3. Juli 2026
Beim IHK-Projekt „Hands-on Innovation“ arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammen
Von der Wissenschaft direkt in die Wirtschaft: Im Rahmen des IHK-Projekts „Hands-on Innovation“ haben Studierende der Technischen Hochschule Augsburg (THA) im Auftrag von Unternehmen aus der Stadt, dem Landkreis Augsburg sowie aus Landsberg am Lech an innovativen Produkten und Lösungen getüftelt. Bei der Abschlussveranstaltung in der IHK Schwaben wurden die Ergebnisse der Projektarbeiten präsentiert und das beste Team ermittelt.
„Hands-on Innovation“ ist eine Projekt-Reihe der IHK Schwaben, die bereits seit 2017 stattfindet. Ziel ist es, Studierende der Hochschulen mit der regionalen Wirtschaft zu vernetzen. „Wo lernt man sich gegenseitig besser kennen, als bei einem Projekt, das man gemeinsam zum Erfolg führt?“, sagt Georg Muschik. Er koordiniert die Projektreihe bei der IHK Schwaben. Mit eingebunden bei „Hands-on Innovation“ ist zudem das FIM (Forschungsinstitut für Informationsmanagement) der Technischen Hochschule. Als wissenschaftlicher Leiter der Projektreihe fungiert Björn Häckel vom Technologietransferzentrum (TTZ) Donauwörth. „Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht es uns, wertvolles Know-how zwischen Unternehmen und Studierenden auszutauschen und potenzielle Fachkräfte frühzeitig mit heimischen Unternehmen in Kontakt zu bringen“, so Muschik.
Unternehmen aus der Region haben im Rahmen von „Hands-on Innovation“ Projekt-Aufgaben aus ihrer unternehmerischen Praxis eingereicht. Anschließend machten sich die angehenden Akademiker der THA daran, unter fachkundiger Anleitung von Mitarbeitenden des FIM Lösungswege zu erarbeiten. 21 Studierende in vier Projektteams waren in diesem Jahr an den Start gegangen. Ein Semester lang tüftelten sie. „Die Unternehmen sind dabei in der Kundenrolle“, berichtet Muschik. „Sie geben den Studierenden einen Auftrag und erhalten am Ende einen Lösungsansatz, mit dem sie weiterarbeiten können.“ Bei der Abschlusspräsentation bei der IHK Schwaben stellten die teilnehmenden Studierenden ihre Ergebnisse vor.
Von den Anwesenden zum Sieger gewählt wurde ein achtköpfiges Team aus Studierenden, die im Auftrag der Steinbacher Consult Ingenieurgesellschaft aus Neusäß ein Tool entwickelt haben, das die Ausrichtung von Photovoltaikanlagen automatisch so optimiert, dass der Eigenverbrauch der Anlagen maximiert wird – ein wichtiger Hebel, um angesichts sinkender Einspeisevergütung den Wirtschaftlichkeitsfaktor für PV-Anlagen zu erhöhen. Mit dem Tool möchte Steinbacher Consult die konzeptionelle Planung von PV-Systemen und Batteriespeichern künftig datenbasiert optimieren. Den Studierenden ist es gelungen, in ihrem für das Unternehmen entwickelte Tool eine Schnittstelle zu integrieren, über die aktuelle Strompreise sowie reale Lebenszykluskosten einer Anlage abgebildet werden. Die Planer von Steinbacher Consult erhalten so ein effizientes Werkzeug für die Grobanalyse und Beratung, das komplexe Abhängigkeiten zwischen Speichergröße, Ausrichtung und volatilen Stromtarifen transparent abbildet.
Das waren die weiteren Projekte:
- Kalkulationstool für das digitale Servicemanagement für die Rational AG aus Landsberg am Lech: Was kostet das digitale Servicemanagement? Und was bringt es dem Kunden? Für Vertriebsteams ist es oft schwierig, den wirtschaftlichen Nutzen einer vorausschauenden Wartung oder Ferndiagnose aufzuzeigen. Mit einem benutzerfreundlichen Rechner, den THA-Studierende im Auftrag der Rational AG aus Landsberg entwickelt haben, kann der Return on Investment für das digitale Servicemanagement künftig transparent dargestellt werden. Auf der Basis einfacher Angaben zu Kochsystemen, Energiekosten, Wasserhärte oder der Entfernung zum Servicepartner liefert das System eine übersichtliche, visuelle Aufschlüsselung der möglichen Einsparungen.
- Augmented Reality im Reinraum für Pharmpur GmbH aus Königsbrunn: In der pharmazeutischen Produktion spielt der Reinraum eine zentrale Rolle. Damit dort gearbeitet werden kann, müssen sämtliche Materialien durch Schleusen in den sterilen Bereich gelangen. Dieser Prozess ist streng reguliert, vielschichtig und für jedes Produkt unterschiedlich – und damit eine Quelle für Fehler und hohen Dokumentationsaufwand. Die von den Studierenden entwickelte Lösung verlegt diesen Prozess in die Virtual Reality. Mit einer VR-Brille werden Mitarbeitende durch jeden Arbeitsschritt geführt – immer passend zu dem Produkt, das gerade eingeschleust wird. Das spart Zeit und Aufwand und senkt die Fehlerzahl.
- KI-gestütztes Analysetool von Maschinendaten für Everllence SE in Augsburg: Es sind häufig wiederkehrende Probleme und ähnliche Fehlerbilder, mit denen es Wartungs-, Service- und Reparatureinheiten bei Everllence in Augsburg zu tun haben. Das Problem: Das Wissen aus den vorangegangenen Aufträgen ist nicht immer verfügbar, weil die Informationen an verschiedenen Speicherorten, auf unterschiedlichen Systemen und in variierenden Dateiformaten verteilt sind. Ziel des „Hands-on Innovation-Projekts“ war es daher, eine unternehmensinterne, KI-gestützte Wissens- und Analyseplattform für Wartungs-, Service- und Reparaturdaten aufzubauen. Die Studierenden haben eine Lösung auf Basis von Microsoft Copilot etabliert, die unterschiedliche Datenquellen automatisiert analysiert, strukturiert und für Servicetechniker, Instandhaltung und Fachbereiche bei der täglichen Arbeit intelligent nutzbar macht.
- Intelligenter Chatbot für die Kundenkommunikation der Soffico GmbH aus Augsburg: Den Kunden mit KI-generierten Standardantworten abspeisen – das soll es bei Soffico nicht geben. Die THA-Studierenden haben für das Augsburger Softwareunternehmen das System „soffiA“ entwickelt, das mit Hilfe von KI-Agenten die wissensintensive Kundenkommunikation im Erstkontakt übernimmt. Da das Wissen direkt aus verifizierten Q&A-Katalogen und Handbüchern kanalisiert und systematisch aufbereitet wird, erhalten Kunden eine präzise, kontextbezogene und personalisierte Antwort – anders als bei einfachen Chatbots. Durch den modularen Aufbau des Systems können neue Daten jederzeit ohne Codeänderungen zur Wissensbasis hinzugefügt werden.
Hier finden Sie alle Informationen zu „Hands-on Innovation“. Ähnliche Chancen für Unternehmen, Projekte gemeinsam mit Studierenden umzusetzen, bieten außerdem die beiden IHK-Projekte „SustainLab“ und „Hands-On Materials“. Hier können aktuell noch Projekt-Aufträge eingereicht werden.
