15. Dezember 2025

Mindestlohnerhöhung trifft regionalen Mittelstand: IHK-Sonderauswertung zeigt deutlichen Anpassungsdruck

Die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 setzt viele Unternehmen in Bayerisch-Schwaben unter zusätzlichen Druck. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der IHK Schwaben zur Konjunkturumfrage Herbst 2025. Rund 770 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen haben an der Erhebung teilgenommen – ein breites Spiegelbild der gewerblichen Wirtschaft in der Region.
Besonders deutlich wird der Druck beim Thema Beschäftigung: Rund jedes vierte Unternehmen in der Region rechnet damit, Personal abzubauen oder weniger neue Mitarbeitende einzustellen. Im Reise- und Gastgewerbe (47 Prozent) sowie im Einzelhandel (34 Prozent) liegt der Anteil noch höher. Gleichzeitig planen 55 Prozent der Unternehmen Preiserhöhungen, um die steigenden Arbeitskosten aufzufangen. Die Auswirkungen der Mindestlohnerhöhung bleiben dabei nicht auf die untere Lohngruppe beschränkt: 43 Prozent der Betriebe müssen Löhne im Mindestlohnbereich anheben, 56 Prozent erwarten zusätzliche Steigerungen in weiteren Lohngruppen, um ihre internen Lohnstrukturen aufrechtzuerhalten.
„Diese Mindestlohnerhöhung trifft die regionale Wirtschaft in einer Phase, in der die Belastungen ohnehin zu hoch sind“, sagt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben. „Wenn ein Viertel der Unternehmen über Personalabbau nachdenkt und mehr als die Hälfte die Preise erhöhen muss, zeigt das, wie eng die Spielräume inzwischen geworden sind.“

Erhöhung fällt in wirtschaftlich angespannte Phase

Die Sonderauswertung zeigt zudem, wie anspruchsvoll das wirtschaftliche Umfeld derzeit ist. Deutschland verzeichnet das dritte Jahr in Folge kein Wachstum, und auch in Bayerisch-Schwaben bleibt die Konjunktur verhalten. Der aktuelle IHK-Konjunkturindex liegt bei 105 Punkten: Er signalisiert Stabilität ohne echte Dynamik.
Parallel sehen die Unternehmen gleich mehrere Risiken, die sich gegenseitig verstärken: steigende Arbeitskosten, wirtschaftspolitische Unsicherheiten und eine schwache Inlandsnachfrage. Viele Betriebe berichten, dass Investitionen verschoben und Personalentscheidungen vorsichtiger getroffen werden. „Unsere Unternehmen arbeiten in vielen Fällen am Limit“, so Lucassen. „Sie wollen Arbeitsplätze sichern und investieren, stoßen aber immer häufiger an wirtschaftliche Grenzen.“

Betriebe brauchen Entlastungen

Vor diesem Hintergrund wirbt die IHK Schwaben für bessere Rahmenbedingungen, damit Unternehmen trotz steigender Kosten investieren und Beschäftigung sichern können. Dazu zählen aus Sicht vieler Betriebe der Abbau unnötiger Bürokratie, schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren sowie eine leistungsfähige digitale Verwaltung.
„Unsere Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, aber sie brauchen Entlastungen“, fasst Lucassen zusammen. „Damit Bayerisch-Schwaben auch künftig ein starker Wirtschaftsraum bleibt, benötigen wir jetzt einen echten Reformschub auf Bundesebene: weniger Hürden, mehr Effizienz und mehr Vertrauen in unternehmerisches Handeln. Nur so schaffen wir die Basis für Wachstum, Investitionen und langfristige Beschäftigung.“