Diese dezentrale Struktur ist in ein europäisches Verbundnetz eingebettet. Der grenzüberschreitende Austausch und das bewährte Prinzip gegenseitiger Unterstützung sorgen für ein hohes Maß an Versorgungssicherheit. Regionale Stärke und europäische Vernetzung sind daher kein Widerspruch, sondern sie ergänzen sich.
Für die deutschen Energieversorger bildet das energiepolitische Dreieck aus Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit seit Jahrzehnten die Richtschnur ihres Handelns. Dieses gesetzlich verankerte Zielsystem muss jedoch immer wieder neu austariert werden. Angesichts gestiegener Energiepreise rückt die Bezahlbarkeit derzeit stärker in den Fokus. Dabei geht es nicht allein um die Kosten der Stromerzeugung, sondern um die Ausgaben für das gesamte Energiesystem – von der Erzeugung und den Netzen über den Vertrieb bis hin zur Beherrschung einer stetig wachsenden Systemkomplexität.
Unser Ziel muss sein: Abhängigkeit verringern und die Resilienz vergrößern.
Gleichzeitig bleibt Deutschland insbesondere in der Wärmeversorgung und Mobilität auf importierte Energierohstoffe angewiesen. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Entwicklungen ist Energieversorgung deshalb längst auch ein sicherheitspolitisches Thema. Ziel muss sein, Abhängigkeiten von kritischen Lieferländern zu verringern und die Resilienz des Energiesystems weiter zu stärken.
Auch Osthessen profitiert von einer vielfältigen Energielandschaft und einer stark dezentralen Strom- und Wärmeerzeugung. Mit mehr als 25.000 Photovoltaikanlagen, mehreren Dutzend Windkraftanlagen und zahlreichen dezentralen Wärmelösungen ist die Region sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Versorgungssicherheit gut aufgestellt. Im Versorgungsgebiet der RhönEnergie wurden im vergangenen Jahr rechnerisch bereits 55,7 Prozent des verbrauchten Stroms nachhaltig in der Region erzeugt – vor allem aus Wind- und Solarenergie.
Mit Investitionen von insgesamt 360 Millionen Euro bis 2030 – insbesondere in erneuerbare Erzeugungsanlagen und den Ausbau der Netze – stärkt die RhönEnergie die regionale Versorgung mit grünem Strom konsequent weiter. Vollständige regionale Autarkie wäre jedoch weder wirtschaftlich noch systemisch sinnvoll. Gerade Osthessen profitiert von der engen Vernetzung mit den Nachbarregionen und dem europäischen Energiesystem. Insellösungen sind dagegen meist teurer und weniger resilient.
Den eigenen Beitrag zum energiepolitischen Dreieck kann die Region weiter ausbauen: mit einer klugen Industrie- und Gewerbepolitik, der intelligenten Einbindung von Rechenzentren und dezentralen Speichern, der konsequenten Nutzung der Windkraftpotenziale sowie dem parallelen Ausbau von Wärmepumpen und Stromnetzen. Entscheidend bleibt die enge Zusammenarbeit aller regionalen Akteure – und leistungsfähige Energieversorger, die diese Entwicklung verlässlich koordinieren und gestalten. Osthessen hat davon mindestens einen.