22. Dezember 2025
Ausländische Fachkräfte wollen deutsche Abschlüsse: Bayerisch-Schwaben profitiert von wachsender Zuwanderung
Derzeit fehlen der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft fast 11.000 Fachkräfte. Damit die Lücke nicht noch größer wird, ist Bayerisch-Schwaben auf Zuwanderung angewiesen – und das in weitaus größerem Umfang als viele andere Regionen, wie der aktuelle IHK-Arbeitsmarktradar prognostiziert. Aktuell ist die Region auf einem guten Weg: Die Zahl der Fachkräfte aus dem Ausland, die ihre Berufsausbildung anerkennen lassen möchten, hat in Bayerisch-Schwaben zuletzt weiter zugenommen. Allein bis Ende September waren aus dem Zuständigkeitsbereich der IHK Schwaben mehr als 200 Anträge gestellt worden. Im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 163 Anträge gewesen.
Laut IHK-Arbeitsmarktradar wird sich die Fachkräftelücke bis 2028 auf fast 14.000 Beschäftigte vergrößern. Trotz konjunktureller Schwierigkeiten und der zunehmenden Arbeitslosigkeit bleibt diese Entwicklung für die Wirtschaft ein großes Problem: Schon heute sehen mehr als 40 Prozent der Unternehmen im Fach- und Arbeitskräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Situation. „Angesichts der demografischen Entwicklung wird es nicht ausreichen, nur inländische Erwerbspotenziale zu erhöhen. Wir benötigen Zuwanderung“, sagt Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter des Bereichs Bildung bei der IHK Schwaben. „Um die Zuwanderung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erleichtern und die Beschäftigungschancen von Migranten zu verbessern, sind schnelle und einfache Anerkennungsverfahren entscheidend“, so Fischer.
Bessere Chancen am Arbeitsmarkt
In einem Anerkennungsverfahren wird überprüft, ob im Ausland erworbene und dokumentierte Qualifikationen den nationalen Abschlüssen entsprechen oder ob für eine vollständige Anerkennung Teilqualifikationen nachgeholt werden müssen. „Damit erhöhen die Antragsteller ihre Chancen am regionalen Arbeitsmarkt“, erläutert Fischer. „Unternehmen wiederum können so die Qualifikation internationaler Fachkräfte besser beurteilen.“ Bei allen IHK-Berufsabschlüssen übernimmt die „IHK Foreign Skills Approval“, kurz IHK FOSA, diese Überprüfung.
Mehr als 1.200 Menschen haben die Chance genutzt
Die Möglichkeit, im Ausland erworbene Qualifikationen mit einer deutschen Berufsausbildung gleichstellen zu lassen, besteht bereits seit April 2012. Seitdem haben allein aus dem Zuständigkeitsbereich der IHK Schwaben mehr als 1.200 Menschen diese Chance genutzt. Deutschlandweit wird die IHK-FOSA in diesem Jahr sogar den 10.000. Anerkennungsbescheid versenden. Die meisten Anfragen zur Anerkennung kommen bei der IHK Schwaben von Menschen aus der Türkei, der Ukraine, Marokko, Rumänien und Kroatien. Die Anerkennungen beziehen sich in rund 40 Prozent der Fälle auf Elektro-Berufe. Bei rund jedem fünften Antrag ist der Referenzberuf in der Gastronomie oder Hotellerie angesiedelt, bei jedem sechsten ist es ein kaufmännischer Beruf. Metallberufe machen rund 15 Prozent der Anträge aus. Fast 80 Prozent der Antragstellenden bundesweit sind männlich. Drei Viertel der Beschäftigten, die sich um eine Anerkennung bemühen, sind unter 40 Jahre alt.
Einfache Anerkennungsverfahren stärken den Standort
Die IHK Schwaben nimmt damit bundesweit unter den IHKs eine Spitzenposition bei der Zahl der Anerkennungen ein. Tatsächlich dürften auf dem bayerisch-schwäbischen Arbeitsmarkt sogar weitaus mehr ausländische Arbeitnehmer mit einem anerkannten Berufsabschluss tätig sein. Denn bis zu 70 Prozent aller Anträge werden direkt aus dem Ausland gestellt – Tendenz steigend. Wo diese Menschen einen Arbeitsplatz finden, wird in der Statistik nicht erfasst. „Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in der Region sind die Anerkennungen über FOSA nur ein Baustein. Die Politik sollte schnellstmöglich den gesamten Anerkennungsprozess reformieren. Ein so komplexes und zeitaufwändiges Verfahren wirkt auf ausländische Fachkräfte nicht attraktiv“, so Fischer.
