Baugewerbe, Frühsommer 2026
Lage in der Bauwirtschaft bricht ein
Die Bauwirtschaft der Region Stuttgart steht im Frühjahr 2026 vor großen Herausforderungen. Die Gelder aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität scheinen im Baugewerbe noch nicht anzukommen. Der erhoffte Effekt bleibt vorerst aus. Zudem belastet der Iran-Krieg die Vorleistungspreise, welche im Anschluss an die Energiekrise ohnehin auf hohem Niveau gewesen sind: Diesel, Bitumen und energieintensive Baustoffe sind im Nachgang sprunghaft teurer geworden, Zement und Transportbeton verbleiben teuer. Im aktuellen Geschäft kippt der Lageindikator von plus 17 auf minus 9 Punkte – ein Rückgang um 26 Punkte. Der Umsatzsaldo verbessert sich um 13 Punkte – steht bei minus 19, jedoch noch stark im Negativen. 37 Prozent berichten von im Vergleich zum Vorjahr gefallenen Umsätzen. Bei den zukunftsgerichteten Kennzahlen sieht es dagegen besser aus: die Investitions- und Beschäftigungspläne drehen beide leicht ins Plus.
Im Tagesgeschäft hat sich die Lage gegenüber dem Jahresbeginn verschlechtert. Rund 16 Prozent der Bauunternehmen melden eine gute Lage – zuvor waren es 29 Prozent –, 60 Prozent eine befriedigende, 25 Prozent eine schlechte. Auch die Ertragslage gibt um 12 Punkte nach und steht bei minus 19. Mehrkosten bei Treibstoff und Bitumen lassen sich bei bereits laufenden Aufträgen kaum auf die Auftraggeber überwälzen. Auslastung und Marge driften auseinander. Eine Besserung wird kaum erwartet: die Geschäftserwartungen für das kommende Jahr sind häufiger negativ als positiv, der Indikator steht ähnlich zum Jahresbeginn bei minus 5 Punkten. Fallende und steigende Beschäftigungspläne befinden sich ungefähr auf dem gleichen Niveau, der Saldo knapp über dem Nullpunkt.
Die Auftragseingänge sind in allen Bereichen des Baugewerbes weiterhin rückläufig. Der Indikator für Auftragseingänge im Wohnungsbau kann zum achten Mal in Folge zulegen und liegt nun bei minus 5, was dennoch eine negative Tendenz darstellt. Deutschlandweit wurden 2025 gemäß dem Statistischen Bundesamt so wenige Wohnungen wie seit 2012 nicht mehr gebaut. Aktuell steigende Genehmigungen bedeuten nicht gleichzeitig eine steigende Bauproduktion.
Im öffentlichen Hochbau stagnieren die Auftragseingänge bei zwei Dritteln der Teilnehmenden. Bei 32 Prozent fallen sie weiter. Steigende Eingänge werden hier kaum zurückgemeldet. Im gewerblichen Hochbau melden wie auch zum Jahresbeginn über die Hälfte der Bauunternehmen fallende Auftragseingänge. Solange sich die Wirtschaft nicht von ihren konjunkturellen Schocks und strukturellen Problemen erholt, kann hier von keiner Besserung ausgegangen werden. Der Bedarf nach einer Erweiterung von beispielsweise Büroflächen ist kaum vorhanden. Die Investitionsabsichten der Unternehmen befinden sich in einem Tief. Dadurch erfolgen kaum neue Aufträge im Hochbau.
Der Straßen- und Tiefbau sollte vom Sondervermögen profitieren, doch bleibt das Geld bislang aus. Die Auftragseingänge sind bei einem Viertel der Unternehmen fallend, nur die Hälfte notiert einen Anstieg. Die Baunachfrage scheint weiter verhalten. Und die rückläufigen Aufträge deuten als Frühindikator darauf hin, dass die eigentliche Bauproduktion noch weiter auf sich warten lässt.
Das meistgenannte Geschäftsrisiko im Baugewerbe sind die hohen Rohstoffpreise. Das aus Erdöl basierende Bitumen, das für Asphalt benötigt wird, ist infolge des Golfkonflikts deutlich teurer geworden. Doch auch Dämmstoffe legten preislich zu. Bei laufenden Aufträgen schmälert das die Margen, vor allem im Straßenbau. Neue Bauaufträge werden schwer planbar und preislich unattraktiv. An die zweite Stelle der Risiken springen die hohen Energiepreise (72 Prozent), welche um über 30 Prozentpunkte zulegen. Ebenfalls durch den militärischen Konflikt im Nahen Osten hervorgerufen, steigt das Risiko geopolitischer Spannungen. In den letzten Jahren kaum genannt, doch nun wieder aktuell: Lieferkettenprobleme infolge der Situation an der Straße von Hormus. Mehr als jedes dritte Unternehmen sieht darin derzeit ein Geschäftsrisiko. Deutlich seltener wird nun die schwache Inlandsnachfrage genannt (sinkt um 18 Prozentpunkte auf 60 Prozent). Und auch der Fachkräftemangel wird nur noch von 39 Prozent als Risiko genannt (20 Prozentpunkte weniger als zum Jahresbeginn).