Bauwirtschaft, Frühsommer 2026

Lage gibt nach – Energiepreissprung im März trifft Margen und Eigenkapital

Das Baugewerbe in Baden-Württemberg gehörte zum Jahresbeginn 2026 zu den positiven Ausreißern der Konjunktur. Diese Position hat es mit der Frühjahrsumfrage verloren. Der Lageindikator gibt 12 Punkte ab und fällt von 17 auf 5 Punkte. Der Anteil der Bauunternehmen mit guter Geschäftslage geht von 30 auf 20 Prozent zurück. Im Hintergrund stehen mehrere Effekte: Im März 2026 sind die Preise für energie- und transportintensive Vorleistungen wie Diesel und Bitumen gestiegen, weitere Verteuerungen etwa beim Asphalt gelten als wahrscheinlich; energieintensive Baumaterialien wie Zement und Transportbeton verharren auf hohem Preisniveau. Da diese Kostensteigerungen bei laufenden Projekten häufig nicht weitergegeben werden können, geraten Margen, Liquidität und Eigenkapital unter Druck. Die Ertragslage gibt in der Frühjahrsumfrage rund 23 Punkte ab und steht jetzt bei minus 19 Punkten. Die Geschäftserwartungen liegen mit minus 21 Punkten weiter im negativen Bereich.
Bei der Auftragseingangstendenz nach Bausparten zeigt sich ein gemischtes Bild. Im Wohnungsbau verschlechtert sich die Tendenz erstmals seit drei Jahren von minus 24 auf minus 32 Punkte – die Branche steht weiterhin unter dem Einfluss hoher Bauzinsen, gestiegener Baukosten und einer verhaltenen Nachfrage. Im gewerblichen Hochbau verbleibt die Tendenz mit minus 42 Punkten stark negativ; die konjunkturelle Unsicherheit dürfte zu Investitionszurückhaltung bei den Auftraggebern beitragen. Im öffentlichen Hochbau und im Straßen- und Tiefbau ist die Tendenz mit minus 42 beziehungsweise minus 31 Punkten unverändert.
Die Zahlen zeigen, dass das Sondervermögen und der sogenannte „Bau-Turbo“ die Bauwirtschaft noch nicht erreicht haben. Die gewachsenen und nicht absehbaren Materialkosten machen das Bauen – ebenso wie gestiegene Zinsen bei Krediten – derzeit teuer und risikobehaftet. Die Genehmigungszahlen steigen zwar weiter an, lassen jedoch nicht auf eine Umsetzung von Bauprojekten schließen.
Im Risiko-Profil verschiebt sich das Bild stark. Die Energie- und Rohstoffpreise werden inzwischen von 79, bzw. 74 Prozent der Bauunternehmen als Risiko genannt – ein Anstieg von jeweils über 30 Prozentpunkten. Insbesondere die Preise für Bitumen sind zuletzt infolge des Iran-Konflikts stark angestiegen. Als energieintensive Branche zeigt sich das Baugewerbe besonders sensibel bei Preisanstiegen. Die schwache Inlandsnachfrage folgt mit 56 Prozent (minus 9 Prozentpunkte). Die geopolitischen Spannungen legen von 21 auf 55 Prozent der Nennungen zu, ein Anstieg um 34 Prozentpunkte. Der Rückgang beim Fachkräftemangel von 65 auf 50 Prozent ist mehrdeutig: Da die Aufträge in den meisten Bausparten zurückgehen, sinkt der akute Personalbedarf entsprechend. Eine echte Entspannung am Bau-Arbeitsmarkt erscheint dagegen kurzfristig wenig plausibel. Die Arbeitskosten werden von 54 Prozent der Bauunternehmen als Risiko genannt.
Die Investitionserwartungen verbessern sich leicht von minus 24 auf minus 18 Punkte, bleiben aber im negativen Bereich. Die Beschäftigungserwartungen liegen unverändert bei minus 11 Punkten und decken sich damit mit den abnehmenden Investitionsabsichten.