die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 7149264
3 min Lesezeit
Interview

„Wohnraum muss verfügbar und bezahlbar sein“

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird von Unternehmen oft als ein Standorthemmnis genannt. Wie schätzen Sie die Wohnungssituation in Biberach ein?
Miller: Biberach ist ein starker Wirtschaftsstandort und attraktiver Ort zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Diese positive Gesamtsituation wirkt sich auch auf die Nachfrage nach Wohnraum und auf dessen Preise aus. Einen Engpass gibt es vor allem im Bereich des bezahlbaren Wohnraums. Hier sieht sich insbesondere der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft gefordert, und wir haben in den letzten Jahren viel erreicht. Allein seit 2024 haben wir den Wohnungsbestand von 525 Wohneinheiten auf 574 erhöht. Diese Wohnungen werden überwiegend für Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen bereitgestellt. In Biberach sind aktuell 453 öffentlich geförderte Wohnungen registriert, davon befinden sich 119 bei der Wohnungswirtschaft.
Welche konkreten Strategien und Projekte verfolgt die Stadt Biberach, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entspannen?
Menth: Wir sind auf verschiedenen Ebenen aktiv, um diesem Bedarf gerecht zu werden – Das Magazin der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm zum Beispiel, indem wir in geeigneten Neubaugebieten Grundstücke für Geschosswohnungsbauten vorsehen. Diese Möglichkeiten werden von Privaten und Wohnungsbaugesellschaften genutzt und führen dazu, dass der Wohnungsmarkt in Biberach insgesamt viel bietet. Auch im Bereich der Nachverdichtung begleiten wir entsprechende Projekte seitens der Stadt konstruktiv. Überdies planen wir in Wohnbaugebieten auch möglichst kompakte Bauformen, damit der Traum vom Eigenheim trotz steigender Baukosten und Zinsen für junge Familien möglichst bezahlbar bleibt.
Welche Rolle spielen Strategien wie verdichtetes Bauen, Werkswohnungen, modulares oder serielles Bauen? Wie offen ist die Stadt für innovative Ansätze?
Miller: Unsere Hospitalstiftung hat bereits 13 Mitarbeiterappartments im Zuge der Sanierung eines Gebäudes errichtet, und die Stadt würde ähnliche Bestrebungen von Unternehmen sicher positiv begleiten.
Menth: Richtig. Wir stehen als Stadt keiner innovativen Wohnform im Weg, sondern freuen uns über kreative Ideen, die auch gesellschaftliche Veränderungen aufgreifen. Konkret planen wir zum Beispiel in einem Teilort ein kompaktes Baugebiet mit 25 Wohneinheiten pro Hektar, in dem auch mindestens ein Geschosswohnungsbau mit altersgerechten Wohnungen entstehen soll. Damit soll älteren Bewohnern ermöglicht werden, in der Ortschaft in eine altersgerechte Wohnung zu wechseln. Altersgerechte Wohnformen beziehungsweise Lösungen, die sich an im Lebenslauf wandelnde Bedürfnisse leicht anpassen lassen, werden zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Mit Blick in die Zukunft: Welche wohnungspolitischen Weichenstellungen sind aus Ihrer Sicht entscheidend, damit attraktive Mittelzentren wie Biberach auch langfristig als attraktiver Wirtschaftsstandort und Arbeitsort bestehen können? Und wie schätzen Sie beispielsweise den sogenannten Bau-Turbo ein?
Miller: Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Des- halb muss sichergestellt werden, dass breite Bevölkerungsschichten sich angemessenen Wohn raum leisten können und dieser auch zur Ver fügung steht. Förderprogramme sollten daher aufrechterhalten und an sich verändernde Bedingungen angepasst werden. Gleichzeitig ist Augenmaß erforderlich, was Auflagen betrifft, die einzuhalten sind.
Menth: Wir sprechen in Biberach lieber vom Planungsturbo als vom Bau-Turbo. Dazu haben wir Leitlinien entwickelt und Muster-Anwendungsfälle erarbeitet, die wir intensiv mit unseren Gremien beraten und letztlich beschlossen haben. Unser Ziel ist es, die Chancen und Erleichterungen, die der Planungsturbo uns eröffnet, zielgerichtet umzusetzen, ohne dabei nachbarschaftliche Belange aus dem Blick zu verlieren. Ich glaube, dass uns hier ein guter erster Aufschlag gelungen ist, der sich jetzt in der Praxis bewähren muss. Unsere Hoffnung ist, dass sich dadurch möglichst unkompliziert neuer Wohnraum schaffen lässt. Auch auf den ersten Blick kleine Maßnahmen sind in diesem Kontext wichtig. Jede neue Wohneinheit zählt.
IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
Tel. 0731 173-0
E-Mail: info@ulm.ihk.mom