Dienstleistungen, Frühsommer 2026
Lage der Dienstleister solide, doch Erwartungen geben nach
Im Dienstleistungssektor zeigt sich ein gespaltenes Bild: Die Geschäftslage hält sich noch im positiven Bereich, die Erwartungen brechen dagegen deutlich ein. Während die unternehmensnahen Dienstleister ihre Lagebewertung stabil bei 25 Saldenpunkten halten, müssen die personenbezogenen Dienstleister einen kräftigen Rückgang von 11 Punkten hinnehmen und stehen nun bei plus 12. Hier berichten mittlerweile 18 Prozent von einer schlechten Geschäftslage – 8 Prozentpunkte mehr als noch zum Jahresbeginn. Noch deutlich stärker trübt sich der Blick nach vorn ein. Bei den personenbezogenen Dienstleistern steigt der Anteil schlechter Erwartungen von 27 auf 40 Prozent, der Saldo verliert 17 Punkte und rutscht auf minus 31. Maßgeblich sind die Kostenbelastungen: Energiepreise und Arbeitskosten werden jeweils von über 60 Prozent der Befragten als Geschäftsrisiko genannt. Auch bei den unternehmensnahen Dienstleistern kippen die Erwartungen um 10 Punkte ins Negative und liegen nun bei minus 8. Hier wirkt die schwache Inlandsnachfrage, welche 64 Prozent als Risiko bezeichnen, geschäftsschädigender als die Energiepreissteigerungen mit 39 Prozent (lediglich 21 Prozent zum Jahresbeginn).
Ebenfalls positiv entwickelt sich die Lage bei den Beratungsunternehmen, zu denen Betriebe aus der technischen, kaufmännischen und rechtlichen Beratung zählen. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung sowie umfangreicher wirtschaftlicher Umstrukturierungsprozesse im Zuge der Transformation hat sich insbesondere die Auftragslage in der kaufmännischen und rechtlichen Beratung verbessert. Der Auftragseingang bewegt sich hier wieder auf einem positiven Niveau: Rund 23 Prozent der Unternehmen melden eine steigende Nachfrage, was einem Zuwachs von etwa 5 Prozentpunkten gegenüber dem Herbst entspricht.
In der technischen Beratung, zu der unter anderem Architektur‑ und Ingenieurbüros zählen, macht sich hingegen die konjunkturelle Schwäche im gewerblichen Hochbau weiterhin bemerkbar. Hier berichtet etwa jedes dritte Unternehmen von einem Rückgang des Auftragseingangs. Entsprechend stellt die Inlandsnachfrage mit 75 Prozent der Nennungen das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko dar. In der kaufmännischen und rechtlichen Beratung fällt dieser Wert mit rund 54 Prozent deutlich geringer aus.
Die anhaltend schwache Konjunktur in der Industrie und in weiteren Wirtschaftsbereichen belastet auch die unternehmensnahen Dienstleister der Werbebranche. In Phasen schwacher wirtschaftlicher Aktivität werden Ausgaben für Werbung erfahrungsgemäß als Erstes reduziert. Rund 42 Prozent der Unternehmen der Werbebranche berichten von einem Nachfragerückgang, während lediglich etwa 13 Prozent eine steigende Nachfrage verzeichnen. Der Lageindikator sinkt entsprechend von 9 auf –2 Punkte. Der Anteil der Unternehmen mit guter Geschäftslage liegt bei rund 17 Prozent, während etwa 19 Prozent ihre Lage als schlecht einschätzen.
Von den Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz profitieren hingegen die ITK‑Dienstleister. Aktuell bewerten rund 42 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, während etwa 16 Prozent eine schlechte Lage melden. Das Auftragsvolumen bleibt jedoch angesichts der insgesamt geringen Investitionstätigkeit mit –7 Punkten noch deutlich im negativen Bereich, wenngleich sich der Indikator gegenüber dem Herbst um 3 Punkte verbessert hat.
Für die Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche, zu denen auch Versicherungen sowie das Kreditgewerbe zählen, zeigt sich derzeit eine ausgeprägte Sonderkonjunktur. Etwa 55 Prozent der Unternehmen dieses Sektors bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während lediglich 2 Prozent eine schwierige Lage melden. Die bereits im vergangenen Jahr positive Stimmung setzt sich damit zum Jahresbeginn fort.
Besonders im Kreditgewerbe entwickelt sich das Zinsgeschäft weiterhin robust, nachdem es sich im vergangenen Jahr weitgehend stabilisiert hat. Auch das Kreditgeschäft insgesamt zeigt nach dem Durchschreiten der Talsohle wieder eine spürbare Belebung. Sowohl im Privatkunden‑ als auch im Firmenkundengeschäft steigt die Nachfrage nach Krediten. Etwa jedes zweite Kreditinstitut berichtet einen Nachfrageanstieg bei Privatkunden, bei Firmenkunden sind es 42 Prozent. Zudem hat sich die Kreditvergabe gegenüber dem Herbst spürbar verbessert: So geben 34 Prozent der Banken an, ihre Investitionskredite an Unternehmen ausgeweitet zu haben; bei Betriebsmittelkrediten liegt dieser Anteil bei rund 33 Prozent.
