Export nach Indien: Leitfaden zur BIS-Zertifizierung

Vor der Einfuhr in den indischen Markt benötigen einige Waren eine Zulassung der staatlichen Zertifizierungsstelle, dem Bureau of Indian Standards (BIS).

Veranstaltungshinweis

Sie wollen nach Indien exportieren und fragen sich, ob Ihr Produkt eine BIS-Zertifizierung benötigt? In unserem Webinar “Indien: BIS-Zertifizierung” am 15. Oktober 2026 informieren wir Sie, welche Produktgruppen betroffen sind und was Sie beim Zertifizierungsprozess beachten müssen.

Was ist die BIS-Zertifizierung?

Indien hat für einige Produkte eigene Standards “Indian Standard” (IS) eingeführt, die vom Bureau of Indian Standards (BIS) festgelegt werden. Sie dienen dazu, die Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Produkten auf dem indischen Markt zu gewährleisten. Für viele Warengruppen ist die BIS-Zertifizierung zwingend vorgeschrieben: Ohne das entsprechende Prüfsiegel (ISI-Mark- oder CRS-Logo) dürfen diese Güter weder eingeführt noch in Indien verkauft werden. Die Zertifizierung erfolgt in Indien. Die Zertifikate werden in der Regel für ein bis zwei Jahre ausgestellt.

Welche Zertifizierungs-Schemes gibt es in Indien?

Je nach Produktgruppe unterscheidet das BIS zwischen verschiedenen Verfahren:
  • ISI-Mark Scheme (Scheme I): Dies ist das strengste Verfahren. Es erfordert neben Produkttests in indischen Laboren auch ein Werksaudit vor Ort in der Produktionsstätte (z. B. in Deutschland) durch indische Inspektoren.
  • Compulsory Registration Scheme (CRS / Scheme II): Dieses Verfahren gilt primär für Elektronik- und IT-Produkte. Hier ist kein Werksaudit erforderlich; die Zertifizierung basiert auf Typenprüfungen in akkreditierten indischen Laboren.

Welche Produkte sind aktuell von der Zertifizierungspflicht betroffen?

Die Liste der zertifizierungspflichtigen Produkte wächst kontinuierlich. Aktuell stehen unter anderem folgende Warengruppen im Fokus:
ISI-Mark Scheme (Scheme I):
CRS Scheme (Scheme II):
  • Elektronik: Mobiltelefone, Laptops, Kameras und IT-Equipment (CRS).
Wir unterstützen Sie bei der Recherche, ob Ihr Produkt eine BIS-Zertifizierung benötigt.

Wer kann sich zertifizieren lassen?

Die Zertifizierung kann nur der Hersteller der Produkte erhalten.
Händler von betroffenen Produkten müssen sich an ihre Lieferanten wenden, ob eine BIS-Zertifizierung vorliegt und diese der Warenlieferung beifügen.

Was ist der Authorized Indian Representative (AIR)?

Ausländische Hersteller müssen einen Authorized Indian Representative (AIR) benennen. Dieser muss in Indien ansässig sein und fungiert als Ansprechpartner gegenüber dem BIS.
Die Funktion des AIR kann durch die eigene Niederlassung, einen Großhändler/Importeur sowie in zahlreichen Fällen auch durch den Zertifizierungspartner wahrgenommen werden.

Was ist bei der Kennzeichnung (Marking) der Produkte zu beachten?

Nach Erhalt der Lizenz müssen die Produkte zwingend markiert werden. Das Logo (ISI-Prüfzeichen oder CRS-Symbol) muss zusammen mit der Registrierungsnummer und dem Verweis auf den indischen Standard (IS-Nummer) gut sichtbar auf dem Produkt oder der Verpackung angebracht werden. Fehler bei der Markierung führen oft zu Problemen bei der Zollabfertigung.

Was ist bei Ersatzteilen zu beachten?

Problematisch kann die Zertifizierungspflicht bei der Lieferung von Ersatzteilen werden. Beispielsweise unterliegen manche Elektromotoren einer Zertifizierungspflicht in Indien. Sind sie zuvor in einer Anlage verbaut, benötigen sie keine BIS-Zertifizierung. Als Ersatzteil jedoch schon.

Zertifizierungspflicht für Maschinen (Scheme X) aufgehoben

Wichtiger Hinweis: Die ursprünglich geplante, sehr umfassende Zertifizierungspflicht für einige Maschinen und Anlagen aus den HS-Code-Bereichen 84 und 85, bekannt als "Scheme X" oder "Omnibus Technical Regulation", wurde von der indischen Regierung im Januar 2026 offiziell zurückgenommen.
Exporteure sollten dennoch prüfen, ob Einzelkomponenten ihrer Maschinen (z. B. Motoren oder Stecker) unter andere, bereits bestehende BIS-Regelungen fallen.

Achtung Betrugsmache mit BIS-Zertifizierung!

Regelmäßig werden deutsche Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Medizintechnik und Lebensmittel von vermeintlich interessierten indischen Unternehmen kontaktiert. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich zunächst um eine große Order handelt, für deren Abwicklung angeblich eine BIS-Zertifizierung notwendig ist. Diese wird dann von Zertifizierern in Osteuropa angeboten. Sprechen Sie uns unbedingt an, wenn Sie betroffen sind oder Fragen dazu haben.