21. Juli 2026

Gründungsdynamik in Bayerisch-Schwaben auf neuem Hoch

Bayerisch-Schwaben bleibt ein gründungsstarker Standort. Die Region verzeichnete 2025 einen Höchststand bei der Zahl der Gewerbegründungen. Auch im Wirtschaftsraum Augsburg wurden 2025 mehr Gewerbe gegründet als im Vorjahr. Das geht aus der Analyse der amtlichen Gewerbeanzeigenstatistik durch die IHK Schwaben hervor. „Wir spüren, dass gerade junge Menschen mit innovativen Konzepten und Produkten den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – und das trotz der derzeit konjunkturell schwierigen Lage“, sagt Jürgen Wager, Gründungsberater für den Wirtschaftsraum Augsburg. Die Zahl der Neugründungen lag 2025 mit 15.380 um 8,45 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Die Zahl der Gewerbegründungen hat 2025 in Bayerisch-Schwaben einen neuen Höchstwert erreicht und liegt sogar über dem Hoch der Corona-Zeit, als viele Menschen aus Sorge um ihren Arbeitsplatz oder zur finanziellen Absicherung in die Selbstständigkeit gestartet waren. Heute treiben die Gründerinnen und Gründer meist andere Motive an, berichtet IHK-Gründungsberater Jürger Wager: „Aktuell machen sich zunehmend Chancengründer auf den Weg. Das sind Menschen, die trotz der konjunkturellen Risiken den Wunsch verfolgen, der eigenen Idee nachzugehen." Viele gründen zunächst im Nebenerwerb neben ihrem bisherigen Angestelltenjob – auch um zu testen, ob ihr Geschäftsmodell tragfähig ist. Dass das bei vielen Gewerben in der Region der Fall ist, zeigt eine weitere Zahl aus der Statistik: Die Zahl der Gewerbeabmeldungen ist 2025 erneut zurückgegangen und liegt nun bei nur noch rund 11.500. Das Gründungssaldo – die Differenz zwischen Gewerbean- und -abmeldungen – ist um mehr als 50 Prozent gestiegen. „Das unterstreicht, dass sich die neugegründeten Gewerbe in den meisten Fällen am Markt etablieren können“, so Wager.

Künstliche Intelligenz spielt bei Gründungen eine große Rolle

Geprägt ist die Gründungsdynamik in der Region stark von neuen Technologien. „Die Digitalisierung und insbesondere Künstliche Intelligenz haben die Markteintrittshürden für neue Unternehmen gesenkt und gleichzeitig neuen Geschäftsideen den Weg bereitet“, berichtet Gründungsberater Wager. Durch neue Tools können Gründerinnen und Gründer heute mit geringerem Zeit- und Ressourcenaufwand Geschäftsmodelle entwickeln und kostengünstig am Markt testen. „Viele Gründerinnen und Gründer haben zudem KI zu ihrem Business gemacht“, so Wager. „Sie sind im Bereich der Prozessautomatisierung tätig, arbeiten an KI-Schnittstellen oder beraten andere Unternehmen zum Einsatz von KI.“ Auch der „Startup und Scaleup Monitor für Bayern“, den der Start-up-Verband gemeinsam mit dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) herausgegeben hat, unterstreicht die Bedeutung technologiegetriebener Gründungen für die Region. Betrachtet wurden dabei Startups, die sich mit besonders innovativen Geschäftsmodellen am Markt etablieren konnten.

Robuste Unternehmensstruktur im Wirtschaftsraum Augsburg

Im Wirtschaftsraum Augsburg ist die Zahl der Neugründungen 2025 deutlich gestiegen – von 5.147 auf 5.778. Das entspricht einem Plus von über 12 Prozent. Die Zahl der Abmeldung blieb nahezu konstant und liegt bei 4.233. Positiv ist das Gründungssaldo: Mit einem Überschuss von 1.545 liegt dieser Wert 68 Prozent über dem Vorjahr. Wager wertet dies als Zeichen für eine weiterhin robuste Unternehmensstruktur in der Region. Laut „Startup und Scaleup Monitor“ ist Augsburg und sein Umland mit 125 Start-ups das drittgrößte Ökosystem in Bayern. Mit 81 Start-ups liegt Augsburg deutschlandweit auf Platz 29 unter allen Städten. Jedes fünfte Augsburger Start-up ist in der Software-Branche aktiv. „Eine entscheidende Rolle spielt, dass wir in der Region über ein gut funktionierendes Ökosystem verfügen, in dem Akteure wie Hochschulen und Gründerzentren eng vernetzt sind“, erklärt Wager. Die IHK Schwaben und zahlreiche Partner haben ein umfassendes Netz an Beratungs- und Unterstützungsangeboten aufgebaut, das vielen Gründungswilligen unter die Arme greift und jungen Start-ups Austauschmöglichkeiten bietet. Auch in den anderen Regionen Bayerisch-Schwabens zeigt sich ein positiver Trend.

Positiver Gründungstrend auch im Allgäu

Im Allgäu wurden 2025 insgesamt 5.697 Gewerbe neu gegründet – ein Plus von 7,35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnet die Region den höchsten Stand seit Beginn der Auswertungen. Die Zahl der Abmeldungen blieb nahezu konstant bei rund 4.500. Das Gründungssaldo fällt erneut positiv aus: Mit einem Überschuss von fast 1.300 liegt dieser Wert 45 Prozent über dem Vorjahr. Auch als Ökosystem für Start-ups hat sich das Allgäu bewährt: Kempten liegt im Ranking deutscher Städte mit 31 aktiven Start-ups je 100.000 Einwohnern auf Platz 48.

Unternehmenslandschaft in Westschwaben äußerst stabil

In Westschwaben wurden 2025 insgesamt 2.383 Neugründungen registriert. Das sind 10 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Gewerbeabmeldungen sind weiter rückläufig und lagen bei 1.720. Damit steigt das Gründungssaldo deutlich an. Mit 633 mehr An- als Abmeldungen liegt der Wert um 85 Prozent über dem Vorjahr. Neu-Ulm liegt im Ranking deutscher Städte mit aktiven Start-ups je 100.000 Einwohnern auf Platz 63. Wichtige Akteure, die diesen Erfolg mittragen, sind etwa die Hochschule Neu-Ulm mit dem Founders Space, das Start-up und Innovationszentrum TFU GmbH, das Areal Digital Leipheim, die Startup-Region-Ulm oder StartupSüd.

Viele Gründungen in Nordschwaben

In Nordschwaben wurden 2025 insgesamt 1.522 Neugründungen verzeichnet. Damit bewegt sich die Gründungsdynamik nur knapp unter dem Niveau des Vorjahrs. Damals wurden 1.558 Gewerbe gegründet – der höchste Stand seit fünf Jahren. Die Gewerbeabmeldungen waren 2025 rückläufig und lagen bei 1.170. Stabil ist das Gründungssaldo. Es liegt mit 352 genauso hoch wie im vergangenen Jahr. Zu den Unterstützungsangeboten in Nordschwaben gehört das Technologie Centrum Westbayern (TCW) in Nördlingen, das vielen Gründungswilligen unter die Arme greift und jungen Start-ups Austauschmöglichkeiten bietet, sowie die Kooperation mit dem Landratsamt Dillingen im Rahmen der Initiative “Gründen oder Übernehmen – Durchstarten im Landkreis Dillingen”.

Der Anteil weiblicher Gründerinnen ist rückläufig

Die Zahl der Beratungsgespräche für Gründerinnen und Gründer bei der IHK Schwaben blieb 2025 mit rund 1.750 weiter auf hohem Niveau – auch wenn sich zuletzt ein leichter Rückgang abzeichnete. Zurückgegangen ist der Anteil weiblicher Gründerinnen, deren Anteil nur noch bei 41 Prozent liegt. Zuletzt waren es 44 Prozent gewesen. „Hier besteht noch erhebliches Potenzial“, sagt Wager. „Dazu ist es wichtig, gezielt Anreize zu setzen und strukturelle Hürden abzubauen.“ Auch Menschen mit Migrationshintergrund nutzten das IHK-Angebot überdurchschnittlich häufig. „Sie kommen meist gut vorbereitet in die Beratung und bringen tragfähige Geschäftsideen mit“, sagt der IHK-Experte. Im Vergleich mit der deutschlandweiten Gründungsdynamik, schneidet Bayerisch-Schwaben überdurchschnittlich ab. Bundesweit hat die Zahl der Neugründungen um 7,7 Prozent zugenommen, schwabenweit war es ein Plus von 8,45 Prozent.