Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Frühjahr 2026

Konjunkturlage im Reise- und Gastgewerbe

Koju-Verlauf - Tourismus
Das bayerisch-schwäbische Reise- und Gastgewerbe erlebt im Frühjahr 2026 einen ausgeprägten Rückgang. Geschäftslage, Umsatz und Auslastung haben sich gegenüber Jahresbeginn deutlich verschlechtert und die Erwartungen trüben sich zusätzlich ein. Der Branchenindex fällt von 103 auf 88 Punkte, der Saldo der Geschäftslage dreht von plus 10 auf minus 11 Punkte ins Negative. Was sich bereits zu Jahresbeginn als fragile Ausgangslage abzeichnete, hat sich im Frühjahr zur handfesten Belastungsphase ausgewachsen.
Geschäftslage: Ins Minus gerutscht
Der Geschäftslagensaldo fällt um 21 Punkte von plus 10 auf minus 11 Punkte. 20 Prozent der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, während der Anteil der schlechten Bewertungen von 17 auf 31 Prozent steigt. Knapp ein Drittel der Branche sieht sich in einer schwierigen Lage, ein Warnsignal, das durch die gleichzeitige Verschlechterung bei Umsatz und Auslastung unterstrichen wird. Die Auslastung folgt demselben Muster. Der Anteil der nicht ausreichend ausgelasteten Betriebe steigt von 20 auf 32 Prozent, der Anteil voll ausgelasteter Häuser fällt von 28 auf 17 Prozent. Der Auslastungssaldo fällt von plus 8 auf minus 15 Punkte.
Umsatz: Rückgang in beiden Gästesegmenten
Der Gesamtumsatz zeigt eine weitere Verschlechterung. 49 Prozent der Betriebe melden zurückgegangene Umsätze, gegenüber 39 Prozent zu Jahresbeginn. Der Saldo fällt auf minus 31 Punkte. Beide Gästesegmente tragen zu dieser Entwicklung bei. Bei den Geschäftsreisenden verbessert sich der Saldo leicht von minus 51 auf minus 41 Punkte, doch mit 54 Prozent, die weiterhin Rückgänge verzeichnen, bleibt das Segment strukturell schwach. Das Urlaubsreisesegment, das zu Jahresbeginn noch als stabilisierender Faktor galt, gibt im Frühjahr nach. Der Saldo fällt von minus 29 auf minus 39 Punkte, der Anteil mit zurückgegangenem Urlaubsumsatz steigt von 42 auf 54 Prozent. Damit haben sich beide Gästesegmente in ihrer Negativdynamik angenähert, ein Zeichen für eine breitere Nachfrageschwäche.
Erwartungen: Keine Entlastung in Sicht
Der Ausblick bietet keine Erholung. Der Saldo der Geschäftserwartungen fällt von minus 3 auf minus 13 Punkte. Der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, steigt von 17 auf 27 Prozent, während der Anteil mit Verbesserungserwartungen unverändert bei 14 Prozent verbleibt. Bei den Umsatzerwartungen verschlechtert sich das Bild entsprechend. Der Saldo des erwarteten Gesamtumsatzes fällt von minus 8 auf minus 24 Punkte, der Anteil der Betriebe mit sinkenden Erwartungen steigt von 26 auf 41 Prozent. Beim Geschäftsreisesegment rechnen 50 Prozent der Betriebe mit weiteren Rückgängen, beim Urlaubsreisesegment fällt der Saldo auf minus 18 Punkte. Die erwartete Auslastung folgt diesem Bild. 33 Prozent der Betriebe rechnen mit abnehmender Auslastung, nach 21 Prozent zu Jahresbeginn. Geschäftslage, Umsatz und Auslastung zeigen in ihren Erwartungswerten eine konsistente Richtung. Die Branche rechnet nicht mit einer Verbesserung, sondern mit einer Fortsetzung der Schwächephase.
Investitionen und Beschäftigung: Erhalt vor Wachstum
Die Investitionsneigung reagiert auf das schwierige Umfeld. Der Saldo der Investitionserwartungen fällt von null auf minus 10 Punkte. Der Anteil der Betriebe ohne Investitionspläne steigt von 22 auf 26 Prozent, der Anteil mit sinkenden Investitionen von 23 auf 26 Prozent. Ersatzbedarf bleibt mit 71 Prozent das dominante Investitionsmotiv. Bemerkenswert ist dabei der Anstieg bei Produktinnovation als Motiv, von 27 auf 41 Prozent. Trotz schwieriger Lage setzt ein wachsender Teil der Branche auf Erneuerung des Angebots, während Kapazitätserweiterungen weiter an Bedeutung verlieren. Investiert wird, um zu erhalten und zu erneuern, nicht um zu wachsen. Bei der Beschäftigung sichert die Mehrheit den Bestand, 71 Prozent der Betriebe planen keine Veränderung. Der Saldo verschlechtert sich jedoch leicht von minus 9 auf minus 13 Punkte. 21 Prozent erwarten Stellenabbau, nur 8 Prozent Neueinstellungen.
Verkaufspreise und Index: Steigende Preise, sinkende Nachfrage
Die Preiserwartungen steigen. Der Saldo wächst von 34 auf 44 Punkte, 47 Prozent der Betriebe erwarten steigende Übernachtungs- und Verzehrpreise. Steigende Preiserwartungen in einem Umfeld sinkender Nachfrage erzeugen ein strukturelles Spannungsverhältnis. Eine weitere Verteuerung kann die Nachfrage zusätzlich dämpfen. Der Branchenindex liegt im Frühjahr 2026 bei 88 Punkten, 15 Punkte unter dem Wert vom Jahresbeginn und deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Der zehnjährige Durchschnitt liegt bei 97 Punkten, der aktuelle Indexstand unterschreitet auch diesen um 9 Punkte.
Das Reise- und Gastgewerbe befindet sich im Frühjahr 2026 in einer ausgeprägten Schwächephase, die alle wesentlichen Indikatoren gleichzeitig erfasst. Ohne eine Belebung beider Gästesegmente bleibt die Branche in einem Umfeld, in dem steigende Preiserwartungen auf sinkende Nachfrage treffen.