IHK Ulm

Handelszahlen Januar bis Juni 2026: Moderates Wachstum im Handel mit Südost-Europa

Der Außenhandel Baden-Württembergs mit den 14 Ländern des Kompetenz-Zentrums Südost-Europa (KSOE) ist im ersten Halbjahr 2026 gewachsen. Der Handelsumsatz stieg gegenüber Januar bis Juni 2025 um 2,3 Prozent auf rund 20,0 Milliarden Euro. Deutschlandweit entwickelte sich der Handel mit der Ländergruppe etwas dynamischer: Er nahm um 3,0 Prozent auf rund 111,8 Milliarden Euro zu. Während in Baden-Württemberg vor allem steigende Einfuhren zum Wachstum beitrugen, legten auf Bundesebene die Ausfuhren stärker zu als die Einfuhren. Zwischen den einzelnen Partnerländern zeigen sich deutliche Unterschiede.
Für diese Analyse wurden die Länder des Kompetenz-Zentrums Südost-Europa berücksichtigt: Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.

Baden-Württemberg: Steigende Einfuhren und kräftige Zuwächse in einzelnen Märkten

Für Baden-Württemberg erhöhte sich der Handelsumsatz mit den 14 KSOE-Ländern im ersten Halbjahr 2026 um rund 449,7 Millionen Euro auf 20,0 Milliarden Euro. Die Einfuhren stiegen um 3,1 Prozent auf rund 11,8 Milliarden Euro, während die Ausfuhren um 1,1 Prozent auf rund 8,3 Milliarden Euro zunahmen. Damit entfiel der überwiegende Teil des absoluten Handelszuwachses auf die Importseite.
Die größten positiven Beiträge kamen aus dem Handel mit Serbien, Slowenien und der Ukraine. Mit Serbien stieg der Handelsumsatz um 25,1 Prozent auf rund 990,9 Millionen Euro. Sowohl die Ausfuhren mit einem Plus von 30,9 Prozent als auch die Einfuhren mit plus 21,5 Prozent legten kräftig zu. Der Handel mit Slowenien wuchs um 8,1 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro, wobei die Ausfuhren mit einem Anstieg um 18,1 Prozent deutlich stärker zunahmen als die Einfuhren mit plus 2,8 Prozent. Im Austausch mit der Ukraine erhöhte sich der Handelsumsatz um 28,9 Prozent auf rund 617,4 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren vor allem die Ausfuhren, die um 34,9 Prozent auf rund 493,5 Millionen Euro stiegen. Zusammen verzeichneten diese drei Märkte einen Handelszuwachs von rund 477,3 Millionen Euro. Rückläufig entwickelte sich dagegen der Handel mit Ungarn und Rumänien. Ungarn blieb mit einem Handelsumsatz von rund 5,8 Milliarden Euro der größte Partner innerhalb der Ländergruppe, verzeichnete jedoch einen Rückgang um 3,4 Prozent. Während die Einfuhren mit plus 0,4 Prozent nahezu unverändert blieben, sanken die Ausfuhren um 7,8 Prozent. Der Handel mit Rumänien ging um 1,4 Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro zurück; hier lagen sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren leicht unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt verringerte sich der Handelsumsatz mit beiden Ländern um rund 259,9 Millionen Euro.
Die Slowakei nahm mit rund 4,2 Milliarden Euro den zweiten Platz unter den Handelspartnern Baden-Württembergs in der Ländergruppe ein. Der Handelsumsatz stieg um 3,0 Prozent, getragen von einem Zuwachs der Einfuhren um 5,2 Prozent. Die Ausfuhren gingen dagegen um 1,9 Prozent zurück. Auf Ungarn, die Slowakei und Rumänien entfielen zusammen rund 70,4 Prozent des baden-württembergischen Handels mit den 14 Ländern. Ihre Entwicklung hat damit erhebliches Gewicht für das Gesamtergebnis.
Weitere Zuwächse verzeichneten unter anderem Bulgarien mit plus 5,3 Prozent, Bosnien und Herzegowina mit plus 11,8 Prozent sowie Kroatien mit plus 2,4 Prozent. Insgesamt reichten die Zuwächse in den übrigen Märkten aus, um die Rückgänge insbesondere in Ungarn und Rumänien mehr als auszugleichen.

Deutschland: Ungarn und Bulgarien leisten die größten Wachstumsbeiträge

Die deutschen Handelsbeziehungen mit den 14 KSOE-Ländern entwickelten sich im ersten Halbjahr 2026 ebenfalls positiv. Der Handelsumsatz stieg um rund 3,2 Milliarden Euro beziehungsweise 3,0 Prozent auf rund 111,8 Milliarden Euro. Die Ausfuhren erhöhten sich um 3,4 Prozent auf rund 57,5 Milliarden Euro, die Einfuhren um 2,5 Prozent auf rund 54,3 Milliarden Euro. Anders als in Baden-Württemberg gingen auf Bundesebene damit die stärkeren Wachstumsimpulse von den Exporten aus.
Den größten absoluten Beitrag zum deutschen Handelswachstum leistete Ungarn. Der Handelsumsatz erhöhte sich um rund 1,0 Milliarde Euro beziehungsweise 3,1 Prozent auf rund 34,4 Milliarden Euro. Die deutschen Ausfuhren nach Ungarn stiegen um 4,6 Prozent, die Einfuhren um 1,7 Prozent. Damit entwickelte sich der Austausch mit dem größten deutschen Handelspartner innerhalb der Ländergruppe gegenläufig zum baden-württembergischen Ergebnis.
Besonders kräftig wuchs der Handel mit Bulgarien. Der Handelsumsatz nahm um 15,3 Prozent auf rund 7,0 Milliarden Euro zu. Treiber waren vor allem die Einfuhren, die um 21,7 Prozent stiegen; die Ausfuhren legten um 8,9 Prozent zu. Mit einem absoluten Zuwachs von rund 924,0 Millionen Euro leistete Bulgarien nach Ungarn den zweitgrößten Beitrag zum Wachstum. Zusammen entfielen auf beide Länder rund 60,8 Prozent des gesamten Anstiegs des deutschen Handelsumsatzes mit den 14 KSOE-Ländern.
Auch Serbien mit plus 7,1 Prozent und Kroatien mit plus 6,9 Prozent verzeichneten deutliche Zuwächse. Der Handel mit Rumänien erhöhte sich dagegen nur leicht um 0,9 Prozent auf rund 21,3 Milliarden Euro. Steigende Ausfuhren um 4,2 Prozent glichen hier rückläufige Einfuhren um 2,9 Prozent aus. Mit der Slowakei blieb der Handelsumsatz bei einem Plus von 0,3 Prozent auf rund 19,6 Milliarden Euro weitgehend stabil.
Im Handel mit Slowenien stand einem Anstieg der Einfuhren um 9,2 Prozent ein Rückgang der Ausfuhren um 3,6 Prozent gegenüber. Insgesamt erhöhte sich der Handelsumsatz um 2,6 Prozent auf rund 8,1 Milliarden Euro. Ein weiterer Unterschied zu Baden-Württemberg zeigte sich bei der Ukraine: Während der baden-württembergische Handel deutlich zunahm, ging der deutsche Handelsumsatz um 1,2 Prozent auf rund 6,1 Milliarden Euro zurück. Ausschlaggebend waren um 1,9 Prozent niedrigere deutsche Ausfuhren.

Fazit: Wachstum auf beiden Ebenen, aber unterschiedliche Impulse

Die Halbjahreszahlen 2026 zeigen ein moderates Wachstum des Handels mit den 14 KSOE-Ländern sowohl für Baden-Württemberg als auch für Deutschland. Allerdings blieb die Entwicklung hinter dem jeweiligen gesamten Außenhandel zurück: Während der Handelsumsatz Baden-Württembergs insgesamt um 3,2 Prozent zunahm, wuchs der Austausch mit den KSOE-Ländern um 2,3 Prozent. Auf Bundesebene stand einem Anstieg des gesamten deutschen Außenhandels um 6,2 Prozent ein Zuwachs im Handel mit der Ländergruppe um 3,0 Prozent gegenüber.
Die Wachstumsbeiträge unterschieden sich dabei deutlich. In Baden-Württemberg standen kräftige Zuwächse insbesondere in Serbien, Slowenien und der Ukraine rückläufigen Handelswerten mit Ungarn und Rumänien gegenüber. Deutschlandweit trugen dagegen vor allem Ungarn und Bulgarien zum absoluten Wachstum bei. Auch die Handelsrichtungen entwickelten sich unterschiedlich: Baden-Württemberg verzeichnete den stärkeren Zuwachs bei den Einfuhren, Deutschland bei den Ausfuhren. Die Ergebnisse unterstreichen damit, dass sich die Entwicklung der Ländergruppe nicht einheitlich beurteilen lässt und einzelne Partnermärkte auf Landes- und Bundesebene sehr unterschiedliche Impulse setzen.

Statistiken

Hier finden Sie die aktuellen Statistiken als PDF zum Herunterladen:

Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
Stand: Oktober 2026