Wirtschaftsspiegel
Nr. 7093492
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Unternehmen & Märkte

Aus Spiel wird Ernst

Ben Becker-Schatke hat ein klares Ziel: Anfang 2027 will er das Unternehmen „Thiemann's Basteln und Spielen“ in Münster von Frank Kleine Hörstkamp übernehmen – und bereitet sich im Coaching-Programm Nachfolge-Kompass darauf vor.
„Ich bin eine Zeit lang ziellos gewesen“, sagt Ben Becker-Schatke über sich. Sein Weg zum Unternehmer war nicht schnurgerade: Nach einer Ausbildung zum Schlosser interessierte er sich zunächst für Ergotherapie und Erziehung.
Zum Einzelhandel kam er im Weihnachtsgeschäft vor ein paar Jahren, als er bei einem großen Spielzeugfachgeschäft in Münster als Aushilfe arbeitete. Auch bei „Thiemann´s Basteln und Spielen“ begann er nur stundenweise und fand Gefallen an der Tätigkeit und an der Kundschaft im Münsteraner Südviertel. Er erlebte in den letzten acht Jahren weniger als zehn unangenehme Begegnungen. „Das ist eine extrem angenehme Kundschaft hier.“

Diese Kundschaft ist ein guter Grund, das Geschäft zu erhalten. Damit das gelingt, nimmt Becker-Schatke an dem strukturierten Coachingprogramm „NachfolgeKompass“ teil: Der Kurs behandelt in 13 Veranstaltungen über ein Jahr Themen wie Verhandlungsführung, Personalführung, Steuerrecht, Finanzierung und Digitalisierung. Auch Workshops für die Übergebenden oder für Übergebende und Nachfolger gemeinsam sind dabei. Das sorgt für eine konstante Beschäftigung mit dem Thema und gibt allen Beteiligten Unterstützung auch bei der richtigen Gesprächsführung und der strukturierten Vorbereitung.

Vom Angestellten zum Inhaber

Das mit der Nachfolge, sagt Becker-Schatke, war immer eine „lose Überlegung“. Erst seit einem Jahr seien die Gedanken sowohl bei ihm als auch seinem Chef etwas ernsthafter geworden. Kleine Hörstkamp plant aus persönlichen Gründen, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Seine Töchter sind inzwischen erwachsen, aber nicht an einer Übernahme interessiert. Becker-Schatke möchte Planungssicherheit für sich. Schließlich ist er inzwischen selber Vater und hat mit seiner Frau ein Haus in Kattenvenne gekauft.
Bei der zweiten Veranstaltung des NachfolgeKompass zeigte der Dozent den Teilnehmern ein Schaubild, das die zu absolvierenden Schritte visualisiert. „Jeder von uns sollte sich da einordnen, wo er oder sie gerade steht in diesem Prozess“, erklärt Becker-Schatke. Manche sind wie er schon sehr konkret in ihren Planungen, andere bereiten sich langfristig auf die Übernahme vor. Einige steigen als Sohn oder Tochter in ein Familienunternehmen ein, andere starten wie Becker-Schatke mit der Übernahme in ihre Selbstständigkeit oder erweitern wie Anna Saalmann mit der geplanten Übernahme ihr Geschäftsfeld.
Becker-Schatke bereitet sich professionell auf die Nachfolge vor, dazu hat er sein Vorhaben mit IHK-Nachfolgeexpertin Juliane Melchers-Hürkamp durchgesprochen und den Businessplan gemeinsam mit Mario Döring von der NRW.BANK vorbereitet. Bei den Steuerfragen wird ihn seine Schwester fachlich unterstützen. Die Arbeit im Laden ist ihm vertraut, doch viele administrative Punkte kann er nur gemeinsam mit dem Übergeber angehen. Hier benötigt er noch tiefere Einarbeitung. Sein Chef unterstützt den Prozess, zum Beispiel durch Becker-Schatkes Teilnahme am NachfolgeKompass.
Becker-Schatke weiß: „Wir gehören unterschiedlichen Generationen an, da werden manche Dinge auch unterschiedlich gesehen und gehandhabt. “ Dennoch ist er zuversichtlich, dass beide – auch mit den wertvollen Impulsen aus dem NachfolgeKompass – die nötigen Gespräche wertschätzend und zielgerichtet führen werden.
Für den einen bedeutet es Abschied, für den anderen den Start.