13. Mai 2026
Bayerns Wirtschaft fordert Reformen für mehr Wachstum
Die Spitzen der neun bayerischen Industrie- und Handelskammern haben bei der BIHK-Vollversammlung in Zusmarshausen bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für die rund eine Million bayerischen IHK-Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen gefordert. „Die Unternehmen brauchen wieder mehr Vertrauen in die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliches Wachstum müssen daher in den Mittelpunkt einer verlässlichen und langfristigen Reformagenda rücken“, sagte Gastgeber Reinhold Braun, Präsident der IHK Schwaben.
Ausrichter der Vollversammlung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) war in diesem Jahr die IHK Schwaben. Das Treffen, zu dem auch MdL Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, geladen war, fand in der Alten Posthalterei in Zusmarshausen statt.
Gespräch mit Klaus Holetschek
Die Präsidentinnen und Präsidenten sowie Hauptgeschäftsführer der bayerischen IHKs tauschten sich mit dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, über die aktuellen Herausforderungen für die Wirtschaft aus. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem die anhaltende Wachstumsschwäche, die zunehmende Investitionszurückhaltung gerade mittelständischer Unternehmen, die branchenübergreifend hohen Energie- und Arbeitskosten, hemmende Verwaltungsverfahren, die strukturellen Belastungen für die Industrie sowie die zunehmenden Nachteile der exportorientierten Unternehmen im internationalen Wettbewerb.
„Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung hat sich zuletzt zerschlagen. Gerade die Industrie steht massiv unter Druck. Viele Unternehmen sehen sich zunehmend gezwungen, ihre Investitionen am Standort Deutschland zu hinterfragen. Deshalb braucht die Wirtschaft neue Freiräume, beispielsweise durch schnellere Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren sowie einen spürbaren Abbau von Dokumentationspflichten“, betonte BIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Manfred Gößl. Gerade mittelständische Unternehmen benötigten wieder mehr Freiräume, um ihrer unternehmerischen Verantwortung für den Standort und ihre Beschäftigten gerecht werden zu können. Auch Klaus Holetschek betonte die Bedeutung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen und den politischen Gestaltungswillen: „Wir müssen das Thema Energie auf die Reihe bekommen, die Sozialsysteme reformieren und die Digitalisierung für die Modernisierung der Verwaltung deutlich voranbringen. Wenn die Wirtschaft gut läuft, ist viel gewonnen.“
In der Diskussion machten die Vertreter der bayerischen Wirtschaft weiterhin deutlich, dass insbesondere die zunehmende Verunsicherung am Standort Deutschland sowie fehlende Planungssicherheit Investitionen erschweren. Braun warnte vor einem schleichenden Verlust industrieller Wertschöpfung: „Wir erleben eine Strukturkrise, die zunehmend industrielle Wertschöpfung und international wettbewerbsfähige Arbeitsplätze unwiederbringlich zu verdrängen droht. Entscheidend ist jetzt, dass wieder mehr Vertrauen in den Standort Deutschland entstehen kann.“
Auch die Energiepolitik spielte bei den Beratungen eine wichtige Rolle. So zählen die Energiepreise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zu den größten konjunkturellen Risiken der heimischen Unternehmen. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft braucht es daher eine stärker marktwirtschaftlich ausgerichtete Energiepolitik, niedrigere Systemkosten der Energiewende sowie technologieoffene Lösungen. „Die Transformation unserer produktions- und exportorientierten Geschäftsmodelle kann nur gelingen, wenn deren Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Dafür müssen Energieversorgung, Versorgungssicherheit und Kostenentwicklung stärker zusammengedacht werden“, sagte Braun auch mit Blick auf eine aktuelle Positionierung der IHK Schwaben.
Erfolgsmodell duale Ausbildung
Darüber hinaus befasste sich die BIHK-Vollversammlung mit aktuellen Themen der beruflichen Bildung. Vorgestellt wurden unter anderem zehn Jahre IHK AusbildungsScouts sowie drei Jahre bundesweit erfolgreiche Azubi-Imagekampagne #könnenlernen der IHK-Organisation. Die deutschlandweite Kampagne erreichte bislang mehr als 105 Millionen Kontakte und zählt damit zu den erfolgreichsten Kampagnen der IHK-Organisation. „Die duale Ausbildung bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die Sicherung von Fachkräften wird auch in den kommenden Jahren eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben bleiben“, sagte Gößl mit Blick auf die Arbeitskräftelücke, die sich aufgrund des demographischen Wandels trotz derzeit schwacher Konjunkturdaten weiter öffnen wird.
Offene Märkte bleiben wichtig
Ebenfalls diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen in der Außenwirtschaft. Grundlage war eine aktuelle BIHK-Studie zur Bedeutung der Außenwirtschaft für die Zukunft der bayerischen Regionen. Demnach hängen allein in Bayern rund 1,4 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Export ab. „Bayerns wirtschaftliche Stärke lebt von international erfolgreichen Unternehmen und offenen Märkten. Gerade exportorientierte Regionen wie Bayerisch-Schwaben sind auf gute internationale Rahmenbedingungen angewiesen“, so Braun.
Die BIHK-Vollversammlung ist das höchste Gremium des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK). Im BIHK haben sich die neun bayerischen Industrie- und Handelskammern zusammengeschlossen.
