Industrie, Frühsommer 2026
Lage wieder leicht positiv – Erwartungen eingetrübt
Die Industrie in Baden-Württemberg meldet zum Frühjahr 2026 erstmals seit drei Jahren wieder positive Lagewerte: Der Lageindikator klettert von minus 5 auf 1 Punkt und überschreitet die Nulllinie. Die Geschäftserwartungen geben dagegen von 4 auf minus 3 Punkte nach und liegen damit wieder im negativen Bereich. Dies hat mehrere Hintergründe: anhaltende Strukturthemen – hohe Energie- und Rohstoffpreise, US-Zollbelastungen, schwache globale Nachfrage, Fachkräfteengpässe und Bürokratie – und neuerdings der Energiepreisanstieg infolge des Iran-Konflikts. 65 Prozent der Industrieunternehmen nennen Energiepreise als Geschäftsrisiko – ein Anstieg um knapp 20 Prozentpunkte. Wie robust sich die Südwest-Industrie gegenüber diesem Schock behauptet, dürfte stark von außenwirtschaftlichen Impulsen und politischen Entlastungen abhängen. Die eigene Resilienz dürfte angesichts des strukturellen Abbaus der letzten Jahre abgenommen haben.
Im Detail bewerten 26 Prozent der Industrieunternehmen ihre aktuelle Lage als gut, 25 Prozent als schlecht. Letzterer Anteil stieg um 4 Prozentpunkte. Bei den Erwartungen rechnen 22 Prozent mit einer Verbesserung, 24 Prozent mit einer Verschlechterung. Die Kapazitätsauslastung steigt auf 79 Prozent und liegt damit weiter unter dem langfristigen Durchschnitt von rund 84 Prozent. Die höhere Auslastung könnte zum Teil auch auf einen bereits getätigten Rückbau der Kapazitäten zurückzuführen sein, was die Auslastung verbleibender Kapazitäten erhöht.
Der Auftragseingang aus dem Inland verharrt mit minus 11 Punkten auf dem Niveau des Jahresbeginns. Aus dem Ausland kommen mit einem Saldo von 1 Punkt leicht positive Signale. Die Investitionsbereitschaft bleibt mit minus 11 Punkten mehr als verhalten. Beim Personal setzt sich der negative Trend fort: Die Beschäftigungserwartung liegt bei minus 23 Punkten, 33 Prozent der Industrieunternehmen rechnen mit einem Abbau der Belegschaft.
An der Spitze der Risikoliste stehen die geopolitischen Spannungen mit 66 Prozent (plus 11 Prozentpunkte), gefolgt von den Energiepreisen (65 Prozent). Die energieintensive Industrie ist von einem potenziell langanhaltenden Konflikt und Kostenanstiegen besonders betroffen. Im Falle langjähriger Verträge ist es zudem Unternehmen nicht möglich, mit Preisanpassungen kurzfristig zu reagieren. Schwindende Margen sind die Folge.
Die schwache Inlandsnachfrage rückt mit 64 Prozent auf Rang drei (minus 6 Prozentpunkte). Der Konflikt wirkt in zweierlei Hinsicht problematisch auf die Unternehmen. Zum einen bewirkte er ein Sparen und senkt Konsum- und Investitionsausgaben. Zum anderen treibt er die Kosten hoch, welche bei geringer Nachfrage nicht an Kunden weitergegeben werden können. Mit 61 Prozent nennen beinahe doppelt so viele Industriebetriebe wie zum Jahresbeginn Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. Die Arbeitskosten werden von 58 Prozent der Unternehmen als Risiko bewertet, der Auslandsabsatz von 40 Prozent – beide Werte gehen leicht zurück. Der Fachkräftemangel folgt mit 25 Prozent und erreicht ein 5-Jahres-Tief. Dies verdeutlicht die kritische konjunkturelle Lage, da das strukturelle Problem des Fachkräftemangels nicht behoben ist.
Die schwache Inlandsnachfrage rückt mit 64 Prozent auf Rang drei (minus 6 Prozentpunkte). Der Konflikt wirkt in zweierlei Hinsicht problematisch auf die Unternehmen. Zum einen bewirkte er ein Sparen und senkt Konsum- und Investitionsausgaben. Zum anderen treibt er die Kosten hoch, welche bei geringer Nachfrage nicht an Kunden weitergegeben werden können. Mit 61 Prozent nennen beinahe doppelt so viele Industriebetriebe wie zum Jahresbeginn Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. Die Arbeitskosten werden von 58 Prozent der Unternehmen als Risiko bewertet, der Auslandsabsatz von 40 Prozent – beide Werte gehen leicht zurück. Der Fachkräftemangel folgt mit 25 Prozent und erreicht ein 5-Jahres-Tief. Dies verdeutlicht die kritische konjunkturelle Lage, da das strukturelle Problem des Fachkräftemangels nicht behoben ist.
Im Maschinenbau verbessert sich die Geschäftslage um 13 Punkte auf minus 1 Punkt und nähert sich der Nulllinie. Der Auftragseingang aus dem Inland ist auf dem Niveau von minus 17 Punkten weiter überwiegend rückläufig. Die Kapazitätsauslastung steigt leicht auf 80 Prozent. Die Erwartungen drehen leicht in den negativen Bereich (von 6 auf minus 1 Punkt). Die Lageverbesserung scheint angesichts der rückläufigen Auftragseingänge und leicht negativen Erwartungen fragil.
Die Metallindustrie verzeichnet eine Lageverbesserung um 12 Punkte von minus 19 auf minus 7 Punkte. Das Niveau bleibt im klar im negativen Bereich. Die Auftragseingänge aus dem Inland (minus 18 Punkte) und aus dem Ausland (minus 10 Punkte) nehmen weiterhin ab. Die Erwartungen tendieren mit minus 6 Punkten noch weiter ins Negative als zum Jahresbeginn. Die Branche leidet weiter unter den US-amerikanischen Zusatzzöllen.
In der Elektrotechnik entwickelt sich die Konjunktur robust. Die Lage steigt von 10 auf 14 Punkte, die Auftragseingangstendenz aus dem Inland legt von 3 auf 7 Punkte zu. Die Branche profitiert weiter von Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung. Die Erwartungen liegen mit 13 Punkten im positiven Bereich, was einen anhaltenden Aufwärtstrend erwarten lässt.
Im Fahrzeugbau ergibt sich ein gegenläufiges Muster: Die Lage verschlechtert sich von minus 8 auf minus 12 Punkte, während die Erwartungen von 13 auf 17 Punkte zulegen. In dieses Bild passen die steigenden Auftragseingänge, welche die Branche verzeichnet. Hier stieg der Saldo von minus 3 auf plus 17 Punkte an. Trotz gestiegener Umsätze (Saldo steigt von minus 15 auf plus 6 Punkte) ist die Ertragslage negativ (minus 14 Punkte), was dem schwachen Vorjahr geschuldet sein mag. Die Drohung der Trump-Regierung, Zölle auf europäische Autos zu erheben, erfolgte erst am Ende der Umfrage, und hatte damit keine großen Auswirkungen auf die Umfrage. Die Erhöhung auf 25 Prozent würde jedoch den Automotive-Sektor als baden-württembergische Schlüsselindustrie hart treffen.
Die Chemie- und Pharmaindustrie liegt mit einem Lageindikator von 33 Punkten an der Spitze der Industrie-Teilbranchen und gewinnt nochmals 5 Punkte. Die Erwartungen verbessern sich von 11 auf 17 Punkte. Der Indikator für Auftragseingänge aus dem Ausland geht allerdings von 25 auf 13 Punkte zurück, was eine Entschleunigung der Zunahme beschreibt.
Die Exporterwartungen der Industrie geben gegenüber dem Jahresbeginn nach. Der Gesamtsaldo der Exporterwartung liegt bei 5 Punkten nach 9 zum Jahresbeginn. Bei den Zielregionen ergibt sich ein differenziertes Bild: Für die Eurozone bleiben die Erwartungen mit 3 Punkten unverändert leicht positiv, für die übrige EU geben sie von 6 auf 0 Punkte nach. Für Asien (4 Punkte) und Lateinamerika (3 Punkte) gehen die Exporterwartungen jeweils um rund 6 Punkte zurück, bleiben aber positiv. Der seit dem 1. Mai vorläufig in Kraft getretene Handelsteil des Mercosur-Abkommens hat den groß erhofften Effekt verpasst, nachdem zunächst das europäische Parlament den europäischen Gerichtshof zu dessen Überprüfung angerufen hatte. Viele asiatische Volkswirtschaften haben aufgrund der Blockade in der Straße von Hormus große Probleme mit der Energieversorgung, Teuerungen bei Öl und Gas, sowie gestörten Lieferketten. Das hat zur Folge, dass weniger Geld für Exporte zur Verfügung steht.
Für Nordamerika und die USA wird wieder ein leicht zunehmendes Geschäft erwartet, welches weiterhin von Zöllen der US-Handelspolitik erschwert wird. Für China und Osteuropa erwartet die Südwestindustrie ein weiteres Abebben der Exporte. Chinas Handelspolitik ist darauf ausgelegt, im Inland auf eigene Produkte zu setzen und auf Exportmärkten Konkurrenz durch stark subventionierte Güter zu verdrängen. Daher fällt China zum einen als einst großer Absatzmarkt zunehmend weg und erschwert zum anderen den Export in Drittmärkten.
