20. Juli 2026
Für Lindauer Azubis stand KI auf dem Stundenplan
Egal ob in Industrie oder Verwaltung, im Handel oder im Dienstleistungsbereich – es gibt kaum ein Berufsbild, das ohne Künstliche Intelligenz auskommt. Um die Fachkräfte von morgen optimal vorzubereiten, hat die IHK-Regionalversammlung Lindau/Bodensee in Zusammenarbeit mit dem KI-Produktionsnetzwerk der Universität Augsburg die „KI-Azubi-Challenge“ ins Leben gerufen. Rund 50 Auszubildende aus der Region haben teilgenommen. Jetzt wurden die Sieger prämiert. Das Projekt könnte nun sogar bayernweit Schule machen.
Für junge Menschen ist Künstliche Intelligenz ein ständiger Begleiter: Sie fragen ChatGPT um Rat bei der Referatserstellung, chatten mit KI-Bots oder lassen ihre Präsentation von Gemini optimieren. Aber wie kann man selbst ein KI-Modell trainieren? Mit dieser Frage befassten sich Auszubildende unterschiedlicher Fachrichtungen im Rahmen der „KI-Azubi-Challenge“. Initiiert worden war die Challenge von Mitgliedsunternehmen der IHK-Regionalversammlung Lindau/Bodensee. Die IHK Schwaben hat es sich in der aktuellen Legislaturperiode zur Aufgabe gemacht, in regionalen Arbeitskreisen u. a. das Thema Bildung zu forcieren. Unter der Federführung von Dorothee Buhmann, stellvertretende IHK-Präsidentin und Geschäftsführerin der Buhmann Systeme GmbH, haben Unternehmerinnen und Unternehmer die KI-Challenge ins Leben gerufen. Auszubildende aus der Region konnten ergänzend zur regulären Ausbildung in den Betrieben und dem Berufsschulunterricht an einem der Workshops teilnehmen. Fachlich begleitet wurde das Projekt vom KI-Produktionsnetzwerk der Universität Augsburg.
Von datenbasiertem Arbeiten bis zum analytischen Denken
„Mit der KI-Azubi-Challenge möchten wir den Auszubildenden einen praxisnahen Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen und Berührungsängste abbauen“, sagt Projektbetreuerin Anja Heusel von der IHK Schwaben. „Die Challenge fördert wichtige Zukunftskompetenzen, die Unternehmen künftig in nahezu allen Bereichen benötigen, vom datenbasierten Arbeiten bis zum analytischen Denken“, sagt Christina Light vom KI-Bildungsteam der Universität Augsburg, die die Workshops mit den Auszubildenden leitete. Diese fanden in den Räumen der Sparkasse Schwaben-Bodensee in Lindau statt. Aufgabe war es, ein KI-Modell so zu optimieren, dass es Schrauben, Muttern und Beilagscheiben möglichst präzise bestimmen kann. Die jungen Leute arbeiteten dazu mit einem vortrainierten Objekterkennungsmodell. Sie erstellten eigene Bilddatensätze von den zu erkennenden Objekten, kennzeichneten die Bilder mit spezieller Software und experimentierten anschließend mit Modellgrößen und Trainingsparametern. Sieger wurde das Team, dessen KI-Modell die Objekte auf bislang unbekannten Bildern möglichst genau bestimmte. „Die prämierten Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass bereits mit überschaubaren Mitteln und einer strukturierten Vorgehensweise leistungsfähige KI-Anwendungen entstehen können“, betont Anja Heusel.
Neugier und Lernbereitschaft als wichtige Kompetenzen
Die stellvertretende IHK-Präsidentin Buhmann lobte bei der Siegerehrung vor allem das Engagement der Auszubildenden, die freiwillig Zeit und Energie in ein so wichtiges Zukunftsthema investiert haben. Ebenso wie die Ausbildungsbetriebe, die ihren Nachwuchskräften den Freiraum dafür gegeben haben. „Sie haben heute alle gewonnen – nicht wegen einer Platzierung, sondern weil Sie den Mut hatten, sich auf ein neues Thema einzulassen“, sagt Buhmann. „Neugier und Lernbereitschaft gehören heute zu den wichtigsten Kompetenzen überhaupt." Sieger wurden Auszubildende der Rawe Electronic GmbH aus Weiler-Simmerberg, gefolgt von zwei Teams der Firma Hochland aus Heimenkirch.
Erfahrungen aus Lindau sollen weiter genutzt werden
Das KI-Projekt in Lindau war bereits die zweite Azubi-Challenge, die die IHK Schwaben und die Universität Augsburg gemeinsam durchführten. „Die gewonnenen Erfahrungen werden genutzt, um weitere Bildungsangebote für Auszubildende, Lehrkräfte und Unternehmen mit der Universität Augsburg zu entwickeln“, sagt Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter des Bereichs Berufliche Bildung der IHK Schwaben. „Ziel ist es, KI-Kompetenzen noch stärker in die berufliche Bildung zu integrieren und den Austausch zwischen Schulen, Ausbildungsbetrieben und Wissenschaft auszubauen.“ Derzeit laufen Gespräche, die KI-Azubi-Challenge zum Modell für andere Schulen in Bayern zu machen. „Die Pilotprojekte in Aichach und Lindau haben gezeigt, dass interaktive und praxisnahe Lernformate junge Menschen besonders motivieren und wir Zukunftstechnologien so noch erfolgreicher in die Schulen tragen können“, so Fischer.
