6. März 2026
Iran-Konflikt beschert der Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben neue Unsicherheiten
Nach schwierigen Jahren erlebte der bayerische Außenhandel zuletzt wieder einen leichten Aufschwung. Doch jetzt sorgt der Iran-Konflikt für neue Unsicherheiten. „Die wirtschaftlichen Folgen dieser Eskalation im Nahen Osten sind für die bayerisch-schwäbischen Unternehmen nur schwer abzusehen“, sagt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International der IHK Schwaben. „Die Risiken nehmen auf jeden Fall weiter zu.“ Der Ölpreis ist bereits deutlich gestiegen. Die Wirtschaft fürchtet zudem Lieferkettenprobleme.
Rund 230 Unternehmen in Bayerisch-Schwaben sind in den Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) aktiv – dazu zählen die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar. Für viele, gerade für kleinere und mittlere Betriebe, ist die Region ein wichtiger Markt und Investitionsstandort. Entsprechend eng sind die wirtschaftlichen Verflechtungen. Doch nicht nur Unternehmen, die unmittelbar vor Ort aktiv sind, sind betroffen. Besonders folgenreich für die heimische Wirtschaft ist die energiepolitische Dimension dieses Konflikts: Etwa ein Fünftel der weltweiten Energieimporte passiert täglich die Straße von Hormus. Auch die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben sind auf die Öl- und LNG‑Lieferungen von dort angewiesen. „Die Energiemärkte reagieren bereits jetzt empfindlich auf die Störungen und die damit drohende Verknappung“, berichtet Lovell. „Steigende Preise für Öl und Gas könnten erneut zum Inflationstreiber werden.“
Unternehmen berichten von blockierten Frachtwegen im Nahen Osten
Die Golfregion ist zudem wichtiger Umschlagsplatz für Güter aus aller Welt und Knotenpunkt im globalen Containerverkehr und in der Luftfahrt. „Sollten Handelsrouten längerfristig gestört bleiben, träfe das die Lieferketten empfindlich und damit auch die international eng vernetzte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben“, berichtet Lovell. Schon jetzt melden vereinzelte Firmen, dass Frachtwege in die Region blockiert seien. Die Folge: Steigende Logistikkosten sowie längere Lieferzeiten, was sich wiederum auf Produktionsketten auswirken könnte. „Die Unternehmen beobachten die Lage derzeit ganz genau“, sagt Lovell.
Optimistische Erwartungen für 2026 erhalten Dämpfer
Für die regionale Wirtschaft kommt diese weitere geopolitische Krise zur Unzeit. 2025 hatte sich erstmals wieder ein leichter Aufschwung im Außenhandel abgezeichnet, nachdem der Export lange als Konjunkturmotor ausgefallen war. Nach Angaben des statistischen Landesamts lag der Wert der Ausfuhren bayerischer Unternehmen 2025 mit 227 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahresniveau. Die Einfuhren nahmen ebenfalls um 0,9 Prozent auf 229,3 Milliarden Euro zu. Die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben waren auch für dieses Jahr optimistisch. Wie die IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn gezeigt hat, rechneten 31 Prozent der regionalen Industrieunternehmen mit steigenden Auftragsvolumen aus dem Ausland.
Europa gewinnt für den Außenhandel immer mehr an Bedeutung
Rund 2.400 Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben sind auf ausländischen Märkten aktiv, davon 900 im Wirtschaftsraum Augsburg, 800 im Allgäu, 380 in Westschwaben und knapp 300 in Nordschwaben. Mit einer Exportquote von knapp 45 Prozent hat der Außenhandel einen hohen Stellenwert in Bayerisch-Schwaben. „Vor allem die Eurozone hat zuletzt an Bedeutung gewonnen“, sagt Lovell. Mehr als die Hälfte der bayerischen Aus- und Einfuhren gehen bzw. kommen aus EU-Ländern. Dieser Anteil hat sich 2025 noch einmal erhöht. Weiter rückläufig waren zuletzt die Ausfuhren in die USA (-9.8 Prozent) und nach China (-10,8 Prozent). Auch der Großteil der Auslandsinvestitionen der bayerisch-schwäbischen Unternehmen wird laut IHK-Konjunkturumfrage in der Eurozone getätigt.
