23. Juni 2026

Arbeitsplätze und Steuereinnahmen: So profitiert Bayerisch-Schwaben vom Außenhandel

Die Exportwirtschaft spielt für Bayerisch-Schwaben auch in Krisenzeiten eine enorm wichtige Rolle. Knapp 18 Prozent der Bruttowertschöpfung in der Region entfallen direkt oder indirekt auf den Warenexport. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Prognos, das im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) die regionalen und fiskalischen Effekte des Exports bis auf Landkreisebene ermittelt hat. Demnach hängt fast jeder sechste Arbeitsplatz in Bayerisch-Schwaben vom Außenhandel ab. Das sind rund 190.000 Jobs in der Region.
„Die Ergebnisse zeigen sehr klar, wie stark Bayerisch-Schwaben vom Export profitiert“, sagt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International der IHK Schwaben. Gleichzeitig gilt: Regionen, die exportabhängig sind, sind auch besonders verwundbar. „Das gilt angesichts der zahlreichen Krisenherde in der Welt und der geopolitischen Unsicherheiten umso mehr“, so Lovell. Bayernweit liegt der Anteil der exportabhängigen Wertschöpfung bei 18 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer liegt dieser Anteil nur in Baden-Württemberg noch höher. Die wichtigsten bayerischen Exportbranchen sind der Kraftfahrzeugbau, gefolgt von Maschinenbau, Elektronik und der Chemieindustrie. Allerdings verloren die Auto- und Chemiesparte zuletzt relativ an Bedeutung, während Maschinenbau und Elektronik stärker zulegen.

Diversität macht Bayerisch-Schwaben resilienter

Grundlage für die von Prognos ermittelte Exportrelevanz ist nicht allein die Wertschöpfung durch industrielle Fertigung. Berücksichtigt werden auch vorgelagerte Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Engineering, Logistik und Forschung. Diese Kennzahl macht deutlich, wie stark eine Region tatsächlich in globale Wertschöpfungsketten eingebettet ist. Auf diese Weise lassen sich auch Aussagen zur Abhängigkeit der Wirtschaft vor Ort von regionalen Unsicherheiten oder Krisen treffen. Hier steht Bayerisch-Schwaben im Vergleich zu vielen anderen Regionen gut da. Denn im Gegensatz zu exportorientierten industriellen Zentren wie etwa Ingolstadt oder Dingolfing ist die exportorientierte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben laut Prognos deutlich diversifizierter. Exportstützende Dienstleistungen, die als Bindeglied zwischen industriellen Kernregionen und globalen Absatzmärkten fungieren, sind stark vertreten. „Dank der hohen Exportrelevanz bei einer gleichzeitig diversifizierten Branchenstruktur hat die regionale Wirtschaft optimale Voraussetzungen, sich den gegenwärtigen Krisen und strukturellen Veränderungen zu stellen“, sagt Lovell. Neue Märkte wie Indien, Südostasien und Südamerika gewinnen stark an Bedeutung. Auch der EU-Binnenmarkt genießt weiter höchste Relevanz.

Export generiert Steuereinnahmen in Milliardenhöhe

Der Export hat nicht nur für den regionalen Arbeitsmarkt eine große Bedeutung. 190.000 Arbeitsplätze in Bayerisch-Schwaben sind direkt oder indirekt vom Export abhängig. Nur in Oberbayern und Mittelfranken sind es mehr. Zudem hat der Außenhandel auch fiskalische Effekte, die sich vor Ort unmittelbar auswirken. 16 Milliarden Euro an Steuern hängen in Bayern direkt oder indirekt am Export. Allein in Bayerisch-Schwaben fließen jedes Jahr 1,7 Milliarden Euro über die Einkommen- und Gewerbesteuern in die Staatskassen. „Die Exportstärke ist für den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand unserer Region essenziell, weil sie Jobs sichert und Steuereinnahmen generiert“, betont Lovell.

So kann die Politik den Export weiter stärken

Aus diesem Grund benötigen die Unternehmen gerade in diesen herausfordernden Zeiten bessere Standortbedingungen, um dauerhaft im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Dafür müssen Bürokratie- und Produktionskosten sinken. Zugleich müssen sich die Rahmenbedingungen für Bildung, Forschung und Forschungstransfer, Wachstumsfinanzierung und Genehmigungstempo an den besten Regionen der Welt ausrichten. „Ebenso braucht unsere Wirtschaft zum Erschließen neuer Märkte die aktive Unterstützung auf Landes- und Bundesebene sowie Rückenwind durch weitere EU-Freihandelsabkommen“, so Lovell.