21. April 2026
Handelshemmnisse bremsen den Export
Handelshemmnisse, Unsicherheiten und Kriege belasten weiter den Außenhandel der bayerisch-schwäbischen Unternehmen. Wie die aktuelle IHK-Umfrage „Going International“ zeigt, spüren mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen in Bayern derzeit eine Zunahme von Handelshemmnissen – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. „Umso wichtiger ist es, dass die EU-Kommission bei Freihandelsabkommen klare Signale sendet“, sagt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International der IHK Schwaben.
Außenhandel hat hohen Stellenwert in Bayerisch-Schwaben
Rund 2.400 Unternehmen aus Bayerisch- Schwaben sind auf ausländischen Märkten aktiv. Vor allem der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Logistik und Infrastruktur, aber auch die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie sind stark vom internationalen Geschäft geprägt. Jeden zweiten Euro verdient die heimische Industrie mit dem Export. Während der Außenhandel seit 2022 kaum Impulse setzte, erhofften sich die bayerisch-schwäbischen Unternehmen laut der IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn erstmals wieder einen spürbaren Anstieg. Inzwischen hat die militärische Eskalation im Nahen Osten die Situation auf den internationalen Märkten komplett verändert. Auch die „Going International“-Umfrage zeigt ein uneinheitliches Bild, was die Geschäftslage und Perspektiven auf internationalen Zielmärkten anbelangt. Die Befragung fand vom 2. bis zum 13. Februar 2026 statt und damit noch vor Beginn des Krieges im Nahen Osten.
Stabile Erwartungen für Europa
In der Eurozone bleiben die Erwartungen der Unternehmen insgesamt stabil. Etwa drei Viertel der befragten Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben geht von einer gleich bleibenden oder gar besseren Entwicklung aus. Bayernweit fällt vor allem die positive Entwicklung in Ost- und Südosteuropa auf. Verschlechtert haben sich dagegen die Erwartungen für China. Hier waren die bayerischen Ausfuhren bereits im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Auch in den USA deutet sich weiter eine rückläufige Entwicklung an. Jedes zweite Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben antwortete, dass es mit einer Verschlechterung der Geschäftslage rechne. Bereits im vergangenen Jahr war der bayerische Export in die Vereinigten Staaten um knapp zehn Prozent gesunken.
Unerschlossene Potenziale in der Mercosur-Region
Positiver stellt sich die Situation in der Mercosur-Region dar, wo sich bayernweit insgesamt günstige Geschäftsaussichten abzeichnen – auch wenn die Bewertung der befragten Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben hier noch etwas zurückhaltender ausfällt. „Bislang ist das Exportvolumen in die Mercosur-Staaten noch moderat, viele Potenziale sind aber noch unerschlossen“, berichtet IHK-Expertin Lovell. Rund 300 bayerisch-schwäbische Unternehmen sind derzeit in Lateinamerika aktiv, 50 Unternehmen sind mit eigenen Niederlassungen vor Ort vertreten. Nachdem das EU-Parlament Anfang des Jahres für eine juristische Überprüfung des ausgehandelten Vertragswerks gestimmt hatte, wird nun zum 1. Mai ein Interimsabkommen in Kraft treten.
Neue Absatzmärkte und strategische Diversifizierung
„Freihandelsabkommen sind die Voraussetzung, um Handelshemmnisse zu reduzieren, neue Marktpotenziale zu erschließen und bestehende Abhängigkeiten zu vermeiden“, sagt Lovell. „Die Entscheidung der EU-Kommission, Teile des Abkommens vorläufig in Kraft zu setzen, ist daher ein wichtiger Schritt. Denn die international eng vernetzte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben ist auf offene Märkte, stabile Lieferketten und faire Handelsregeln angewiesen.“ Auch Abkommen, wie sie mit Indien, Indonesien oder Australien ausgehandelt wurden, eröffnen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und tragen zur strategischen Diversifizierung. „Eine rasche Umsetzung des EU-US-Abkommens würde zudem dazu beitragen, weitere Eskalationen zu begrenzen und Verbesserungen für die Unternehmen zu erreichen“, so Lovell.
