Handel, Frühsommer 2026

Lage und Erwartungen geben nach – Konsumzurückhaltung verstärkt sich

Der Handel in Baden-Württemberg steht weiterhin unter Druck. Der Lageindikator des Gesamthandels gibt von minus 9 auf minus 12 Punkte nach und bleibt im negativen Bereich. Die Geschäftserwartungen verlieren rund 10 Punkte und stehen jetzt bei minus 22 Punkten. Die Gründe dafür sind vielseitig: die anhaltende reale Kaufkraftsenkung der privaten Haushalte – die deutsche Inflationsrate stieg im April auf 2,9 Prozent – und die zusätzliche Verunsicherung durch den Iran-Konflikt. Das GfK-Konsumklima fiel im April auf minus 28 Punkte und weist für Mai mit minus 33 Punkten den schwächsten Wert seit Februar 2023 auf. Verbraucher halten ihr Geld zusammen und verzichten vor allem auf nicht lebensnotwendige Anschaffungen. Im Handel sind die Beschäftigungserwartungen mit minus 27 Punkten weiter rückläufig.
An der Spitze der Risikoliste verbleibt der schwache Inlandsabsatz: Dieser wird von 65 Prozent der Handelsunternehmen genannt. Die Energiepreise folgen mit 64 Prozent (plus 24 Prozentpunkte) auf Rang zwei, die Arbeitskosten mit 57 Prozent auf Rang drei. Die geopolitischen Spannungen legen von 32 auf 50 Prozent der Nennungen zu. Auch Rohstoffpreise legen um 16 Prozentpunkte zu und gefährden das Geschäft von 38 Prozent der teilnehmenden Händler.
Im Einzelhandel sinkt der Lageindikator um 6 Punkte auf minus 15 Punkte. Nur noch 14 Prozent der teilnehmenden Einzelhändler bewerten ihre eigene Lage als gut, mehr als doppelt so viele bewerten sie als schlecht. Die Erwartungen geben von minus 23 auf minus 30 Punkte nach. Die Branche ist zweigeteilt: Apotheken, der Handel mit medizinischen und orthopädischen Artikeln sowie der Lebensmitteleinzelhandel profitieren weiterhin von einer weitgehend konjunkturunabhängigen Grundnachfrage. Der übrige Einzelhandel – etwa Bekleidung, Möbel, Spielwaren – steht unter dem Eindruck der Konsumzurückhaltung, da diese Sortimente einkommenselastisch und stark konjunkturabhängig sind. Mit minus 73 Punkten erreicht das Kaufverhalten der Kunden im Einzelhandel ein Allzeittief. Nur ein Prozent der Teilnehmer berichtet von Kauffreude, drei Viertel von Zurückhaltung. Als Folge brechen die Umsätze vieler Einzelhändler ein. Der Indikator fällt auf minus 38 Punkte. Bei mehr als der Hälfte sind die Umsätze geringer als im Vorjahr. 43 Prozent erwarten einen weiteren Rückgang im kommenden Jahr.
Im Beschäftigungsausblick zeigt sich der Druck besonders stark: Die Beschäftigungserwartung fällt von minus 21 auf minus 30 Punkte, 34 Prozent der Einzelhändler rechnen mit einem Personalabbau in den kommenden zwölf Monaten. Mit nur knapp 4 Prozent, die einen Aufbau planen, ergibt sich ein deutlich negativer Saldo.
Im Großhandel verharrt der Lageindikator mit minus 9 Punkten in etwa auf dem Niveau des Jahresbeginns (minus 8 Punkte). Die Geschäftserwartungen geben hingegen kräftig nach: Sie fallen von minus 1 auf minus 13 Punkte. Die zunehmende Priorisierung nationaler Interessen, die Einschränkungen des freien Welthandels und der Wertschöpfungsketten, eine stagnierende inländische Produktion sowie hohe Standort- und Lohnstückkosten stellen strukturelle Belastungen dar. Diese treffen den Großhandel als Scharnier zwischen Produktion und Abnehmern besonders. Die geopolitische Blockbildung verändert internationale Handelsstrukturen und Lieferketten, was die Planungssicherheit zusätzlich dämpft.