Flexible und mobile Arbeitsformen
Mobiles Arbeiten – die wichtigsten Punkte
Sie überlegen sich, mobiles Arbeiten für Ihre Beschäftigten anzubieten? Dabei sind einige Punkte zu beachten:
- Regelungen mit den Beschäftigten treffen
- Technische Ausstattung zur Verfügung stellen
- Arbeits- und Gesundheitsschutz beachten
- Maßnahmen zum Datenschutz treffen
- Arbeitszeitgesetz einhalten und Zeiterfassung veranlassen
Argumente
Flexible und mobile Arbeitsformen bieten Unternehmen ein wichtiges Instrument, um das Potenzial qualifizierter Fachkräfte optimal zu nutzen: Beschäftigte sollen beispielsweise auch beim Kunden oder auf Geschäftsreisen erreichbar und einsetzbar sein. Auch wollen die Betriebe flexibel auf schwankende betriebliche Anforderungen reagieren und sich außerdem als attraktiver Arbeitgeber positionieren.
Berufstätige Mütter wollen mehr Karrierechancen, Väter mehr Familienzeit: Mobiles und flexibles Arbeiten wird auch von Seiten der Beschäftigten immer mehr gewünscht – vor allem, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen zu verbessern, aber auch um anderen privaten Angelegenheiten nachzugehen. Stichworte sind hier lebensphasenorientierte Personalpolitik oder Work-Life-Balance.
Ein weiterer Blickwinkel öffnet sich durch die aktuelle Diskussion um Mobilität und Nachhaltigkeit: Verkehrsaufkommen und damit Staus und Umweltbelastungen könnten durch flexibles und mobiles Arbeiten vermindert werden.
Gleichzeitig steigen durch die zunehmende Digitalisierung die Möglichkeiten für flexible und mobile Arbeitsformen, zum Beispiel durch Breitbandverbindungen, mobile Endgeräte, entsprechende Software und Cloud-Dienste.
Einerseits: Gründe für flexible Arbeitsmodelle
- gesellschaftlicher Wandel: Wunsch nach Work-Life-Balance
- Arbeitszufriedenheit und Gesundheit
- Arbeitgeberattraktivität
- Chancengleichheit
- technische Entwicklung und globale Kooperation
- Effizienzsteigerung und Kapazitätsanpassung
- verbesserte Kommunikation und klare Prozesse
- Wandel der Führungs- und Arbeitskultur
Andererseits: Fragen durch wachsende Flexibilisierung
- Welche Möglichkeiten gibt es für Tätigkeiten in der Produktion oder personenbezogene Dienstleistungen?
- Wie kann einer Entgrenzung der Arbeit und einer zunehmenden Belastung der Mitarbeiter durch ständige Erreichbarkeit entgegengewirkt werden?
- Wie funktionieren Personalführung, Organisation und Kommunikation bei einem mobilen und flexiblen Team?
- Wie werden Teamidentität, Engagement und Kreativität sichergestellt?
Möglichkeiten...
Flexibilisierung des Arbeitsorts
- mobiles Arbeiten (etwa auf Dienstreisen)
- Desksharing innerhalb eines Unternehmens
- Telearbeit als Homeoffice oder im Wechsel von Heim- und Büroarbeit
Flexibilisierung der Arbeitszeit
- Teilzeit (auch reduzierte Vollzeit, Altersteilzeit)
- Gleitzeit
- Vertrauensarbeitszeit
- Arbeitszeitkonten (auch Lebensarbeitszeitkonten)
- Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus
- Jobsharing
- längere Abwesenheitsblöcke wie Sabbaticals, mehrmonatige Freistellungen, Elternzeit, Pflegezeit
... und Grenzen
Klare Strukturen und verbindliche Regeln, Planbarkeit und Verlässlichkeit sowie eine gute Kommunikation sind unabdingbar für flexible Arbeits(zeit)modelle – ebenso wie eine entsprechende Unternehmenskultur und Kompetenzen auf Seiten der Führungskräfte und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Betriebliche Erfordernisse wie Kundenwünsche, Maschinenlaufzeiten, Service- und Öffnungszeiten sind mit den Wünschen der Beschäftigten in Einklang zu bringen und dabei verschiedene rechtliche und technische Rahmenbedingungen zu beachten:
- gesetzliche Regelungen wie
- Arbeitszeitrecht (z. B. maximale tägliche Arbeitszeit, Pausen- und Ruhezeiten, Zeiterfassung)
- Arbeitsschutz (z. B. Arbeitssicherheit und Schutzmaßnahmen, Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen)
- Datenschutz (z. B. technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz persönlicher Daten, IT-Sicherheitskonzept)
- tarifrechtliche Regelungen
- Betriebsvereinbarungen
- technische Arbeitsmittel, Kommunikationsmittel und -möglichkeiten
- arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse
Tipps für die betriebliche Praxis
Für Arbeitgeber
- Klare Vereinbarungen treffen!
Flexible Arbeitsmodelle erfordern klare Regeln, beispielsweise zur Frage der Erreichbarkeit. Alle sollten zum Umgang mit mehr „Selbstverantwortung“ befähigt werden. - Leistung der Mitarbeitenden messen!
Leistungen sollten möglichst objektiv definiert und gemessen werden. Die Zielerreichung hat Vorrang vor Anwesenheit. - Moderne Werkzeuge für die Zusammenarbeit nutzen!
Teams sollten bei flexibler Arbeit durch interne soziale Netzwerke, Blog oder Collaboration Tools unterstützt werden - Digitale Zusammenarbeit braucht neue Führungspersönlichkeiten!
Flexibles Arbeiten erfordert neue Führungs- und Kommunikationsansätze, z. B. Führen und in Kontakt bleiben auf Distanz. - Unternehmenskultur anpassen!
Den notwendigen Kulturwandel einleiten und unterstützen, z. B. auf Ergebnisse ausrichten. Denn Arbeitsmodelle müssen zur Kultur passen. - Technische Machbarkeit und Datenschutz gewährleisten!
Eine funktionierende Hard- und Software sind ein Muss, genauso wie Sicherheit und Datenschutz. - Ausprobieren und Probelauf starten!
Sie müssen nicht gleich das ganze Unternehmen umstellen; probieren Sie mobile Lösungen in einem Bereich aus.
Für Beschäftigte
- Zuhause arbeiten – Raum für die Arbeit schaffen!
Das Homeoffice dient der Arbeit. Diese Fokussierung gelingt am besten in einem abgeschlossenen Bereich, idealerweise einem eigenen Raum. - Sich selbst managen!
Flexible Arbeitsmodelle verlangen ein hohe Maß Selbstorganisation. Effizientes Arbeiten und Verlässlichkeit sind unabdingbar. - Sich selber schützen!
Flexible Arbeit darf nicht zur Selbstausbeutung führen. Engagierte Mitarbeiter/innen setzen Grenzen und halten sie ein. - Sichtbar bleiben!
Wer selten(er) im Büro/am Arbeitsplatz ist, muss stärker darauf achten, dass die Arbeitsergebnisse und die Rolle als Teammitglied auch wahrgenommen werden. - Digitale Kommunikation aktiv nutzen!
Soziale Medien sollten auch genutzt werden, um die eigene Leistung und Kreativität darzustellen. - Vereinbarkeit regeln!
Homeoffice und mobiles Arbeiten sind kein Ersatz für eine fehlende Betreuung von Kindern oder zu pflegenden Angehörigen. - Probelauf anbieten!
Helfen Sie Vorbehalte abzubauen und vereinbaren Sie eine „Probezeit“ für mobiles Arbeiten.
Quelle: Erfolgsfaktor Familie
Hilfreiche Informationen
Handlungsleitfäden und Tipps für die Einführung flexibler und mobiler Arbeitsformen:
- Handlungsempfehlungen und Tipps zu den Themen „Flexible Arbeitszeiten“ und „Digitale Zusammenarbeit: Homeoffice und hybrides Arbeiten“
(Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung KOFA) - Homeoffice und mobiles Arbeiten bewusst gestalten – Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen
(RKW-Kompetenzzentrum) - Flexible Arbeitszeitmodelle – Überblick und Umsetzung
(Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin baua) - Leitfaden „Erfolg mit flexiblen Arbeitszeitmodellen”
(Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA – Projekt ZEITREICH)
Es kann auch die ZEITREICH-Toolbox genutzt werden mit Werkzeugen für agiles, flexibles und mobiles Arbeiten. - Toolbox „Digitale Vereinbarkeit“ zu Homeoffice und mobilem Arbeiten (pdf)
(Erfolgsfaktor Familie) - Potenzialanalyse „Arbeitszeit“
(Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA)
