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Wirtschaftsstimmung in Südosteuropa: Ergebnisse der AHK-Umfragen 2026

Die aktuellen AHK-Konjunkturumfragen zeichnen ein insgesamt gemischtes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in Südosteuropa. Während die Unternehmen in einigen Ländern weiterhin zuversichtlich sind, sorgen steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und eine schwächere Nachfrage vielerorts für vorsichtigere Erwartungen.

Kroatien

Am 13. Mai 2026 veröffentlichte die AHK Kroatien die Ergebnisse ihrer jährlichen Konjunkturumfrage. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen weiterhin überwiegend positiv eingeschätzt, gleichzeitig gehen die Erwartungen für 2026 deutlich vorsichtiger aus als im Vorjahr. Besonders bei Investitionen und Neueinstellungen planen die Unternehmen zurückhaltender, während steigende Arbeits- und Energiekosten zunehmend als Belastung wahrgenommen werden. Auch internationale Unsicherheiten, zusätzliche regulatorische Anforderungen und mögliche Lieferkettenstörungen erschweren die Planung. Trotz dieser Herausforderungen genießt Kroatien weiterhin großes Vertrauen als Wirtschafts- und Investitionsstandort. Die Unternehmen sehen jedoch weiteren Verbesserungsbedarf bei Rechtssicherheit, Steuerpolitik und der Effizienz der Verwaltung.

Bulgarien

Am 28. Mai 2026 stellte die AHK Bulgarien die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage vor, an der 83 Unternehmen teilnahmen. Insgesamt bleibt das Geschäftsumfeld aus Sicht der Unternehmen stabil: 91 Prozent bewerten die Rahmenbedingungen als mindestens zufriedenstellend, während 80 Prozent für die wirtschaftliche Entwicklung Stabilität oder eine Verbesserung erwarten. Auch die Planungen für Investitionen und Beschäftigung fallen überwiegend positiv aus, wobei rund 70 Prozent ihre Investitionen beibehalten oder erhöhen wollen und 85 Prozent ihren Personalbestand halten oder ausbauen möchten. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen gegenüber dem Vorjahr etwas abgeschwächt, da geopolitische und wirtschaftliche Risiken stärker ins Gewicht fallen. Insgesamt bestätigt die Umfrage jedoch die weiterhin hohe Attraktivität Bulgariens als Wirtschaftsstandort.

Bosnien und Herzegowina

Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina veröffentlichte am 16. Juni 2026 ihre jährliche Konjunkturumfrage. Die Befragten bewerten die aktuelle Wirtschaftslage trotz des schwierigen Umfelds überwiegend als zufriedenstellend, zugleich erwarten fast 60 Prozent für 2026 eine weitgehend unveränderte Entwicklung. Bei Investitionen und Beschäftigung zeigt sich weiterhin eine gewisse Dynamik: 43 Prozent planen höhere Investitionsausgaben und fast die Hälfte rechnet mit mehr Beschäftigten. Besonders bemerkenswert ist, dass 80 Prozent der Unternehmen Bosnien und Herzegowina erneut als Investitionsstandort wählen würden. Als Stärken gelten vor allem die geografische Lage, die Nähe zum EU-Markt, wettbewerbsfähige Arbeitskräfte und vergleichsweise niedrige Kosten. Verbesserungsbedarf besteht insbesondere bei Korruptionsbekämpfung, politischer Stabilität, Rechtssicherheit, Verwaltung und dem Steuersystem.

Rumänien

Die AHK Rumänien hat im Frühjahr 2026 ihre aktuelle Konjunkturumfrage veröffentlicht. Die Geschäftslage wird von rund einem Drittel der befragten Unternehmen noch als gut bewertet, gleichzeitig hat sich der Anteil negativer Einschätzungen gegenüber dem Vorjahr erhöht. Auch die Erwartungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind verhaltener geworden, während politische Unsicherheiten und eine schwache Nachfrage die Unternehmensplanung erschweren. Hinzu kommen steigende Energie- und Arbeitskosten sowie schwierige Finanzierungsbedingungen. Entsprechend zeigen sich Unternehmen bei Investitionen und Neueinstellungen zurückhaltender. Trotz der eingetrübten Stimmung bleibt Rumänien für viele Unternehmen langfristig ein interessanter Markt, sofern die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen verlässlicher werden.

Serbien

Am 19. Mai 2026 präsentierte die AHK Serbien die Ergebnisse ihrer aktuellen Unternehmensumfrage. Die deutschen Unternehmen sehen weiterhin langfristige Chancen im serbischen Markt, beurteilen die Rahmenbedingungen jedoch vorsichtiger als im Vorjahr. So würden sich 77 Prozent der Befragten erneut für Serbien als Investitionsstandort entscheiden, gegenüber 88 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig erwarten viele Unternehmen stabile Entwicklungen bei Geschäftstätigkeit, Beschäftigung und Investitionen, sodass von einem grundsätzlichen Vertrauensverlust keine Rede sein kann. Als wichtige Standortvorteile werden weiterhin die geografische Lage, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und wettbewerbsfähige Betriebskosten genannt. Gleichzeitig wünschen sich die Unternehmen mehr Rechtssicherheit, eine besser planbare Wirtschaftspolitik und eine effizientere öffentliche Verwaltung.

Slowakei

Die AHK Slowakei veröffentlichte 2026 die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage unter den in der Slowakei tätigen Unternehmen. Die wirtschaftliche Stimmung hat sich deutlich eingetrübt und wird von der AHK als „auf Tiefpunkt“ beschrieben. Vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und steigende Arbeitskosten werden von den Unternehmen als erhebliche Risiken wahrgenommen. Gleichzeitig zeigen sich die Firmen bei Investitionen zurückhaltend und rechnen mit einem schwieriger werdenden wirtschaftlichen Umfeld. Dennoch bleibt die Slowakei als Investitionsstandort grundsätzlich relevant, insbesondere für Unternehmen mit langfristiger Orientierung. Die Ergebnisse verdeutlichen damit einen wachsenden Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Slowenien

Am 4. Juni 2026 stellte die AHK Slowenien die Ergebnisse ihrer 23. Umfrage zur Wirtschaftslage und zum Investitionsklima vor. Die Stimmung hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert: Nur neun Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, während 53 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Besonders stark belasten steigende Arbeitskosten, die für 64 Prozent der Befragten zu den größten Geschäftsrisiken gehören; auch energie- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig planen nur etwa 20 Prozent Neueinstellungen, während fast 30 Prozent mit einem Personalabbau rechnen. Auch die Standorttreue hat nachgelassen: Nur 59 Prozent würden Slowenien erneut als Investitionsstandort wählen. Die Unternehmen fordern daher vor allem eine verlässliche und vorhersehbare Wirtschaftspolitik, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.

Ungarn

Am 7. Mai 2026 präsentierte die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer ihre 32. Konjunkturumfrage. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Stimmungsaufschwung im Zusammenhang mit dem erwarteten Regierungswechsel: Sowohl die Konjunkturerwartungen als auch die eigenen Geschäftsaussichten und Investitionspläne wurden nach der Parlamentswahl positiver eingeschätzt. Gleichzeitig weist die langfristige Entwicklung bei verschiedenen wirtschaftspolitischen Standortfaktoren weiterhin nach unten. Positiv bewerten die Unternehmen unter anderem die Verfügbarkeit und Qualität ungarischer Zulieferer, die Bedingungen für Forschung und Entwicklung sowie die Infrastruktur. Bemerkenswert ist außerdem die wachsende Unterstützung für die Einführung des Euro: 75 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus. Insgesamt zeigt die Umfrage damit mehr Zuversicht, aber auch weiterhin strukturellen Reformbedarf.

Ukraine

Am 7. Juli 2026 veröffentlichte die AHK Ukraine gemeinsam mit KPMG den „German-Ukrainian Business Outlook 2026“. Trotz des anhaltenden Krieges bewerten 80 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als zufriedenstellend oder besser. Gleichzeitig bleibt die Investitionsbereitschaft hoch: 63 Prozent planen nach Kriegsende höhere Investitionen, während 38 Prozent ihre Aktivitäten unabhängig von der weiteren Kriegsentwicklung ausweiten wollen. Auch auf dem Arbeitsmarkt überwiegt die Zuversicht, denn 47 Prozent der Unternehmen planen eine Vergrößerung ihrer Belegschaft. Als wichtigste Herausforderungen nennen die Unternehmen vor allem kriegsbedingte Risiken, die Sicherheit der Beschäftigten, die Energieversorgung und Korruption. Für das weitere Engagement werden daher vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, geeignete Finanzierungsangebote und Instrumente zur Absicherung von Risiken benötigt.

Fazit

Die AHK-Umfragen zeigen, dass Südosteuropa trotz eines zunehmend unsicheren wirtschaftlichen Umfelds weiterhin ein wichtiger und attraktiver Wirtschaftsraum bleibt. Zwar bremsen steigende Kosten, geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten die Erwartungen der Unternehmen, dennoch bestehen vielerorts weiterhin Investitionsbereitschaft und langfristiges Vertrauen in die Standorte. Für deutsche Unternehmen ergeben sich damit insbesondere bei Produktion, Investitionen und der Diversifizierung von Lieferketten weiterhin interessante Chancen. Entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Region sind jedoch verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit, weniger Bürokratie und eine nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Stand: September 2026