Dienstleistungen, Konjunkturumfrage Frühsommer 2026

ITK und Finanzdienstleister stechen positiv hervor

Die heterogene Entwicklung der Dienstleister setzt sich im Frühjahr 2026 fort. Im Aggregat halten die Dienstleistungen ihren Lageindikator mit plus 10 Punkten als einzige Branche im positiven Bereich. Gegenüber dem Jahresbeginn (plus 21) haben sie jedoch 11 Punkte abgegeben. Beim Blick nach vorn gibt der Erwartungssaldo um 10 Punkte auf minus 15 nach. Die Umsatz- und Ertragslage rutschen jeweils mit minus 12 bzw. minus 2 Punkten in den negativen Bereich. Wie auch in den anderen Wirtschaftsbereichen dominieren die Investitionen in Ersatzbedarf (62 Prozent) und Digitalisierung (65 Prozent). In Kapazitätserweiterung wird dagegen kaum investiert. Wie schon zum Jahresbeginn bildet der schwache Inlandsabsatz mit 64 Prozent das größte Risiko.
Innerhalb der Branche driften die Teilsegmente weit auseinander – dies zeigen die folgenden Ergebnisse verschiedener Dienstleistungsbranchen:
Am stärksten entwickelt sich die Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche (ITK). Der Lagesaldo klettert um 14 Punkte auf plus 28, 42 Prozent der Betriebe melden eine gute Lage, 15 Prozent eine schlechte. Auch die Beschäftigungspläne hellen sich auf – der entsprechende Saldo verbessert sich um 10 Punkte auf minus 5. Treiber der Nachfrage sind Themen, die das Segment seit Jahren prägen: Digitalisierung der Geschäftsprozesse, Cloud-Lösungen, KI-Anwendungen, IT-Sicherheit, Prozessautomatisierung. Auch der öffentliche Sektor trägt durch verstärkte Nachfrage an diesen Leistungen zur Belebung bei. Verwandte Märkte profitieren mit: Die starken Auftragseingangswerte in der Elektrotechnik dürften zu Teilen aus derselben Richtung gespeist sein – Sensorik, Leistungselektronik und Automatisierungstechnik bedienen verwandte Märkte.
In der kaufmännischen und rechtlichen Beratung gibt der Lagesaldo um 24 Punkte nach und fällt von plus 28 auf plus 4. Das Segment profitiert strukturell von Digitalisierung, regulatorischer Komplexität und Transformationsprozessen. Die aktuelle Bewegung dürfte damit zusammenhängen, dass die zurückhaltende Investitionsneigung der Industrie und die allgemeine Konjunkturschwäche zu einer geringeren Nachfrage bei gewerblichen Kunden führen. Die Geschäftserwartungen fallen um 20 Punkte auf minus 15.
Die Architektur- und Ingenieurbüros halten ihre Geschäftslage mit plus 37 nahezu auf Niveau des Jahresbeginns. Die Umsatzentwicklung gibt um rund 22 Punkte nach und steht bei minus 13. Auch der Auftragseingang gibt rund 9 Punkte nach auf minus 24. Die Büros arbeiten also noch das volle Auftragsbuch der vergangenen Jahre ab, neue Aufträge kommen aber spürbar zurückhaltender herein. Beim Blick nach vorn schlägt sich das in den Geschäftserwartungen nieder, die von minus 1 auf minus 8 drehen.
Bei den personenbezogenen Dienstleistungen dreht sich die positive Lage ins Negative. Der Geschäftslageindikator fällt von plus 7 auf minus 10, die Geschäftserwartungen geben um rund 33 Punkte nach und stehen bei minus 47 – einer der schärfsten Erwartungsrückgänge der gesamten Umfrage.
Eine Sonderstellung behalten die Finanzdienstleister. Ihr Lagesaldo liegt bei plus 41 Punkten. Rund 46 Prozent der Finanzdienstleister melden eine gute Lage, 6 Prozent eine schlechte. Im Hintergrund wirken zwei gegenläufige Entwicklungen, die die Branche in einer eigenen Konjunktur halten: Die Banken haben im ersten Quartal 2026 ihre Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite gestrafft – mit strengeren Anforderungen, höheren Margen und risikobewussterer Vergabe. Gleichzeitig profitiert die Branche weiterhin von einem erhöhten Zinsergebnis infolge der geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank.
Im Verkehrsgewerbe sind die zu Jahresbeginn noch erkennbaren zarten Anzeichen einer Erholung zwischenzeitlich vollständig verflogen. Stattdessen ist die Branche deutlich ins Negative abgerutscht. Die Geschäftslage verschlechterte sich erheblich und fiel von zuvor 2 Punkten auf nunmehr minus 16 Punkte. Lediglich 14 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage noch als gut, während inzwischen 30 Prozent von einer schlechten Lage berichten.
Auch die Geschäftserwartungen haben sich weiter eingetrübt: Der entsprechende Saldo sank von minus 15 auf minus 35 Punkte. Als maßgeblicher Belastungsfaktor werden weiterhin die hohen Energiepreise genannt, die mit 81 Prozent von einer deutlichen Mehrheit der Unternehmen als größtes Risiko eingeschätzt werden (Jahresbeginn: 73 Prozent). Die Preise für Benzin und Diesel haben sich infolge des Konflikts in der Golfregion und der Schließung der Straße von Hormus zusätzlich deutlich erhöht.
An zweiter Stelle der Risikofaktoren stehen die Arbeitskosten, die von 67 Prozent der Unternehmen genannt werden. Demgegenüber verlieren die Risiken Inlandsabsatz und Fachkräftemangel mit jeweils 47 Prozent an Bedeutung.
Die angespannte wirtschaftliche Lage spiegelt sich zunehmend auch in den finanziellen Kennzahlen der Unternehmen wider: Der Saldo bei den Umsätzen ging um 33 Punkte auf minus 47 Punkte zurück, während sich die Ertragslage von 3 Punkten auf minus 28 Punkte verschlechterte.
Das Hotel- und Gastgewerbe befindet sich weiterhin in einer angespannten konjunkturellen Lage – eine nachhaltige Erholung ist aktuell nicht erkennbar. Die bereits in der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn identifizierten Risiken verharren auf hohem Niveau. Die Energiepreise stellen mit 82 Prozent das größte Risiko für die Unternehmen dar. Dicht gefolgt wird dieses Risiko vom schwachen Inlandsabsatz (78 Prozent), der unter der anhaltend gedämpften Konsumlaune leidet. Viele Gäste reduzieren ihre Ausgaben und sparen insbesondere bei verzichtbaren Leistungen in Hotels und Gaststätten. Beide Risikofaktoren haben im Vergleich zur Jahresanfangsbefragung noch einmal leicht zugenommen.
Einen Großteil der Unternehmen im Hotel- und Gastgewerbe belasten weiterhin die Arbeitskosten, deren Bewertung als Risiko minimal um 3 Prozentpunkte auf 76 Prozent zurückgeht. Dennoch bleiben sie das drittgrößte Belastungselement in der Branche. Die weiterhin hohen Arbeitskosten sind unter anderem auf die Anhebung des Mindestlohns zurückzuführen. Insgesamt bleibt der Kostendruck erheblich: Neben Energie und Personal wirken sich auch gestiegene Lebensmittelpreise stark belastend auf die Ertragslage der Betriebe aus.
Auffällig ist der deutliche Rückgang der Wahrnehmung des Fachkräftemangels als Risiko: Während im Frühjahr 2023 noch 89 Prozent der Unternehmen hierin eine der größten Herausforderungen sahen, sind es aktuell nur noch 33 Prozent. Diese Entwicklung deutet jedoch nicht auf eine strukturelle Verbesserung am Arbeitsmarkt hin, sondern ist vielmehr Ausdruck der schwachen konjunkturellen Lage und der damit verbundenen geringeren Nachfrage nach Personal. Entsprechend verschlechtern sich auch die Beschäftigungserwartungen in der Branche.
Der Blick in die Zukunft bleibt verhalten: Geschäfts-, Umsatz- und Investitionserwartungen verharren – wie bereits zu Jahresbeginn – deutlich im negativen Bereich. Auch die aktuellen Lageindikatoren bleiben insgesamt deutlich unter dem Nullpunkt. Trotz der Senkung der Mehrwertsteuer bleiben auch Umsatz- und Ertragslage deutlich im negativen Bereich.