16. März 2026
Integration in den Arbeitsmarkt: Neues Ausbildungsformat für die Gastronomie startet
Die IHK Schwaben startet zum kommenden Schuljahr ein neues Ausbildungsformat. Gemeinsam mit der Regierung von Schwaben und Berufsschulen in Augsburg, Immenstadt, Lindau, Bad Wörishofen und in Friedberg unterstützt die IHK Auszubildende mit Sprachbarrieren sowie Lern- und Integrationsschwierigkeiten. Das „Kombimodell 1+x“ wird in der Pilotphase für Berufe im Reise- und Gastgewerbe angeboten. „Gerade in dieser Branche, die massiv unter dem Fachkräftemangel leidet, können wir die Potenziale junger Menschen so noch besser fördern und den Unternehmen zu dringend benötigten Fachkräften verhelfen“, sagt Dr. Christian Fischer, stellvertretende Leiter des Geschäftsbereichs Bildung der IHK Schwaben.
Im Rahmen des „Kombimodells 1+x“ wird der fachbezogene Spracherwerb mit dem Besuch der Berufsschule und der Ausbildung im Betrieb kombiniert. Die Ausbildung wird dabei um ein Jahr verlängert, um den Jugendlichen mehr Zeit und Unterstützung beim Lernen zu geben. Das Angebot richtet sich insbesondere an Geflüchtete, Neuzugewanderte und Jugendlichen mit sprachlichem Unterstützungsbedarf. „Ziel ist es, die Integration in Arbeit und Gesellschaft frühzeitig zu fördern und die Abbruchquote in der Ausbildung deutlich zu reduzieren“, sagt der IHK-Bildungsexperte Fischer. Vor allem im Reise- und Gastgewerbe ist der Bedarf an Unterstützungsangeboten groß.
Jedes zweite Gastrounternehmen leidet unter Fachkräftemangel
Fast jedes zweite bayerisch-schwäbische Unternehmen aus dem Reise- und Gastgewerbe leidet unter dem Fachkräftemangel, wie die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt. So hoch ist der Anteil in keiner anderen Branche. Um dem zu begegnen, setzen viele Betriebe verstärkt auf Ausbildung. Immer häufiger stellen sie junge Menschen aus dem Ausland ein. Schwabenweit waren im vergangenen Jahr knapp 1.000 neue Auszubildende in einem Gastronomieberuf gestartet, das sind fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit sind aktuell fast 1.800 junge Menschen im Reise- und Gastgewerbe in der Ausbildung. Sie lernen Berufe wie Koch oder Köchin, Fachkraft für Systemgastronomie oder Gastronomie.
Viele Azubis stammen aus Vietnam
Deutlich angestiegen ist der Anteil an Auszubildenden, die aus dem Ausland stammen – von schwabenweit rund 8 Prozent im Jahr 2015 auf zuletzt mehr als 15 Prozent. Das sind mehr als 3.000 Auszubildende. Den größten Anteil mit 383 Azubis machen junge Menschen aus Vietnam aus. Besonders im Berufsfeld Ernährung und Versorgung ist der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit vietnamesischer Staatsangehörigkeit deutlich gestiegen. „Natürlich lassen sich aus der Staatsangehörigkeit nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Deutschkenntnisse der Azubis ziehen“, sagt Dr. Christian Fischer. „Es zeigt sich aber in der Praxis, dass es für viele der jungen Menschen und die Ausbildungsunternehmen schwieriger wird, Sprachbarrieren zu überwinden.“ Oft haben betroffene Jugendliche Schwierigkeiten, den Unterrichtsinhalten zu folgen oder sich in Betriebsabläufe zu integrieren.
Start des Modellprojekts ist im September
Genau hier will die IHK Schwaben mit der zusätzlichen Förderung ansetzen. Die konkrete Ausgestaltung des „Kombimodell 1+x“ findet in Abstimmung mit den Berufsschulen statt. „Wir orientieren uns hier stark an den Gegebenheiten und Bedürfnissen vor Ort“, sagt Fischer. Die Auszubildenden, die an dem neuen Modell teilnehmen, sollen von kleineren Klassen und angepasstem Lerntempo profitieren. Sie erhalten dabei von Beginn an die übliche Ausbildungsvergütung. „Mit dem Angebot entlasten wir auch die Ausbilderinnen und Ausbilder in unseren Betrieben, die sich fortan stärker um eine fachliche Wissensvermittlung kümmern können“, betont Fischer. Der Start für das Kombimodell ist für September geplant, aktuell laufen Infoabende an den beteiligten Berufsschulen. Die IHK Schwaben sieht dieses Angebot auch als Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Gerade angesichts der Diskussion um die Kürzung bei Integrationskursen setzt die IHK Schwaben damit ein Zeichen. „Sprachkompetenz ist ein zentraler Baustein für Beschäftigung und eigenständige Existenzsicherung“, betont IHK-Experte Fischer.
