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Die Neuordnung der Welt aktiv mitgestalten
Geopolitische Spannungen, unsichere Märkte und neue Abhängigkeiten verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit. Beim Frühjahrsempfang der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm in Weingarten diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über die Folgen für Unternehmen und Standorte.
Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben, kritisierte in seiner Begrüßung mangelnde Reformgeschwindigkeit in Deutschland. Investitionen entstünden zunehmend außerhalb des Landes, während andere Standorte schneller handelten. „Wir sehen heute die Folgen nicht getroffener Entscheidungen“, so Buck. Viele Probleme würden über Gesetze, Dokumentationspflichten und Regulierung statt über marktwirtschaftliche Mechanismen gelöst. Als Beispiel für schnelles Handeln nannte Buck die Bereiche Sicherheit und Verteidigung. Unternehmen investierten dort bereits auf eigenes Risiko und reagierten flexibel auf neue Anforderungen. Auch die IHK-Koordinierungsstelle „Gesamtverteidigung“ habe Netzwerke zu Themen wie Resilienz und Lieferketten aufgebaut. „Genau das ist das Tempo, das Deutschland braucht“, betonte Buck.
„Wir sehen heute die Folgen nicht getroffener Entscheidungen“
- Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben
Zwischen Weltpolitik und Wertschöpfung
„Wir erleben eine Hyperunsicherheit und eine Neuordnung der Welt“, sagte Jörg Stratmann, Vorstandsvorsitzender der Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen, in seiner Keynote. Die Welthandelsorganisation WTO spreche von der größten Störung der internationalen Handelsordnung seit 80 Jahren. Deutschland sei in mehr als 200 Handelsgruppen von anderen Ländern abhängig. Der Welthandel sei politischer, komplizierter und unsicherer geworden. Wirtschaft und Geopolitik ließen sich nicht mehr voneinander trennen, Sicherheitspolitik werde zum Standortfaktor. Betriebe müssten mehrere Transformationen gleichzeitig bewältigen und Entscheidungen unter geopolitischem Druck treffen. Wachstum entstehe nicht mehr automatisch, sondern beginne mit der Frage, wo Produkte und Technologien tatsächlich gebraucht würden. Betriebe sollten sich nicht nur fragen, wo sie verkaufen können, sondern wo sie mit ihren Lösungen einen Beitrag leisten. Stratmann sieht dafür gute Voraussetzungen in der Region. Leistungsfähigkeit, Ingenieurskunst und hohe Arbeitsqualität seien weiterhin starke Standortfaktoren.
„Wirtschaft und Geopolitik lassen sich nicht mehr voneinander trennen“
- Jörg Stratmann, Vorstandsvorsitzender der Rolls-Royce Power Systems AG, Friedrichshafen
Herausforderungen gemeinsam angehen
In der anschließenden Podiumsdiskussion standen, moderiert von Konstantinos Tsetsos vom Metis Institut, die Themen Fachkräftesicherung und politische Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt. Anke Traber von der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg bezeichnete die Fachkräftesicherung als dauerhaftes Zukunftsthema. Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt passten häufig nicht zusammen, viele Stellen erforderten hohe Qualifikationen. Weiterbildung bleibe deshalb entscheidend. Agnieszka Brugger, Mitglied des Deutschen Bundestags und des Verteidigungsausschusses, räumte ein, dass Politik in Bereichen wie Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit früher hätte reagieren müssen. Der Bundestagsabgeordnete Axel Müller verwies auf den hohen Erwartungsdruck an die Politik und die komplexen Abläufe innerhalb des föderalen Systems.
Abgeordnete in Unternehmen einladen
Zum Abschluss zog Jan Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm, ein optimistisches Fazit. Der wirtschaftsfreundliche Koalitionsvertrag der neuen baden-württembergischen Landesregierung mache Mut für Reformen und bessere Rahmenbedingungen. Beispielhaft verwies er auf das geplante Effizienzgesetz, durch das unter anderem Berichtspflichten bis Ende 2027 entfallen sollen, und auf die geplante Anwendung der Mittel der Legalplanung zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Roell appellierte an alle Unternehmer, Abgeordnete in ihre Betriebe einzuladen – nicht zu einer Show-Veranstaltung, sondern um Betriebsalltag, -abläufe und -erfordernisse zu erklären.
„Es braucht unseren Zusammenhalt zur Durchsetzung von Reformen“
- Jan Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm
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E-Mail: info@ulm.ihk.mom
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