9. Januar 2026
Bayerisch-Schwaben profitiert von Mercosur
Mit der Zustimmung zum Mercosur-Abkommen hat die Europäische Union den Weg für die größte Freihandelszone der Welt geebnet. In dieser Woche soll das Abkommen ratifiziert werden. „Auch die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben wird davon maßgeblich profitieren“, sagt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International der IHK Schwaben. Rund 300 bayerisch-schwäbische Unternehmen sind derzeit in Lateinamerika aktiv – das sind 12,5 Prozent aller auslandsaktiven Betriebe. Mehr als 50 Unternehmen sind mit eigenen Niederlassungen vor Ort vertreten.
Mercosur steht für die Wirtschaftsgemeinschaft im südlichen Lateinamerika. Ihr gehören Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay als Vollmitglieder an. Vor allem bayerisch-schwäbische Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau, dem Ingenieurswesen sowie aus der Agri- und Foodtech-Branche unterhalten Geschäftsbeziehungen in diese Länder. Künftig könnten die Verflechtungen dorthin noch enger werden. Bei einer Umfrage unter den auslandsaktiven Unternehmen in Bayerisch-Schwaben gaben im vergangenen Jahr knapp 20 Prozent der Befragten an, dass sie sich durch den Abschluss des Abkommens einen leichteren Marktzugang in dieser Region erhoffen. Rund 13 Prozent erklärten, die Exporttätigkeiten in der Region ausbauen oder neu aufnehmen zu wollen.
Bislang ist das Exportvolumen in die Mercosur-Staaten noch moderat. „Das liegt auch daran, dass den Unternehmen bislang klare Regeln und verlässliche Standards fehlten, um den Handel auszubauen“, sagt Lovell. Mehr als 25 Jahre war über das Mercosur-Abkommen verhandelt worden, erst in letzter Minute verständigten sich die EU-Mitgliedsstaaten auf den Abschluss. „Jetzt ist wichtig, dass das Abkommen zügig, transparent und mit praktikablen Vorgaben umgesetzt wird“, so Lovell. Denn besonders kleine und mittlere Unternehmen seien darauf angewiesen, dass Handelsbarrieren fallen. „Mit dem Abschluss des Abkommens können die Unternehmen nun neue Absatzpotenziale erschließen. Die Strukturen dafür sind bereits vorhanden“, sagt die IHK-Expertin.
Die IHK Schwaben sieht in Freihandelsabkommen wie dem mit den Mercosur-Staaten einen wichtigen Baustein, um die heimische Wirtschaft aus bestehenden Abhängigkeiten zu führen und die internationalen Aktivitäten breiter aufzustellen. „Beim Bestreben, Lieferketten zu diversifizieren und Risiken zu minimieren, gewinnen neue Märkte zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Lateinamerika ist einer dieser wichtigen Zukunftsmärkte“, sagt Lovell. Denn die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben stehen im globalen Handel vor enormen Herausforderungen. Die bayerische Exportwirtschaft verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2025 erneut einen Rückgang beim Exportvolumen. Besonders die Ausfuhren in die USA und China – mit die wichtigsten Handelspartner Bayerisch-Schwabens – sind im Jahresvergleich deutlich zurückgegangen. Für die stark exportorientierte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben sind das alarmierende Signale, wie auch die jüngste IHK-Konjunkturumfrage gezeigt hat. Das Auftragsvolumen der bayerisch-schwäbischen Unternehmen war in allen Weltregionen rückläufig. Eine Verbesserung der Lage erwarteten die Betriebe lediglich für die den Asien-Pazifik-Raum, für Teile Westeuropas – und für Süd- und Mittelamerika. „Ein funktionierendes Abkommen mit den Mercosur-Staaten bietet daher die Chance, zusätzliche Nachfrage zu erschließen. Das ist gerade für die Branchen wichtig, die aktuell besonders stark unter der Exportflaute leiden“, so Lovell.
