Hotels und Gaststätten, Frühsommer 2026

Energiepreise erhöhen bestehenden Kostendruck

Das Gastgewerbe sieht sich immer weiter zunehmendem Kostendruck ausgesetzt. In der Branche verschlechtert sich die Geschäftslage um rund 6 Punkte und steht jetzt bei minus 16 Punkten. 17 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, 33 Prozent als schlecht. Die Geschäftserwartungen liegen mit minus 28 Punkten weiter im negativen Bereich. Bei den Investitionen verlieren die Erwartungen 18 Punkte und stehen jetzt bei minus 14 Punkten – ein Hinweis darauf, dass viele Betriebe angesichts der Kostenbelastung und des unsicheren Ausblicks Investitionsentscheidungen verschieben. Die Energiepreise steigen nach dem Iran-Konflikt erneut, die Lebensmittelpreise bleiben hoch, und die geopolitische Unsicherheit steigt. All dies dürfte die Konsumbereitschaft der Gäste dämpfen und gleichzeitig die Fixkosten der Gewerbetreibenden erhöhen. Die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen, die seit dem 1. Januar 2026 wirksam ist, schafft an dieser Stelle nur begrenzte Entlastung – aufgrund der gestiegenen Betriebskosten ist mit flächendeckenden Preissenkungen für Gäste nicht zu rechnen.
Beinahe die Hälfte der Betriebe im Gastgewerbe berichtet von geringeren Umsätzen als zur selben Zeit im Vorjahr. Die Folgen zeigen sich im Eigenkapitalrückgang, von dem 44 Prozent der Betriebe berichten. Eine unproblematische Finanzlage ist nur noch in weniger als einem Drittel aller Unternehmen anzutreffen.
Im Gastgewerbe nennen 87 Prozent der Betriebe die Energiepreise als Risiko – der höchste Wert aller Branchen in dieser Umfrage. Die Arbeitskosten bleiben mit 82 Prozent unverändert auf hohem Niveau und stellen nahezu jeden Betrieb vor ökonomische Herausforderungen. Die geopolitischen Spannungen legen von 32 auf 52 Prozent der Nennungen zu. Der Fachkräftemangel verliert 9 Prozentpunkte auf 38 Prozent. Einige Betriebe versuchen beim Personal Kosten zu sparen und mit weniger Angestellten auszukommen. Alternativ werden Öffnungszeiten reduziert. Die Beschäftigungserwartung gibt von minus 30 auf minus 37 Punkte nach. Damit ist im Gastgewerbe der ausgeprägteste Beschäftigungsabbau zu erwarten: 41 Prozent der Betriebe rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen, knapp 5 Prozent mit einem Aufbau.
Der enorme Kostendruck durch Energie und Personal, aber auch beispielsweise Lebensmittel lässt vor dem Hintergrund einbrechender Umsätze die Ertragslage weiter eintrüben. 15 Prozent der Unternehmen mit guter Ertragslage stehen 44 Prozent mit einer schlechten gegenüber.
In der Hotellerie wirkt sich die Schwäche der Industrie- und Exportkonjunktur unmittelbar aus: Weniger Messen, Dienstreisen und Projektbesuche treffen ein stark industriell geprägtes Bundesland wie Baden-Württemberg besonders. Hinzu kommen Störungen im internationalen Reiseverkehr – Flugausfälle, eingeschränkte Verbindungen und höhere Ticketpreise infolge der Hormus-Krise –, die die Zahl internationaler Gäste belasten. Auch private Anreisen mit dem Pkw wirken aufgrund der hohen Spritpreise abschreckend für Tagesgäste oder Wochenendausflügler.
In der Gastronomie wirkt der Iran-Konflikt als globaler Unsicherheitsfaktor und Kostentreiber unmittelbar auf die Konsumfreude. Die Folge: weniger Event-, Feier- und Gruppennachfrage, kürzere Aufenthalte, ein Ausweichen auf günstigere Angebote. Restaurantbesuche werden gestrichen, an Zusatzleistungen wie Bar oder Events sparen die Gäste. Kosten können hinsichtlich der verhaltenen Kauflaune nur bedingt an Gäste weitergegeben werden. Die Lebensmittelpreise und die Energiekosten belasten die Betriebe weiter erheblich, da diese zu einem Großteil die Fixkosten beeinflussen. Auch die Arbeitskosten, welche durch den Mindestlohnanstieg zu Jahresbeginn stiegen, stellen für viele Gastronomen eine Belastung dar.