Groß- und Einzelhandel, Konjunkturumfrage Frühsommer 2026
Der Handel verliert an Boden
Der Handel der Region Stuttgart hat im Frühjahr 2026 weiter an Boden verloren. Die Konsumstimmung der privaten Haushalte ist nach dem Beginn des Iran-Kriegs und den damit verbundenen Energiepreissteigerungen eingebrochen, die Inflationsrate hat im April auf 2,9 Prozent zugelegt – der höchste Wert seit über zwei Jahren. Vor allem die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung der Verbraucher haben nachgegeben, die Sparneigung bleibt auf hohem Niveau. Im Einzelhandel der Region fällt der Lagesaldo um 11 Punkte auf minus 24, der Umsatz bricht um 14 Punkte auf minus 52 ein, die Geschäftserwartungen sinken um 17 Punkte auf minus 38. Im Großhandel verliert der Lagewert in ähnlicher Größenordnung – minus 11 Punkte auf minus 31. Innerhalb des Einzelhandels gibt es eine Zweiteilung: Anbieter von Grundversorgungsgütern halten sich, während Anbieter einkommenselastischer Sortimente – beispielsweise von Möbeln oder Spielwaren – besonders leiden.
Im Einzelhandel verliert der Lagesaldo 11 Punkte und steht bei minus 24. Rund 11 Prozent der Einzelhändler melden eine gute Lage, 54 Prozent eine befriedigende, 35 Prozent eine schlechte. Beim Umsatz ist die Bewegung schärfer: minus 14 Punkte auf minus 52 – einer der stärksten Umsatzrückgänge dieser Umfrage. Die Zweiteilung der Branche zieht sich quer durch die Indikatoren. Apotheken, der Lebensmittelhandel sowie der Handel mit medizinischen und orthopädischen Artikeln profitieren von einer konjunkturunabhängigen Nachfrage – das tägliche Bedarfsgeschäft läuft auch in schwierigen Zeiten. Möbelhändler, Bekleidungsgeschäfte und Anbieter von Spielwaren oder technischer Produkte reagieren dagegen einkommenselastisch. Bei zurückhaltender Anschaffungsneigung und hoher Sparneigung der Haushalte verzichten die Verbraucher zuerst auf langlebige und nicht zwingend notwendige Güter.
Auch der Blick nach vorn liefert kein freundliches Bild. Die Geschäftserwartungen sinken um 17 Punkte und stehen bei minus 38. Lediglich 6 Prozent der Einzelhändler rechnen mit besseren Geschäften, 45 Prozent mit schlechteren. Der GfK-Konsumklimaindex ist im Mai auf den niedrigsten Stand seit Februar 2023 gefallen. Auslöser sind nach Angaben des Instituts der Iran-Krieg, die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und die im April auf 2,9 Prozent gestiegene Inflationsrate.
Die Einzelhandelsunternehmen nennen die hohen Energiepreise als Toprisiko, ein Anstieg um 29 Prozent auf 70 Prozent. Der schwache Inlandsabsatz und die hohen Arbeitskosten landen dahinter. Je 66 Prozent der Unternehmen in der Einzelhandelsbranche nennen diese beiden Risiken. Damit holt der Inlandsabsatz als Risiko um 4 Punkte gegenüber der Umfrage zum Jahresbeginn auf, während die Arbeitskosten um 4 Punkte sinken.
Im Einklang mit der schlechten Lage im Einzelhandel rutschen die Umsatzerwartungen (minus 31 Punkte), die Investitionserwartungen (minus 21 Punkte) und die Beschäftigungserwartungen (minus 37 Punkte) weiter in den negativen Bereich. Investiert wird vor allem in die Digitalisierung (57 Prozent). Der Ersatzbedarf als Investitionsmotiv sinkt um 16 Prozentpunkte auf 38 Prozent und liegt damit in etwa gleichauf mit Produkt- und Verfahrensinnovation (37 Prozent).
Im Großhandel verliert der Lagesaldo in ähnlicher Größenordnung wie im Einzelhandel – rund 11 Punkte auf minus 31. Rund 12 Prozent der Großhändler melden eine gute Lage, rund 43 Prozent eine schlechte. Anders als im Einzelhandel hat sich der Umsatz allerdings nicht weiter verschlechtert, sondern leicht aufgehellt: plus 5 Punkte auf minus 25. Strukturell bleibt die Belastung dennoch deutlich. Der Großhandel ist eng mit Industrie und Exportwirtschaft verflochten. Die Verschiebung der globalen Handelsstrukturen wirkt unmittelbar – schrumpfender Anteil Deutschlands an der weltweiten Industrieproduktion, hohe Standort- und Lohnstückkosten, neue Blockbildung in den Lieferketten. Beim Blick nach vorn sinken die Geschäftserwartungen um rund 9 Punkte auf minus 19, die Beschäftigungspläne verändern sich kaum (minus 29 Punkte).
Das Toprisiko beim Großhandel stellt wie schon in den vorigen Konjunkturumfragen weiterhin der schwache Inlandsabsatz mit 77 Prozent dar. Auf Platz zwei folgen die Energiepreise mit 61 Prozent und danach die Arbeitskosten und die geopolitischen Spannungen mit je 54 Prozent.
Die schlechte Lage zeigt sich auch bei Umsatzerwartungen, Exporterwartungen und Beschäftigungserwartungen. Alle drei Indikatoren rutschen etwas weiter in den negativen Bereich ab. Lediglich die Investitionserwartungen verbessern sich um 7 Punkte auf minus 21 Prozent, bleiben jedoch eindeutig im negativen Bereich. Wie bereits in den vorigen Konjunkturumfragen wird vor allem in den Ersatzbedarf investiert (78 Prozent), gefolgt von Digitalisierung (56 Prozent).