Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Frühjahr 2026

Kojunkturlage in der Bauwirtschaft

Koju-Verlauf - Baugewerbe
Das bayerisch-schwäbische Baugewerbe zeigt im Frühjahr 2026 ein tief gespaltenes Bild. Während die aktuelle Auftragslage noch Zeichen einer vorsichtigen Entspannung zeigt, brechen die Erwartungen über alle Kennzahlen hinweg ein. Der Branchenindex fällt von 112 auf 89 Punkte, ein Rückgang um 23 Punkte, der die Branche deutlich unter die Wachstumsschwelle drückt. Die Betriebe können dem laufenden Betrieb noch vertrauen, richten den Blick nach vorne jedoch mit erheblicher Sorge.
Geschäftslage: Trübung bei laufendem Betrieb
Die aktuelle Geschäftslage hat sich gegenüber Jahresbeginn spürbar verschlechtert. Der Saldo rutscht von plus 9 auf plus 1 Punkt. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage wächst von 14 auf 25 Prozent, ein Anstieg um 11 Prozentpunkte gegenüber Jahresbeginn. Gleichzeitig schrumpft das befriedigende Mittelfeld von 63 auf 49 Prozent. Der Puffer, der noch zu Jahresbeginn den Großteil der Betriebe in einer komfortablen Lage hielt, erodiert spürbar. Die Kapazitätsauslastung folgt diesem Muster. Der Anteil der voll ausgelasteten Betriebe fällt von 40 auf 25 Prozent. Die Spitze der Bautätigkeit liegt erkennbar hinter der Branche.
Auftragsvolumen und -bestand: Aktuelle Lage besser als zuletzt
Das aktuelle Auftragsvolumen zeigt eine Gegenbewegung. Der Saldo verbessert sich von minus 25 auf minus 7 Punkte. Der Anteil der Betriebe mit gestiegenem Auftragsvolumen steigt auf 18 Prozent, der Anteil mit gesunkenem Volumen fällt auf 25 Prozent. Auch beim Auftragsbestand entspannt sich die Lage. Der Anteil der Unternehmen mit kleinerem als saisonal üblichem Bestand sinkt deutlich von 49 auf 33 Prozent. Diese Aufhellung ist ein reales Signal, sie zeigt, dass die Branche im Frühjahr operativ besser dasteht als noch zu Jahresbeginn. Doch sie steht in scharfem Kontrast zu dem, was die Unternehmen für die kommenden Monate erwarten.
Erwartungen: Ein Einbruch auf breiter Front
Der Einbruch bei den Erwartungen ist der dominierende Befund dieser Umfrage. Der Saldo der Geschäftserwartungen fällt von plus 14 auf minus 22 Punkte, ein Rückgang um 36 Punkte. Nur noch 4 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung, während 26 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Beim erwarteten Auftragsvolumen ist das Bild noch ausgeprägter. Kein einziges Unternehmen erwartet steigende Aufträge, 35 Prozent erwarten sinkende Volumina. Der Saldo fällt von plus 6 auf minus 35 Punkte. Die erwartete Kapazitätsauslastung folgt unmittelbar. 37 Prozent der Betriebe rechnen mit einer abnehmenden Auslastung, nach 6 Prozent zu Jahresbeginn. Die noch laufenden Aufträge stützen den Betrieb im Frühjahr, tragen aber nicht in die Folgemonate.
Investitionen, Beschäftigung und Preise
Der Saldo der erwarteten Inlandsinvestitionen verschlechtert sich auf minus 9 Punkte, der Anteil der Betriebe mit sinkenden Investitionsplänen steigt von 12 auf 21 Prozent. Bei der Beschäftigung verschlechtert sich der Saldo von minus 1 auf minus 10 Punkte. 16 Prozent planen Stellenabbau, nur 6 Prozent Neueinstellungen. Die Mehrheit sichert den Bestand, setzt aber nicht auf Wachstum. Gleichzeitig steigen die Verkaufspreiserwartungen, der Anteil der Betriebe mit erwarteten Preissteigerungen wächst von 34 auf 43 Prozent. Steigende Preiserwartungen in einer Phase gedämpfter Auftragsperspektiven setzen die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich unter Druck, wenn sich der erwartete Auftragsrückgang tatsächlich materialisiert.
Index und Einordnung
Der Branchenindex liegt im Frühjahr 2026 bei 89 Punkten, deutlich unterhalb der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und des zehnjährigen Branchendurchschnitts von 110 Punkten. Solange Erwartungen, Auftragsvolumen und Kapazitätsauslastung so ausgeprägt im negativen Bereich verharren, bleibt eine Erholung ohne belastbare Grundlage. Das Baugewerbe hat im Frühjahr 2026 noch operative Stabilität, aber der Ausblick trägt sie nicht weiter.