ihkmagazin-IHK_06_26
Es gibt Themen, bei denen sich Unternehmer unabhän- gig von Branche oder Unternehmensgröße sofort einig sind: Unnötige Bürokratie gehört abgeschafft. Unsere IHK setzt sich mit Kraft dafür ein. Nach unserer IHK- Bürokratieumfrage im Vorjahr ziehen wir jetzt eine Zwi- schenbilanz. von Robert Alferink und Karen Barbrock, IHK Ob Einzelhandel, Industrieunternehmen oder digi- taler Dienstleister – der Aufwand für Nachweise, Dokumentationen und Verwaltungsverfahren wächst seit Jahren schneller als die eigentliche Wertschöpfung. Die Folge: Zeit, Personal und In- vestitionskraft werden gebunden. Dabei bräuchte die Wirtschaft gerade jetzt mehr Freiräume für In- novation und die wichtigen Dinge. Wie Geld zu verdienen, zum Beispiel. Die Ergebnisse der Bürokratieumfrage unserer IHK 2025 zeigen eindrucksvoll, wie groß der Druck in- zwischen geworden ist. Fast alle der befragten Unternehmen bewerten die Vielzahl an Nachweis- und Dokumentationsp ichten als „sehr wichtiges“ Problem. Dabei kritisieren sie sowohl den Umfang von Antragsunterlagen, die langen Verfahrensdau- ern als auch fehlende digitale Schnittstellen, kom- munale und föderale Regelungen sowie immer neue Berichtsp ichten. Tobias Schonebeck, Ge- schäftsführer der Carl Schäffer GmbH & Co. KG, berichtete schon im vergangenen Jahr in unserem Magazin, dass Aufwand und Mehrwert vieler büro- kratischer Regelungen völlig in Schie age seien. Überbordende Bürokratie Die Erkenntnis, dass die überbordende Bürokratie ein Problem ist, ist inzwischen auch in der Politik angekommen. Auf allen politischen Ebenen wird das Thema diskutiert. Eines der Versprechen der neuen Bundesregierung war und ist eine umfassen- de Staatsmodernisierung. Hierzu wurde eigens ein Ministerium gegründet. Der Blick vieler Unternehmen auf die Bundespoli- tik fällt zurückhaltend aus. Zwar werden einzelne Maßnahmen wie das sogenannte Once-Only- Prinzip – Daten sollen nur noch einmal an Behör- den übermittelt werden – grundsätzlich positiv be- wertet. Viele halten diesen Ansatz für sehr wirksam. Auch das Prinzip „one in - one out“, wonach neue Belastungen durch den Abbau bestehender Vor- schriften kompensiert werden sollen, stößt auf Zu- stimmung. Doch zwischen politischen Ankündigungen und betrieblicher Realität klafft weiterhin eine große Lücke. Umgesetzt ist bisher noch nichts davon. Und viele Unternehmer beklagen, dass gleichzeitig im- mer neue Berichtsp ichten, Datenschutzvorgaben und europäische Regulierungen hinzukommen. Besonders aufmerksam beobachten die Unterneh- men daher das neu geschaffene Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung unter Lei- tung des früheren Chefs der Media-Saturn-Holding, Karsten Wildberger. Die Erwartungen an das neue Haus waren hoch – schließlich sollte es Verwaltung modernisieren und Prozesse beschleunigen. Bis- lang überwiegt in der Wirtschaft jedoch Skepsis. Erst greifbare Ergebnisse werden dies wohl ändern. „Zwar digital, aber nicht einfacher“ „Im industriellen Anlagenbau erleben wir bislang keine spürbare Entlastung bei Bürokratie- und Do- kumentationsp ichten“, sagt Hanna Sandmann, Geschäftsführerin der Purplan GmbH aus Wallen- horst. „Viele Prozesse werden zwar digitaler, je- doch nicht automatisch einfacher oder schneller. Insbesondere bei Genehmigungen, Nachweisen und Berichtsp ichten bleibt der Aufwand weiter- hin hoch. Für den Mittelstand wäre es vor allem wichtig, Verfahren praxisnäher und ef zienter zu gestalten.“ Auch auf Landesebene gibt es bisher nur Ankündi- gungen. Zuletzt sicherte Ministerpräsident Olaf Lies der regionalen Wirtschaft auf dem IHK-Neujahrs- Foto: adobe stock/brunsting.nl >> 11 |
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