Kritische Rohstoffe und seltene Erden

Die Versorgungslage bei kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden ist von extremer geopolitischer Anspannung und hoher Anfälligkeit geprägt. Wie sieht die aktuelle Situation für deutsche Unternehmen aus und wie können sie eigenen Lieferketten absichern? Was bedeutet der europäische Critical Raw Materials Act (CRMA) konkret für Unternehmen und welche Verpflichtungen und Möglichkeiten ergeben sich daraus? Diese und weitere Fragen beleuchten wir in unserem Artikel.

Einordnung und aktuelle Lage

Chemisch umfasst die Gruppe der Seltenen Erden 17 Elemente.
  • Cer, Lanthan, Neodym und Praseodym gehören zu den leichten Seltenerdelementen
  • Samarium, Europium und Gadolinium - zu den mittelschweren Seltenerdelementen
  • Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium, Lutetium und Yttrium - zu den schweren Seltenerdelementen
  • das radioaktive Element Promethium ist nicht mineralbildend und das Element Scandium tritt nicht zusammen mit den anderen Seltenerdelementen auf
Die meisten Seltenen Erden sind nicht selten. Ihre Weiterverarbeitung und Separation ist jedoch sehr komplex und erfolgt in derzeit acht Ländern, angeführt von China mit einem Weltmarktanteil von über 90 Prozent. Vor diesem Hintergrund gibt die Verschärfung der chinesischen Exportkontrollen für kritische Rohstoffe und Industriemagnete weltweit sowie in der EU Anlass zu großer Besorgnis und hat direkte negative Auswirkungen auf die deutsche Industrie.

Critical Raw Materials Act (CRMA): Überblick

Die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen vom 3. Mai 2024 (Critical Raw Materials Act) ist seit dem 23. Mai 2024 in Kraft. Die Verordnung schafft einen Rechtsrahmen zur nachhaltigen Versorgung der europäischen Industrie mit kritischen Rohstoffen und Stärkung der Unabhängigkeit und strategischen Autonomie der EU.

Ziele und Maßnahmen

  • Definition von kritischen und strategischen Rohstoffe für europäische Industrie
  • Festlegung der Richtwerte und Aufbau der europäischen Kapazitäten entlang der Lieferkette strategischer Rohstoffe
  • Überwachung und Minderung des Versorgungsrisiko
  • Ermittlung und Unterstützung strategischer Projekte, die zur Verringerung der Abhängigkeiten und zur Diversifizierung der Einfuhren beitragen
  • Schaffung der Anreize für technologischen Fortschritt und Ressourceneffizienz
  • Sicherstellung des freien Verkehrs von auf dem Unionsmarkt in Verkehr gebrachten kritischen Rohstoffen und Produkten, die kritische Rohstoffe enthalten
  • Erhöhung des Niveaus bei Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Zurückgewinnung der kritischen Rohstoffen

Kritische und strategische Rohstoffe nach CRMA

Die Verordnung definiert eine Liste der kritischen Rohstoffe und strategischen Rohstoffe (einschließlich Rohstoffe in unverarbeiteter Form, auf jeder Verarbeitungsstufe und bei Anfall als Nebenprodukt anderer Gewinnungs-, Verarbeitungs- oder Recyclingverfahren).
Von den 34 kritischen Rohstoffen wurden 17 als strategisch klassifiziert.
(Anhang II Abschnitt 1 des CRMA)
Große wirtschaftliche Bedeutung
Hohes Versorgungsrisiko
  • Antimon
  • Arsen
  • Bauxit / Aluminiumoxid / Aluminium
  • Baryt
  • Beryllium
  • Bor
  • Feldspat
  • Flussspat
  • Gallium
  • Germanium
  • Graphit
  • Hafnium
  • Helium
  • Kobalt
  • Kokskohle
  • Kupfer
  • Schwere Seltenerdmetalle
  • Leichte Seltenerdmetalle
  • Lithium
  • Magnesium
  • Mangan
  • Nickel (Batteriequalität)
  • Niob
  • Phosphatgestein
  • Phosphor
  • Platingruppenmetalle
  • Scandium
  • Siliziummetall
  • Strontium
  • Tantal
  • Titanmetall
  • Vanadium
  • Wismut
  • Wolfram
(Anhang I Abschnitt 1 des CRMA)
Strategische Bedeutung
Prognostizierte Nachfrage wächst und übersteigt Angebot
Hohes Versorgungsrisiko
Ausbau der Produktion schwierig
  • Bauxit / Aluminiumoxid / Aluminium
  • Bor (Metallurgiequalität)
  • Gallium
  • Germanium
  • Graphit (Batteriequalität)
  • Kobalt
  • Kupfer
  • Lithium (Batteriequalität)
  • Magnesiummetall
  • Mangan (Batteriequalität)
  • Nickel (Batteriequalität)
  • Platingruppenmetalle
  • Seltenerdmetalle für Magnete
    (Nd, Pr, Tb, Dy, Gd, Sm, Ce)
  • Siliziummetall
  • Titanmetall
  • Wismut
  • Wolfram

Bedeutung des CRMA für Unternehmen

Strategische Projekte

Zur Stärkung der Wertschöpfungskette für strategische Rohstoffe in allen Phasen werden strategische Projekte von der EU gefördert. Dazu muss ein Projekt bestimmte Kriterien erfüllen, die in Kapitel 3, Abschnitt 2, Artikel 6 des CRMA festgelegt sind.
  1. Bedeutender Beitrag zur Sicherung der Versorgung der Union mit strategischen Rohstoffen
  2. Technische Durchführbarkeit und Möglichkeit, das erwartete Produktionsvolumen des Projekts mit hinreichender Zuverlässigkeit zu schätzen
  3. Nachhaltigkeit und soziale Aspekte
  4. Bei Projekten in der Union - Vorteile über den betreffenden Mitgliedstaat hinaus, auch für nachgelagerte Wirtschaftszweige
  5. Bei Projekten in Drittländern - Nutzen für die Union und das betreffende Drittland
  • Prioritätsstatus im nationalen und EU Gesetz für administrative und rechtliche Verfahren
  • Zentrale Anlaufstelle (One-Stop-Shop) je Land
  • Dauer des Genehmigungsverfahrens (ohne Umweltverträglichkeitsprüfung):
    • Gewinnung - 27 Monate
    • Verarbeitung und Recycling - 15 Monate
  • Vereinfachung und Beschleunigung des Verfahrens zur Umweltprüfung und Genehmigung
  • Beratung zur Sicherung der Finanzierung
  • Hilfestellungen zum Abschluss von Abnahmevereinbarungen

Risikobewertung der Lieferkette

Große Unternehmen (mehr als 500 Beschäftigten), die strategische Rohstoffe für die Herstellung von strategischen Technologien in der EU verwenden, müssen alle drei Jahre Risikobewertung der Lieferketten durchführen. Diese beinhaltet:
  • eine Kartierung der Orte, an dem die von ihnen verwendeten strategischen Rohstoffe gewonnen, verarbeitet oder rezykliert werden
  • eine Analyse der Faktoren, die sich auf ihre Versorgung mit strategischen Rohstoffen auswirken könnten
  • eine Bewertung ihrer Anfälligkeit für Versorgungsunterbrechungen
  • Erzeugung erneuerbarer Energien
  • Batterien für Energiespeicherung
  • Wärmepumpen
  • Wasserstoffproduktion und -nutzung
  • Elektromobilität
  • Antriebsmotoren
  • Fortschrittliche Chips
  • Datenübertragung und -speicherung
  • Mobile elektronische Geräte
  • Additive Fertigung
  • Robotik
  • Drohnen, Raketenwerfer, Satelliten

Recyclingfähigkeit von Dauermagneten

Ab 2029 wird eine Kennzeichnungspflicht für 12 Warengruppen eingeführt.
  • Wärmepumpen
  • Elektromotoren, auch wenn sie in andere Produkte integriert sind
  • Waschmaschinen (automatische) und Wäschetrockner
  • Mikrowellen
  • Staubsauger
  • Geschirrspüler
  • Magnetresonanztomographiegeräte
  • Windenergiegeneratoren
  • Industrieroboter
  • Kraftfahrzeuge
  • leichte Transportmittel
  • Kältegeneratoren
Unternehmen sowie natürliche Personen, die diese Waren auf dem Markt in Verkehr bringen, müssen sicherstellen, dass diese Produkte ein deutlich sichtbares, gut lesbares und unverwischbares Etikett tragen, auf dem Folgendes angegeben ist:
  • ob diese Produkte einen oder mehrere Dauermagnete enthalten
  • wenn das Produkt einen oder mehrere Dauermagnete enthält, ob diese Dauermagnete zu einem der folgenden Typen gehören:
    • Neodym-Eisen-Bor
    • Samarium-Kobalt
    • Aluminium-Nickel-Kobalt
    • Ferrit
Auf oder in den gelisteten Produkte, die einen oder mehrere Dauermagnete genannten Typen enthalten, muss darüber hinaus ein Datenträger vorhanden ist, der mit einer eindeutigen Produktkennung verknüpft sein und Zugang zu folgenden Informationen ermöglichen soll:
  1. Angaben zu der verantwortlichen natürlichen oder juristischen Person
  2. Angaben über Gewicht, Lage und chemische Zusammensetzung aller einzelnen im Produkt enthaltenen Dauermagnete sowie über das Vorhandensein und die Art der Magnetbeschichtungen, Klebstoffe und eventuell verwendeten Zusatzstoffe
  3. Informationen, die den Zugang zu allen und die sichere Entfernung aller im Produkt enthaltenen Dauermagnete ermöglichen

Rezyklatanteil von Dauermagneten

Beim Inverkehrbringen von Produkten mit Dauermagneten, bei denen das Gesamtgewicht aller Dauermagnete 0,2 kg übersteigt, muss der Anteil an Neodym, Dysprosium, Praseodym, Terbium, Bor, Samarium, Nickel und Kobalt, die aus Verbraucherabfällen gewonnen wurden und in den Dauermagneten enthalten sind, auf einer Website öffentlich zugänglich gemacht werden.

Strategien zur Absicherung der Rohstofflieferketten

Neben grundlegenden Maßnahmen zur Steigerung der Lieferketten-Resilienz gewinnen auch gezielte Strategien zur Reduzierung von Preis- und Verfügbarkeitsrisiken von Rohstoffen zunehmend an Bedeutung.
Nur einige davon sind:
Durch die Diversifizierung der Lieferantenbasis können Unternehmen die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verringern. Die größte Herausforderung dabei ist vor allem die Identifizierung passender Lieferanten.
Durch eine gezielte Formulierung der Bestimmungen in Lieferverträgen lässt sich eine langfristige Versorgung mit Rohstoffen sicherstellen. Neben der mengenmäßigen Absicherung können auch Preise mithilfe verschiedener Preisregelungen festgeschrieben werden.
Erhöhte Lagerbestände verringern das Risiko von Ausfällen bei den Lieferanten oder dem Mangel an Rohstoffen auf dem Markt. Diese Strategie ist jedoch mit erhöhten Lagerhaltungskosten und weiteren finanziellen Risiken verbunden.
Durch den Beteiligungen an Zulieferern, Materialverarbeitungsunternehmen, Bergbaubetreibern und Recyclingunternehmen und den direkten Zugang zu den Materialien und Produkten können Versorgungs- und Preisrisiken langfristig abgesichert werden.
Unter den richtigen Rahmenbedingungen (zum Beispiel als strategische Projekte im Rhamen des CRMA) kann das Recycling zu mehr Rohstoffresilienz beitragen. Voraussetzungen dabei sind jedoch hohe Investitionen und Infrastruktur, fachliche und finanzielle Kapazitäten, passende Qualität des recycelten Materials und viele weiteren Herausforderungen.
Die Bündelung von Bedarf an Rohstoffen mit anderen Unternehmen steigert das Einkaufsvolumen und verbessert die Verhandlungsposition gegenüber dem Lieferanten. Eine der Möglichkeiten, die von der EU-Kommission angeboten wird, ist die EU Energy and Raw Materials Platform.
Austausch von kritischen und schwer verfügbaren Rohstoffen durch andere Rohstoffe verringert die Abhängigkeit reduziert die Preis- und Versorgungsrisiken. Durch die Substitution von Rohstoffen können auch die Nachhaltigkeitsziele realisiert werden und Innovation des Produkts gesteigert werden.
Mithilfe von Hedginginstrumenten wie Futures, Forwards, Optionen und Swaps können sich Unternehmen gegen unvorhersehbare Schwankungen der Rohstoffpreise absichern und so eine höhere Planungssicherheit gewährleisten.
Business-Analytics-Tools können für eine Mehrheit von Aufgaben eingesetzt werden. Vor allem sind diese bei der Entscheidungsfindung in der Planung, Messung, Bewertung, Prognose und Überwachung von Lieferketten hilfreich.

Einkaufsreisen und Maßnahmen

Der Parlamentarische Staatssekretär (PSt) aus dem Bundesministerin für Wirtschaft und Energie (BMWE), Stefan Rouenhoff, wird mit einer Wirtschaftsdelegation nach Peru und Chile reisen. Ein Schwerpunkt der Reise wird im Rohstoffbereich liegen.
Interessenten sind angehalten, die beigefügte Interessensbekundung elektronisch bis Dienstag, 25. August 2026, 14:00 Uhr, auszufüllen: Interessenbekundung zur Delegationsreise von PStS Stefan Rouenhoff nach Peru und Chile
Bei Fragen und für weiteren Informationen melden Sie sich bitte bei uns: international(at)weigarten.ihk.mom
Es handelt sich um eine projektbezogene Fördermaßnahme im Rahmen des Markterschließungsprogramms für KMU. Ziel ist es, relevante Akteure aus der deutschen Industrie, Bergbauzulieferer sowie Vertreter von Finanzierungsinstitutionen mit südafrikanischen Unternehmen und Projekten im Bereich kritischer Rohstoffe zusammenzubringen und so die Diversifizierung deutscher Rohstofflieferketten zu unterstützen.
Weitere Informationen: Rohstofftour nach Südafrika

Anlaufstellen und weitere Informationsquellen

Stand: 11. August 2026
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Quellen: GTAI, DERA, IHK Bodensee-Oberschwaben