen erheblichen Teil seiner Medizintechnik importiert, ergeben sich gute Chancen für deutsche Anbieter. Zusätzliche Nachfrage entsteht durch zahlreiche Krankenhausprojekte und Investitionen in die Primärversorgung. Allein die Provinz Ontario investiert umgerechnet rund 1,3 Milliarden US-Dollar in deren Ausbau. Besonders gefragt sind Lösungen für Telemedizin, interoperable Patientendaten, künstliche Intelligenz, medizinische Bildgebung und die Integration verschiedener IT-Systeme. Digitale Angebote sind aufgrund des Ärztemangels, langer Wartezeiten und der dünnen Besiedlung vieler Regionen besonders relevant. Herausforderungen bestehen allerdings durch unterschiedliche regulatorische Vorgaben der Provinzen und Territorien. Das Handelsabkommen CETA und der grundsätzlich offene Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erleichtern europäischen Unternehmen den Markteintritt.
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Quelle: GTAI