Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Frühjahr 2026
Koju-Verlauf - Einzelhandel
Konjunkturlage im Einzelhandel
Der bayerisch-schwäbische Einzelhandel befindet sich im Frühjahr 2026 in einer anhaltenden Belastungsphase. Geschäftslage, Umsatzentwicklung und Erwartungen zeigen ein konsistentes Bild struktureller Schwäche. Die Nachfrage bleibt gedämpft, der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat gegenüber Jahresbeginn deutlich zugenommen, und gleichzeitig steigen die Verkaufspreiserwartungen deutlich an. Eine Erholung ist aus den Daten nicht abzulesen, der Sektor bewegt sich tiefer in die Schwächephase hinein.
Geschäftslage: Leichtes Minus, hartnäckige Umsatzschwäche
Die aktuelle Geschäftslage dreht im Frühjahr 2026 ins Negative. Der Saldo fällt von plus 2 auf minus 3 Punkte. Nur noch 19 Prozent der Einzelhandelsbetriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 22 Prozent von einer schlechten. Die Lagebewertung ist knapp unter die Nulllinie gerutscht, kein dramatischer Einbruch, aber eine erkennbare Richtung. Die Umsatzentwicklung im Inland unterstreicht das. 46 Prozent der Betriebe melden gesunkene Inlandsumsätze, dieser Wert ist gegenüber Jahresbeginn unverändert, der Saldo liegt bei minus 28 Punkten. Ein Stabilisierungssignal fehlt. Beim Auslandsumsatz ist das Bild ähnlich, der Saldo liegt bei minus 31 Punkten, kaum verändert gegenüber dem Jahresbeginn. Beide Umsatzdimensionen befinden sich auf weiterhin deutlich negativem Niveau.
Erwartungen: Eintrübung auf breiter Front
Der Blick nach vorne fällt noch deutlicher negativ aus als die laufende Lagebewertung. Der Saldo der Geschäftserwartungen fällt von minus 10 auf minus 23 Punkte. Nur noch 12 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, 35 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Besonders ausgeprägt ist der Einbruch bei den Inlandsumsatzerwartungen. Der Saldo bricht von null auf minus 24 Punkte ein. Zu Jahresbeginn hielten sich positive und negative Erwartungen noch die Waage, im Frühjahr rechnen 38 Prozent der Händler mit sinkenden Inlandsumsätzen, nur noch 14 Prozent mit steigenden. Die Branche rechnet nicht mit einer Belebung der Binnennachfrage und richtet ihre Planungen entsprechend aus.
Investitionen und Beschäftigung: Zurückhaltung als Konsequenz
Die eingetrübten Erwartungen schlagen sich unmittelbar in der Investitions- und Beschäftigungsplanung nieder. Der Investitionssaldo verbessert sich zwar leicht von minus 9 auf minus 4 Punkte, weil weniger Betriebe gänzlich auf Investitionen verzichten. Das ist jedoch kein Aufschwungssignal, sondern Bestandserhaltung unter schwierigen Bedingungen. Wo keine Umsatzverbesserung erwartet wird, bleibt der Anlass für Erweiterungsinvestitionen aus. Bei der Beschäftigung fällt der Saldo von minus 11 auf minus 19 Punkte. Nur noch 3 Prozent der Betriebe planen Neueinstellungen, 22 Prozent erwarten Stellenabbau. Schwache Umsatzerwartungen, verhaltene Investitionen und sinkende Beschäftigungspläne bedingen sich gegenseitig und bilden einen geschlossenen Wirkungskreis.
Verkaufspreise und Index: Druck von zwei Seiten
Der Saldo der Verkaufspreiserwartungen steigt von 42 auf 55 Punkte, 62 Prozent der Einzelhandelsbetriebe erwarten steigende Verkaufspreise. Steigende Preiserwartungen in einer Phase schwacher und weiter sinkender Nachfrage erzeugen ein strukturelles Spannungsverhältnis. Preiserhöhungen bei gedämpfter Nachfrage können das Absatzvolumen zusätzlich unter Druck setzen. Der Branchenindex fällt im Frühjahr 2026 von 96 auf 86 Punkte, 20 Punkte unterhalb des zehnjährigen Durchschnitts von 106 Punkten. Ohne eine Belebung der Binnennachfrage bleibt die Lage der Branche angespannt.
