Industriekonjunktur, IHK-Region Ulm, Herbst 2026

Industrie hofft auf steigende Exporte

Die regionale Industrie verspürt trotz aller Risiken und Unwägbarkeiten zunehmend positive Signale. Die Nachfrage, vor allem aus dem Ausland, wird kräftiger. Im Inland profitiert ein Teil der Betriebe von steigenden Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Die Industrie hofft, dass die Auftriebskräfte allmählich die Oberhand gewinnen. Ihre Zukunftspläne bleiben jedoch von Vorsicht geprägt.
Erstmals seit vier Jahren melden im Herbst 2026 wieder mehr Industrieunternehmen gestiegene als sinkende Umsätze. Der Umsatzindikator ist von minus sechs Punkten im Frühjahr auf 20 Punkte nach oben geschnellt. Sowohl im Inland als auch im Ausland hat die Industrie höhere Erlöse erzielt. Das ist angesichts einer stagnierenden Inlandskonjunktur und anhaltender geopolitischer Konflikte eine hervorragende Leistung.
Richtige Freude darüber kommt in der hiesigen Industrie jedoch kaum auf. Denn von den verbesserten Erlösen bleibt aufgrund kräftig gestiegener Energie- und Arbeitskosten viel zu wenig hängen. Hinzu kommt die leicht verbesserte aber immer noch niedrige Auslastung vieler Unternehmen, wodurch die Stückkosten sich immer noch auf einem erhöhten Niveau befinden. Im Schnitt meldet die Industrie ein auf 78 Prozent geringfügig verbesserte Kapazitätsauslastung, die damit weiterhin deutlich hinter ihrem langfristigen Durchschnitt (82 Prozent) zurückbleibt.
Dadurch fällt die geschäftliche Bewertung der aktuellen Situation im Schnitt der Branche ungünstiger aus als im Frühjahr. Zwar fällt der Anteil der Industrieunternehmen mit schlechter Ertragslage um 3 Prozentpunkte geringer aus als im Frühjahr, jedoch ist die Zahl der Betriebe mit guter Gewinnsituation noch stärker zurückgegangen, um sieben Punkte. Entsprechend fällt die allgemeine Zufriedenheit der hiesigen Industrie mit dem Verlauf ihrer Geschäfte geringer aus als noch im Frühjahr. Einem Viertel der Unternehmen geht es gut (zuvor 33 Prozent), 27 Prozent befinden sich in einer schlechten Lage (zuvor 25 Prozent).
Zunehmende Impulse aus dem Ausland
Dank eines trotz aller Widrigkeiten erstaunlich robusten Welthandels setzt die Industrie ihre Hoffnungen auf eine weiter zunehmende Auslandsnachfrage. Die aktuell steigende Tendenz im Auftragseingang bestätigt sie in ihren Erwartungen. Über die Hälfte der exportierenden Industriebetriebe rechnet mit steigenden Auslandserlösen. Nur jedes neunte Unternehmen befürchtet Einbußen. Die größten Impulse kommen dabei aus der Euro-Zone und auch aus der restlichen EU. Auch die Signale aus Nordamerika zeigen trotz bremsender US-Zölle nach oben. Auch wird mit Spill-Over-Effekten auf das Inlandsgeschäft gerechnet, das zusätzlich durch steigende Staatsausgaben für Infrastruktur und Rüstungsgüter gestützt wird.
Insgesamt blickt die regionale Industrie dadurch merklich optimistischer auf die nächsten zwölf Monate als zuvor. Der Anteil der Optimisten ist von 29 auf 38 Prozent gestiegen. Pessimistisch blicken nur noch gut 18 Prozent der Betriebe nach vorn, fünf Prozentpunkte weniger als im Frühjahr.
Die Abwärtsrisiken bleiben jedoch hoch. Die internationalen Konflikte können jederzeit erneut eskalieren und zu Kostensprüngen, Versorgungslücken oder Unterbrechungen in den Lieferketten führen. Im Inland droht die Politik die notwendigen Strukturreformen zur Standortsicherung zu verzögern oder gar zu verwässern. Das verstärkt die Unsicherheiten. Ohne Planungssicherheit fehlt die Bereitschaft, im Inland zu investieren. Auch die Beschäftigungspläne bleiben aus Vorsicht zurückhaltend.