Gesundheitswirtschaft ist ein zentraler Standortfaktor
Region Bodensee-Oberschwaben / Isny:
Die Gesundheitswirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben war Schwerpunktthema bei der Frühjahrssitzung der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben im Schloss Neutrauchburg in Isny.
Die Landtagswahl Baden-Württemberg sei eine spannende und richtungsweisende Wahl gewesen, sagte Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), in seiner Begrüßung zur Frühjahrssitzung der IHK-Vollversammlung. Die voraussichtlich „neue alte“ Regierung müsse sich nun beweisen und sich schnell und stabil bilden, um gemeinsam auf Augenhöhe und ohne ideologische Parteiblockaden das Land voranzubringen. „Die Wirtschaft braucht jetzt klare Entscheidungen und verlässliche Rahmenbedingungen“, so Buck. Die zentralen Handlungsfelder und Forderungen lägen schon lange auf dem Tisch – vom Bürokratieabbau über wettbewerbsfähige Energiepreise und bezahlbaren Wohnungsbau bis hin zu besseren Bedingungen für Innovation, Investitionen und Fachkräfte. Jetzt komme es darauf an, diese Handlungsaufgaben endlich entschlossen umzusetzen. Denn, gab Buck zu bedenken, die Wahlergebnisse hätten auch die Unzufriedenheit und Verunsicherung sowie einen Vertrauensverlust vieler Wähler aufgezeigt. Er appellierte an die Politik, Wechselwirkungen zwischen Handlungsfeldern und politischen Zielen stärker zu berücksichtigen und Probleme an den Wurzeln zu lösen, anstatt reine Ausgabenpolitik zu betreiben. Die Zukunft werde zeigen, ob Deutschland reformbereit und handlungsfähig sei, eine Führungsrolle in Europa und der Welt übernehmen könne und als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig bleibe.
Ein zentraler Wachstums- und Beschäftigungsfaktor in Deutschland sei die Gesundheitswirtschaft, so Buck weiter. Für viele aber sei dies schwer zu greifen. Die Vollversammlung beschäftige sich daher als Schwerpunktthema mit der Gesundheitswirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben und habe mit Dr. Quirin Schlott, Kaufmännischer Direktor und Prokurist der Waldburg-Zeil Kliniken, einen ausgewiesenen Experten als Referenten zu Gast.
Gesundheitsverbund mit Zukunft
Die Waldburg-Zeil Kliniken seien ein Gesundheitsverbund mit Zukunft, sagte Dr. Schlott. Das Unternehmen unterhält neun Rehabilitationsklinken, zwei Fachkliniken mit Akut- und Rehabilitationsmedizin sowie ein Therapeutisches Bewegungszentrum. Es hat derzeit rund 3.500 Mitarbeitende, verfügt über 2.827 Betten und verzeichnete mit 65.530 Fällen einen Jahresumsatz von 249 Millionen Euro (Stand: 1. Januar 2026). „Unsere Vision ist eine exzellente und ganzheitliche Gesundheitsversorgung“, betonte Dr. Schlott und verwies auf eine flächendeckende optimale Versorgung im Akut- und Rehabilitationsbereich – gemeinsam mit Partnern. Neben stationären Behandlungen werden auch ambulante und teilstationäre Behandlungen angeboten. Man setze auf Innovation, Spezialisierung, Kosteneffizienz, Teamarbeit und Empathie, um den individuellen Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden. „Wir haben hohe Ansprüche an Patientenorientierung, Qualität und Preiswürdigkeit der Leistung, sehen uns als Partner für öffentlich-rechtliche Krankenhausträger und wollen durch standardisierte und digitale Prozesse die Effektivität und Effizienz in unseren Häusern steigern.“ Neben den Kernfeldern Akutmedizin und Rehabilitation habe auch der Bereich Prävention mit Gesundheitsmanagement, Präventionswochen und Gesundheitsseminaren einen hohen Stellenwert.
Dr. Quirin Schlott, Kaufmännischer Direktor und Prokurist der Waldburg-Zeil-Kliniken (rechts) – hier mit IHK-Präsident Martin Buck –, sprach bei der Frühjahrssitzung der Vollversammlung in Isny zur Gesundheitswirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben.
Er ärgere sich immer wieder über die in den Medien gern verbreitete Meldung, in der Pflege verdiene man schlecht, sagte Dr. Schlott. Ein Bruttogehalt von 4.000 bis 5.000 Euro plus X für examinierte Pflegekräfte sei realistisch. Hinzu kämen Vorteile wie flexible Arbeitszeitmodelle, vielfältige Weiterbildungsangebote und bundesweite Arbeitsmöglichkeiten. „Wir hätten eigentlich auch keinen Fachkräftemangel in der Pflege“, sagte er. „Zwei-, Drei- und Vierfach-Dokumentationspflichten sowie unendlich viele bürokratische Vorschriften binden allerdings sehr viel Arbeitszeit.“ Bürokratie, die nicht bezahlt werde.
Als Herausforderungen in der Gesundheitswirtschaft nannte Dr. Schlott zudem steigende Kosten und wirtschaftlichen Druck, den demografischen Wandel sowie die Digitalisierung und technologische Transformation. Geprüft werden müsse zum Beispiel, wo überall Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt werden könne. Bereits jetzt könne KI Patientenakten auslesen und analysieren, was den Verwaltungsaufwand in Arztpraxen und Krankenhäusern signifikant reduziere.
Die Kliniken seien unterfinanziert, Pleiten daher absehbar, so Dr. Schlott weiter. In den Jahren 2023 und 2024 seien sowohl die Anzahl der Reha- und Akutkliniken als auch die Anzahl der Betten gesunken, die Patientenzahlen aber seien gestiegen. Dass Personalvorgaben oft nicht die Realität abbildeten, komme erschwerend hinzu.
Um Synergieeffekte zu nutzen und die Gesundheitsversorgung in der Region Allgäu / Bodensee zu sichern, seien Klinikverbünde und Kooperationen entstanden. Durch Ambulantisierung und den Aufbau von Medizinischen Versorgungszentren würden zudem Doppelstrukturen reduziert. Dennoch, so Dr. Schlott, bleibe in der Gesundheitsbranche durch Kosten- und Finanzierungsdruck, Krankenhausreform, Bürokratie und Fachkräftemangel die wirtschaftliche Lage sehr angespannt.
Die hohe Bedeutung der Gesundheitswirtschaft veranschaulichte Bernhard Nattermann von der IHK Bodensee-Oberschwaben abschließend mit einigen Zahlen. So belegte das Gesundheitswesen im Jahr 2024 unter den Top-10-Branchen in der Region Bodensee-Oberschwaben mit 8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Platz 1, gefolgt vom Maschinenbau (7,9 Prozent) und Einzelhandel (6,0 Prozent). Im Landkreis Ravensburg lag der Anteil der im Gesundheitswesen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2024 bei 9,8 Prozent (Platz 1), im Bodenseekreis bei 6,5 Prozent (Platz 3) und im Landkreis Sigmaringen bei 6,3 Prozent (Platz 4).
Beschlussfassungen
Auch wichtige Beschlussfassungen als Grundlage für die politische Interessenvertretung standen auf der Tagesordnung der Vollversammlung: Einstimmig wurde das DIHK-Positionspapier „Klimaschutz effizienter erreichen und international abstimmen“ verabschiedet. Zustimmung erhielten auch die Neufassungen der Satzung der IHK Bodensee-Oberschwaben sowie der Sachverständigenordnung der IHK.
Personelle Veränderungen
In der Frühjahrssitzung der Vollversammlung wurde Diplom-Ingenieur Alexander Merkel, Geschäftsführer der Konstruktion und Planung Merkel GmbH, Ravensburg, als neues Vollversammlungsmitglied verpflichtet. Merkel war schon einmal Mitglied der Vollversammlung und rückt nun nach für Susanne Nebel, frühere Geschäftsführerin von Nebel EDV Dienstleistungen, die sich in den Ruhestand verabschiedet hat.
Diplom-Ingenieur Alexander Merkel (links), wurde von IHK-Präsident Martin Buck als neues Vollversammlungsmitglied verpflichtet.
Nachberufungen gab es auch für den IHK-Verkehrsausschuss und den IHK-Energieausschuss: Die Vollversammlungsmitglieder beschlossen einstimmig die Nachberufungen von Christian Burkhart und Thorsten Reisch in den Verkehrsausschuss sowie die Nachberufung von Sofia Sauter in den Energieausschuss.
Aktuelles aus der IHK-Arbeit
Positives konnte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Sönke Voss aus der aktuellen IHK-Arbeit berichten. Bei der Entwicklung der eingetragenen Ausbildungsverträge 2024/25 etwa kann die IHK Bodensee-Oberschwaben entgegen dem landesweiten Abwärtstrend ein leichtes Plus in Höhe von 0,9 Prozent vermelden.
Eine gute Resonanz habe die von der IHK veranstaltete Podiumsdiskussion zur Landtagswahl in Baden-Württemberg mit lokalen Parteikandidaten verzeichnet, so Voss weiter. Die Lage der Wirtschaft habe bei der Wahlentscheidung dieses Mal eine größere Rolle gespielt, wie Umfragen belegen. Demnach benannten 29 Prozent der Befragten das Thema Wirtschaft als sehr wichtig – und damit 7 Prozent mehr als bei früheren Landtagswahlen.
Medieninformation Nr. 21/2026
