Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Frühjahr 2026
Koju-Verlauf - Industrie
Konjunkturlage in der Industrie
Die bayerisch-schwäbische Industrie zeigt im Frühjahr 2026 ein gespaltenes Bild. Die aktuelle Geschäftslage hat sich gegenüber Jahresbeginn leicht verbessert und dreht knapp ins Positive, doch die Erwartungen trüben sich gleichzeitig ein, die Auftragslage bleibt strukturell belastet, und der Beschäftigungsausblick hat sich spürbar verschlechtert. Was sich auf den ersten Blick wie eine Stabilisierung liest, erweist sich bei näherer Betrachtung als fragile Balance: Die Branche hält sich, ohne die Grundlage für eine tragfähige Erholung zu legen.
Geschäftslage: Knappes Plus ohne Aufbruchssignal
Der Saldo der aktuellen Geschäftslage liegt im Frühjahr 2026 bei plus 1 Punkt, nach minus 2 Punkten zu Jahresbeginn eine leichte Aufhellung, aber kein Befreiungsschlag. 26 Prozent der Industrieunternehmen bewerten ihre Lage als gut, 25 Prozent als schlecht. Diese Konstellation beschreibt keine Erholung, sondern ein Verharren auf niedrigem Niveau. Das spiegelt sich in der Kapazitätsauslastung wider. 34 Prozent der Unternehmen arbeiten weiterhin unter nicht ausreichender Auslastung, der Saldo bleibt mit minus 16 Punkten gegenüber Jahresbeginn unverändert. Wo Kapazitäten nicht genutzt werden, fehlt die operative Grundlage für Wachstum.
Auftragsvolumen: Inland schwach, Ausland eingetrübt
Die Auftragssituation stützt das zurückhaltende Gesamtbild. Das Inlandsauftragsvolumen bleibt mit minus 17 Punkten tief im negativen Bereich, 39 Prozent der Betriebe melden gesunkene Inlandsaufträge. Beim Auslandsauftragsvolumen dreht die Entwicklung zusätzlich ins Negative. Der Saldo rutscht von minus 5 auf minus 9 Punkte, der Anteil der Unternehmen mit gestiegenem Auslandsgeschäft sinkt auf 23 Prozent. Auch der Auftragsbestand bietet keinen Ausweg, 37 Prozent der Betriebe stufen ihn als zu klein ein. Die Nachfrageschwäche ist damit keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein strukturelles Merkmal der aktuellen Industrielage.
Erwartungen: Die Hoffnung vom Jahresbeginn ist verflogen
Zu Jahresbeginn 2026 lag der Saldo der Geschäftserwartungen noch bei plus 4 Punkten. Im Frühjahr ist er auf minus 1 Punkt gefallen, der Anteil der Unternehmen, die eine Verschlechterung erwarten, ist von 17 auf 22 Prozent gestiegen. Noch deutlicher fällt der Einbruch bei den Exporterwartungen aus. Der Saldo des erwarteten Auslandsauftragsvolumens fällt von plus 14 auf null. Zu Jahresbeginn hatten noch 31 Prozent steigende Auslandsaufträge erwartet, im Frühjahr sind es nur noch 23 Prozent. Die Hoffnung auf eine exportgetriebene Erholung hat sich damit nicht bestätigt, ein wesentlicher Wachstumsimpuls bleibt aus.
Investitionen und Beschäftigung: Abwartend, nicht expansiv
Die geschwundenen Erwartungen schlagen sich unmittelbar in der Investitions- und Beschäftigungsplanung nieder. Der Anteil der Unternehmen, die überhaupt keine Investitionen planen, steigt von 9 auf 16 Prozent. Als wichtigstes Investitionsmotiv dominieren Ersatzbeschaffung mit 60 Prozent und Rationalisierung mit 49 Prozent. Kapazitätserweiterungen verlieren deutlich an Bedeutung, ihr Anteil sinkt von 29 auf 19 Prozent. Investiert wird, um zu erhalten, nicht um zu wachsen. Bei der Beschäftigung verschlechtert sich der Saldo von minus 13 auf minus 21 Punkte. Nur noch 9 Prozent der Betriebe planen Neueinstellungen, während 30 Prozent Stellen abbauen wollen. Wo Wachstumserwartungen fehlen und Kapazitäten ungenutzt bleiben, fehlt der Anlass für Beschäftigungsaufbau.
Verkaufspreise und Index: Unter der Schwelle, wachsender Druck
Auffällig ist die Entwicklung bei den Verkaufspreiserwartungen. Der Saldo steigt von 31 auf 49 Punkte, 55 Prozent der Industrieunternehmen erwarten steigende Verkaufspreise. Steigende Preiserwartungen in einem Umfeld schwacher Nachfrage und rückläufiger Auftragsvolumina erhöhen den Druck auf Margen und Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen. Der Branchenindex liegt im Frühjahr 2026 bei genau 100 Punkten, auf der Wachstumsschwelle, aber 9 Punkte unterhalb des zehnjährigen Durchschnitts von 109 Punkten.
Sinkende Exporterwartungen, stagnierende Auslastung, rückläufige Beschäftigungsabsichten und Investitionen, die mehrheitlich nur der Erhaltung dienen, ergeben das Bild einer Branche unter strukturellem Druck. Ohne eine spürbare Erholung der Auftragslage im In- wie im Ausland bleibt die industrielle Basis der Region anfällig.
